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Ockenga schrieb am 13. März 2015 um 18:02. "Es ist richtig, dass die Kolonisation aus Gewinnsucht großes Leid über die Völker gebracht hat. Aber ebenso gewiss ist auch, dass häufig die "Eroberer" den Ländern Verwaltungsstrukturen und eine gemeinsame Sprache vermittelten.....Wenn die Menschen in Namibia heute noch von der Kolonialzeit profitieren, kann die so schlecht auch nicht gewesen sein." Genau diese Argumentation war sehr beliebt, wenn man mit denen diskutierte, die den Rechtsvorgänger der BRD noch im Erwachsenenalter erlebten. Es wurde zugestanden, dass der Adolf manches verbockt hatte, aber die Autobahnen, die er bauen ließ, belegen doch, dass der Faschismus so schlecht auch nicht war.
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Wem dazu dann nur der Einwand einfällt, dass der Autobahnbau keine Nazierfindung war, der verpasst den Witz der Angelegenheit. Es ist ein grundlegender Fehler, sich die Welt gedanklich zurechtzulegen als Ansammlung von guten und schlechten Seiten, von Risiken und Chancen. Weil diese Untertanenperspektive aber sehr nützlich für die jeweilige Herrschaft ist, wird sie besonders vom demokratischen Regime schon der Jugend eingebläut. Im Deutschaufsatz wird abgefragt, ob auch jeder die Tour beherrscht, überall Vorteile und Nachteile zu entdecken, die es gegeneinander abzuwägen gilt. Wer dann als Fan des Faschismus oder des Dschihads endet, hat sich eben beim Abwägen etwas vertan. Wer Anhänger von Demokratie und Marktwirtschaft bleibt, hat sehr weise abgewogen.