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Sehr geehrte Frau Holch,

Mein Kompliment zum letzten chrismon, das heute der FAZ beilag. Ich habe die Interviews mit den ehemaligen russischen Soldaten nicht ohne Emotionen lesen können. Wir haben das ja auf der anderen Seite erlebt, was für ein Grauen das überall gewesen ist. Ich bin noch heute meinem Deutsch- und Geschichtsleherer Dr. Zickel dankbar, der uns ein Jahr vor dem Abitur mit einem Packen Zeitungen  und den Worten begrüsste: Meine Herren, Sie wissen, was auf dem Lehrplan steht: Römische und Griechische Geschichte: Ich halte es für unverantwortlich, Sie in einem Jahr ins Leben hinausgehen zu lassen, ohne Ihnen zu berichten, was sich in Deutschland zwischen 1933 und 1945 ereignet hat. Und dann ging es anhand seiner privaten Zeitungssammlung los:  März 1933. Überschrift: Reichregierung kann neues Verfassungsrecht setzen. Was kann eine Regierung? Was kann ein Parlament? Und so ging es über Röhm-Putsch, usw. bis zum Kriegsanfang. Ich war, als ich als Austauschstudent 1950 nach Amerika kam, heilsfroh, dass ich mehr wusste und dort gegenüber Mitstudenten oder deren  Eltern eine eigene Meinung vertreten konnte. Ich danke es Dr. Zickel noch heute. Das war ganz gegen die Vorschriften und er hätte sicherlich  sogar Ärger bekommen können, dass er die römische und griechische Geschichte unter den Tisch fallen liess.    

Bravo für die Interviews im Chrismon. Ich hatte Tränen in den Augen.

Ralph P. Odendall