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Gleich vorweg: Ob man von der Autorin, wie es auch in der Diskussion durchdringt, eine Distanzierung von den offensichtlich verfehlten Äußerungen der Auswanderer erwarten konnte, ist Geschmackssache. Ich persönlich hätte es getan. Jedoch bestätigt der Artikel - und deshalb bin ich dankbar über die vorliegende Aufbereitung - meine These über die ungenügende Geschichtsaufarbeitung zum deutschen Kolonialismus beziehungsweise die Korrelation von Kolonialismus und Rassismus in Deutschland. Die hier zitierten Äußerungen der Senioren überraschen mich dabei keineswegs. Man braucht sich nur in München in die nächste Air Berlin-Maschine nach Windhoek zu setzen und sieht sich mit einer überwältigenden Mehrheit gut situierter "Sandalenträger" konfrontiert, die sich in einem fremden Land mindestens grob fahrlässig keine Gedanken zu diesem Problem machen. Den Vorwurf müssen sie sich jedoch gefallen lassen. Denn Sprüche, wie "das läuft da unten so gut, weil wir noch da sind" oder "in unserer Lodge in Swakopmund haben wir auch wieder unseren eigenen Afrikaner. Der macht 'nen Superjob" sind inakzeptabel. Ich bin regelmäßig in Afrika und war davon zwei Mal beruflich und privat in Namibia. Derartige Sätze habe sie so oft zu hören bekommen und dabei stets in ahnungslose Gesichter geblickt, dass ich es kaum glauben konnte. Es handelt sich dabei um eine ganz interessante Sorte Deutscher, mit denen man es zu tun hat - und ich pauschalisiere hier absichtlich: sehr freundlich, regelmäßig Akademiker im Ruhestand, nationalliberal und eben leider Gottes hochgradig rassistisch. Besten Gruß, Jörg Kleis