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Sehr geehrte Damen und Herren,

ich habe im Heft 7/2015 sehr bewegt den Beitrag „Wohin wollen wir denn?“ gelesen. Man merkt, dass Frau Schiemenz das alles selbst erlebt hat. Das ist einer der wenigen Berichte über Alzheimer, der die Wirklichkeit nahe kommen. Ich habe meine Frau 5 Jahre zu hause nach der Diagnose Alzheimer gepflegt, bis ich merkte, dass ich dem nicht mehr gewachsen bin und sie schweren Herzens in’s Pflegeheim geben musste. Das war die schwierigste Entscheidung in meinem Leben. Man möchte es eigentlich nie machen, aber wenn man trotz professioneller Hilfe alleine die Last zu tragen hat, kommt man irgendwann an seine Grenzen und merkt, wenn ich es jetzt nicht mache gehe auch ich kaputt. Damit wäre niemandem geholfen, denn im Heim sind ja auch Entscheidungen erforderlich, die ich treffen musste.

Ich hatte in der Großstadt das Glück, dass ein gutes Pflegeheim in unserer unmittelbarer Nähe lag, wo sie auch schon zur Tagespflege war. Ich konnte sie täglich besuchen und noch viele schöne Stunden mit ihr verbringen. Viele der beschriebenen Situationen erkannte ich wieder. Auch meine Frau hat einen Mitbewohner gefunden mit dem sie viel Zeit verbrachte, aber irgendwann kam dann der Bewegungsdrang und eine Aggressivität in’s Spiel, die ich bei meiner Frau nie erlebt hatte. Sehr belastend ist allerdings, wenn man täglich den Verfall ansehen muss, die Persönlichkeit verändert sich rasant und man erkennt die eigenen Ehefrau fast nicht mehr und kann nicht helfen. Nach einem reichlichen Jahr ist sie dann im April 2015 eingeschlafen. Es war zunächst für mich unheimlich schwer, aber alle im Umfeld trösteten mich damit, dass es letztlich eine Erlösung für uns beide war.

Mit freundlichen Grüßen
Klaus Ober