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Wenn das Patriarchat so wirkmächtig wäre, wie die Autorin annimmt, hätten die jungen Leute doch gar keinen Spielraum für ihre individuelle Entscheidung in den Krieg zu ziehen. Sie würden sich dem Willen des Patriarchen unterordnen.
Wichtige Faktoren hat die Soziologin hier nicht im Blick: wir erleben interkulturell eine Radikalisierung der jungen Generation. Davon erzählt die wachsende Hooligan-Bewegung, das kann man bei jungen Russland-Deutschen beobachten, am Applaus von Schulklassen in den Pariser Vororten für die Hebdo-Attentäter und am Zulauf traditioneller Lebensformen und Überzeugungen islamischer Jugendlicher von Kairo bis Sumatra. Die Jugend wird wieder politisch -nur völlig anders als es sich die nörgelnden Alt-68er vorstellen konnten.
Auf der anderen Seite habe ich muslimische Familien und vor allem Väter erlebt, die ihre Kinder unglaublich unterstützen, sich in Elternvertretungen engagieren und ihnen eine gelingende Karriere ermöglichen. Grade weil sie ihre Rolle als Vater in der Familie ernstnehmen. Übrigens verglichen mit asiatischen Gesellschaften, verlangt unsere ausgesprochen wenig Leistung von ihren Heranwachsenden. Wo junge Menschen aber lernen, dass sie sich qua Leistung Individualität und Teilhabe erwerben können, sind sie alle dabei. Egal ob zuhause Türkisch, Russisch oder Oberbayrisch gesprochen wird. So schwer ist das gar nicht, die kulturellen Unterschiede zu überwinden. Nur der akademische Tunnelblick wird dabei nicht weiterhelfen.