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Guten Tag,
auch mich hat der unterschwellig rassistische Duktus des Artikels unangenehm berührt. Eine deutlichere Distanzierung der Autorin von den Äußerungen der Bewohner, die zitiert werden, hätte ich absolut notwendig gefunden.
Der Artikel hinterließ bei mir viele Fragen, vor allem die, warum er nicht sorgfältiger rezensiert wurde? Wie kann es sein, dass in einem christlichen Magazin ein so tendenziös geschriebener Artikel abgedruckt wird? Es sind leider sehr viele Stellen, an denen eine verzerrte Wahrnehmung der Autorin zum Ausdruck kommt. Einige möchte ich hier aufführen:
Z.B.:
„Winhhoek, Lüderitz (heute: Naminüs), …“ Warum steht der aktuelle Name in Klammern und nicht der kolonialistische?
„Die Deutschen hatten sich 16 Jahre zuvor das Land genommen, die Kolonie Deutsch-Südwestafrika genannt und in Windhoek ihr Hauptquartier aufgeschlagen. Sie brachten Jugendstil und Sauerkraut, Bier nach deutschem Reinheitsgebot, den christlichen Glauben und ermordeten Zehntausende beim Hereroaufstand “ Der lakonische Teilsatz, in dem der Genozid an den Herero in einem Atemzug mit der Einfuhr von „typisch deutschen“ Errungenschaften aufgezählt wird, degradiert den grausamen Völkermord an vielen zehntausenden Angehörigen des Hirtenstammes zu einer Lappalie.
Weiterhin erweckt der Ausdruck „das Land genommen“ den Eindruck, dass Namibia ein freies Stück Erde war, in dem niemand lebte und das man sich einfach so nehmen konnte, weil es keinem gehörte.
Andrea Jeska lässt bei ihrer einseitigen Darstellung einer deutschen Rentneridylle in Namibia die Tatsache außer Acht, dass diese nur auf Kosten einer jahrzehntelangen Unterdrückung der Einheimischen existieren kann. Die einheimischen Stämme wurden 1884 von den weißen Siedlern verdrängt, ihrer Lebensgrundlagen beraubt und gezwungen, ihr Land zu räumen. Sie wurden als Menschen zweiter Klassen behandelt und praktisch entrechtet. Dieses Denken existiert immer noch in den Köpfen genau der Menschen, die nun in der Seniorenresidenz leben und die mit derartigen Äußerungen im Artikel zitiert werden:

„ „Die Ellenbogengesellschaft und immer Stau, das hat mich ohnehin geärgert“, sagt Helmut. „Und in Namibia ist es so sauber. Das ist richtige deutsche Sauberkeit“, sagt Birgit,..“ ebendiese Ellenbogenmentalität hat dazu geführt, dass das heutige Namibia zu 1884 zu einer deutschen Kolonie ausgebaut, in „Deutsch-Südwestafrika“ umbenannt und in der Folge mithilfe von Rassentrennung und Unterdrückung von der deutschen Kolonialverwaltung regiert wurde. Einheimische Stämme wurden gezwungen, ihr Land zu räumen. Deren lebenswichtiges Weideland ging in die Hände der Siedler über.
Doch die Autorin Andrea Jeska distanziert sich nicht etwa deutlich von dieser Äußerung, sondern bleibt im Konjunktiv:
„…und man müsste bei so einem Satz zusammenzucken, verstünde man nicht, dass das Fremde wohl erst dann aufhört, beängstigend zu sein, wenn man darin etwas vom Eigenen erkennt.“
Ich bin der Meinung, man muss bei so einem Satz nicht nur zusammenzucken, sondern seinem Gegenüber klar und deutlich sagen, dass er die eigene Überhöhung und Arroganz gegenüber anderen ausdrückt. Etwas Fremdes muss keineswegs beängstigend sein. Wenn ich die Entscheidung treffe, in einem anderen Land zu leben, ist das Fremde für mich das Spannende, Überraschende, Bereichernde.
So aber entsteht der Eindruck, dass auch die Autorin Menschen aus anderen Kulturen aus der Sicht der eigenen Gruppe und der mit ihr verbundenen Wertmaßstäbe betrachtet und ihre eigene Gruppe überhöht darstellt.
Mit freundlichen Grüßen, Katrin Larisch.