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Sehr geehrte Frau Holch,

ich bedanke mich für Ihre direkte Antwort auf meinen Leserkommentar, über die ich einige Tage nachdenken musste. Wenn ich Sie nun richtig verstanden habe, war es im Sinne des Rollenspiels notwendig, Klischeevorstellungen von Männern aufzugreifen und sich so zu verhalten, dass Außenstehende im Hirschauerschen Sinne davon überzeugt waren, einen Mann vor sich zu haben, denn Frauen würden solche Dinge eher nicht tun.
Vielleicht verstehen Sie aber auch, wenn es mich erschüttert, dass diese exklusiv männlichen Verhaltensweisen allesamt so asozial sein sollen. Ich behaupte, dass in den Köpfen vieler Leute auch noch andere genuin männliche Klischees existieren, die aber nicht ausprobiert wurden oder zumindest nicht Eingang in Ihren Text fanden.
Sie schreiben (bereits in dem Artikel, das hatte ich überlesen), dass die jungen Frauen Lars sympathisch fanden. Es hätte mich gefreut, wenn Sie kurz darauf eingegangen wären, was genau sie an Lars mochten. Das wäre doch eine gute Gelegenheit für etwas mehr Ausgewogenheit gewesen.
Einige Mitdiskutanten und auch Sie fordern, man solle nicht beleidigt sein ob dieser durchaus humorvoll gemeinten Darstellungen, Frauen fühlten sich auch nicht verächtlich behandelt, wenn sie Olivia Jones sähen. Meine Vermutung hierzu ist, dass viele Frauen vielleicht eben doch ein klein wenig Olivia Jones sein mögen; perfekt geschminkt, wenn auch nicht täglich, anmutig und sexy, wenngleich nicht aufs Äußere reduziert. Aber mit den fünf Spätpubertierenden und Kleinkriminellen, in die Sie sich verwandelt haben, möchte ich eben nichts gemeinsam haben, würden die meisten kritischen Kommentatoren wohl freiwillig nicht mal ein Wort wechseln.
Wenn ich Sie richtig verstehe, war der Text durchaus auch „mit Augenzwinkern“ gemeint. Mir persönlich wurde ein humoristischer Zugang zu dem Thema aber auch dadurch erschwert, dass Sie gleich an mehreren Stellen über Missstände berichten, wo Frauen unter tatsächlichem oder vermeintlichem männlichem Fehlverhalten zu leiden haben: die ständigen verbalen Belästigungen, die Olgas Zorn erregen, die berufliche Unzufriedenheit von Susanne, der gewalttätige Vater von Diane Torr und, nicht zu vergessen, die Bordellbetreiber und -besucher in China. Vielleicht finden Sie das zu empfindlich, aber mir vergeht das Lachen, wenn zwar nicht die „Männer“, aber irgendwie doch die „Männlichkeit“ auf der Anklagebank sitzt, denn als „Softie“ sehe ich mich sicher nicht. Ich bin über 1,90 Meter groß, wiege sportliche 93 Kilo und habe geräumiges Schuhwerk der Größe 47. Ja, neben mir wird es eng im Aufzug, selbst wenn ich mich wie üblich klein mache statt raumgreifend.
Wenn ich die Kommentare von Martin W., Gast, Marielle Markus und Ihnen so lese, frage ich mich, welches Bild Sie wohl von den Kritikern haben: stramme Burschenschaftler, mit Schmiss auf der Wange? Evangelikale Patricharchen mit Großfamilie (ich habe drei Töchter)? Frustrierte Scheidungsopfer? Man macht es sich zu einfach, diese als Verteidiger eines alten Rollenbildes abzustempeln.
Als ich meinen ersten Kommentar schrieb, hatte ich zuvor drei Stunden die Fenster unseres Hauses geputzt. Außerdem wasche ich die Wäsche und bügele meine Hemden selber. Meine Freunde können mir bei der Begrüßung aber trotzdem noch in die Augen schauen …. . Deuten Sie es doch positiv: Wir Herren kultivieren gerade unsere feminine Seite, indem auch wir einmal den gepflegten #aufschrei proben.
Frau Holch, ich hoffe, dass Sie die kritischen Kommentare auch als konstruktive Anregung empfinden, und nicht nur als Belastung.
Herzliche Grüße!
Georg K.