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Sehr geehrte Frau Holch,

Sie schreiben, wenn ich einen entsprechenden Workshop besuchen würde und mich schnell und preiswert einkleiden würde, sähe ich vermutlich „nuttig“ aus, käme auf der Straße mit entsprechenden Gesten trotzdem durch. Eine beruflich erfolgreiche Frau würde sich dann über mein Frauenbild mokieren und denken, ich hätte von dem, was moderne Frauen so tun, keine Ahnung.
Frau Holch, Sie liefern mir die Argumente, man könnte schon fast glauben, wir wären uns einig. Ich würde mich niemals so respektlos verhalten, dass ich in „nuttiger“ Kleidung und mit entsprechendem Gehstil im öffentlichen Raum Frauen nachäffe. Ich sähe für mich auch keinerlei Erkenntnisgewinn darin: Zum einen würden mich die Leute auf der Straße bei meiner Figur sowieso nur für einen Homo- oder Transsexuellen halten, und eben nicht für eine Frau; zum anderen erführe ich durch die „nuttige“ Kleidung auch nichts Neues über die Gedanken und Gefühle einer modern, erfolgreichen Frau. Insgesamt erschiene mir ein solcher Workshop daher völlig unsinnig und überhaupt nicht zielführend, und der Ihrige Workshop erscheint mir für ein besseres Verständnis und Miteinander der Geschlechter ebenso unnütz.
Meine Strategien, mich in moderne Frauen hineinzudenken (ich lebe mit vier weiblichen Wesen zusammen, wie ich erwähnte) sind völlig andere: ich höre zu, bin empathisch und unterstützend, übernehme „Frauenarbeiten“ im Haushalt.
Ich versuche, meine Töchter für Technik zu begeistern und es würde mich sehr freuen, wenn eine von ihnen einmal Maschinenbau studieren würde und nicht „irgendwas mit Medien“ - aber das ist ihre Entscheidung, nicht meine.
Sie beklagen einen „aggressiven“ Ton der kritischen Kommentare und verweisen darauf, dass viele nicht veröffentlicht werden konnten. Mit Verlaub, ich finde diese Sichtweise ziemlich selbstgerecht. In der Kommentarspalte finden sich zahlreiche sachliche, fundierte Kommentare, die es durch die redaktionelle Überprüfung geschafft haben. Auf die wirklich guten Argumente gehen Sie leider gar nicht erst ein, vor allem nicht auf den mehrfach vorgetragenen Kritikpunkt, dass es nicht EINE einzige positive Klischeevorstellung über Männer in Ihren Artikel geschafft hat. „Empört“ ist auch nicht dasselbe wie „aggressiv“, da machen Sie es sich sehr einfach. Ebenfalls vermisse ich eine Reflexion darüber, inwieweit diese Empörung legitim sein könnte und was der Artikel zu dieser Empörung beigetragen hat. Mit einer Entschuldigung für einige missglückte Formulierungen habe ich zwar nicht gerechnet, aber ein wenig Entgegenkommen und Einlenken gegenüber der berechtigten Kritik wäre schon schön gewesen.