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Vielen Dank für Ihren sehr spannenden Artikel! Ehrlich gesagt hätte ich sowas in einem Magazin wie Chrismon nicht erwartet, aber gerade deshalb umso erfreulicher. Was mir zu sagen bleibt ist, dass es ein großes Problem gibt, das die Überwindung der strikten Genderkategorien meiner Erfahrung nach sehr schwierig macht. Ich würde es für mich grob so beschreiben, dass ich aus welchen Gründen auch immer die meiste Zeit meines Lebens einen eher schwach ausgeprägten Männlichkeitshabitus "praktiziert" habe. Ich habe mich damit nie sonderlich unwohl gefühlt oder darin ein Problem gesehen. Nur wurde irgendwann klar, dass man damit weder in Männerkreisen als "echter" Kumpel ankommen kann, noch in Frauenkreisen als sexuell attraktiver Mann. Umso mehr ich das eingesehen habe und umso mehr ich versucht habe, mich einem Männlichkeitsideal anzunähern, desto attraktiver wurde ich für Frauen und desto eher wurde ich auch von Männern respektiert. Das scheint auch nicht nur lediglich mein Problem zu sein, sondern ich würde sagen dass Bewegungen wie die "Pick Up Artists" genau das gleiche Thema bearbeiten. Gerade bei Frauen bin ich nach wie vor immer wieder schockiert, welch direkten und starken Effekt es hat, sich mehr als "richtiger Mann" zu verhalten. Denn es handelt sich bei sehr vielen Frauen, auf die das eine solche Wirkung hat um durchaus kluge, differenziert denkende Personen, die eine hohe Sensibilität gerade in Fragen von Geschlechterkonstruktion haben. Trotzdem sind Männer, die den Männlichkeitsklischees weniger entsprechen auch für diese eher als gute Freunde denn als Sexualpartner interessant. So lange das noch so häufig (Es gibt auch Ausnahmen! Zum Glück erlebe ich das ebenfalls sehr oft) der Fall ist, ist ein Leben in der "Übergangszone" zwischen Frau und Mann vor allem problematisch und verunsichernd. Solche Normalitäten können sich im Laufe der Zeit verändern, aber wer ist wirklich bereit dazu, sich dafür zu "opfern" und die Unsichtbarkeit, die Exklusion und das Desinteresse, die das mit sich bringt zu ertragen?