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Da kann man Herrn Gabler nur zustimmen. Zwar liest sich der Bericht wie ein Verkaufsprospekt, aber die persönlichen Probleme der "Auswanderer" sind ja deren Sache.

Insgesamt scheint mir der Bericht objektiv zu sein. Wenn man diese Siedlung beschreibt, mußt man ja nicht zwingend zur Rechtfertigung des Berichtes auch das ganze afrikanische Elend aufführen. Die ganze süßlich esotherische Soße des allumfassenden Mitleids ist ja gut gemeint und sicherlich auch dann berechtigt, wenn kritisch über die Poiltik in diesem Land berichtet werden soll. Wenn sich 2 vollkommen unterschiedliche Wertesystme so hautnah begegnen, dann gibt es auch Situationen, die nach unseren Maßstäben so hier nicht sein sollten. Rassistische Bemerkungen kann ich nicht finden. Es sei denn, dass objektive Unterschiede als rassistisch bezeichnet werden. Wenn wir dort nach den Gewohnheiten der Einwohner leben wollen, müßten die uns auch an die Hand nehmen. Finden Sie es als rassistisch, wenn jemand nicht in einem Ghetto nur unter Fremdsprachigen (wie es in einigen No-Go-Areas in Deutschland der Fall ist) leben will?

Das erninert mich dann doch sehr stark an den Pfarrer, der von Kanzel daran erinnert, dass alle Menschen Brüder und Schwestern sind und es aus christliche Nächstenliebe nicht gestattet ist zwischen Schwarz, Wess, Gelb und sontig andersartig zu unterscheiden. Die 18jährige Tochter beruft sich auf die Kanzelrede und präsentiert der Familie 1 Tag später einen waschechten Namibier als den Auserwählten. Pfarrer: Konsterniert, nimmt er die Tochter beiseite und sagt, ja, das habe ich gesagt, aber zwischen den Zeilen können Antworten sehr vielschichtig sein. Du bist unser einziges Kind. Muß das wirklich sein?

Außerdem ist dann auch jede Entwicklungshilfe (Wort und Anspruch sind unter diesem Aspekt zutiefst arrogant) ein "an die Hand nehmen". Es ist richtig, dass die Kolonisation aus Gewinnsucht großes Leid über die Völker gebracht hat. Aber ebenso gewiss ist auch, dass häufig die "Eroberer" den Ländern Verwaltungsstrukturen und eine gemeinsame Sprache vermittelten. In Indien ist Englisch eine einende kulturelle Klammer, die das Land erst regierungsfähig macht. Das könnte bald auch für China denkbar sein. Wenn die Menschen in Namibia heute noch von der Kolonialzeit profitieren, kann die so schlecht auch nicht gewesen sein.

Fremden Ländern und Menschen das eigene System aufzupressen ist immer schlecht. Aber dann ist ja auch die religiöse Mission etwas zutiefst Böses. Die Welt ist eben anders, als es die "Gutmenschen" in ihrem grünlich lieblichen Umfeld sehen möchten.