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Hallo "Schorsch73", ich fand weder den Workshop noch meinen Text menschenverachtend. Natürlich haben wir mit Klischees gearbeitet, das war uns klar, und wir MUSSTEN auch mit Klischees arbeiten. Ich versuche mal, es Ihnen anhand von "Drag Queens" zu erklären, also anhand von Männern, die (meist auf der Bühne) als Frau auftreten. Und denken Sie jetzt mal nicht an Conchita Wurst, sondern an klassische Drag Queens wie Olivia Jones. Diese Bühnenfrauen zeigen viele blöde Verhaltensweisen, die die meisten Frauen dämlich finden: Sie kichern schrill und falsch, sie sind übermäßig geschminkt, sie bewegen sich affektiert, sie zeigen dauernd ihren riesenhaften Ausschnitt herum, überhaupt ist ihnen ihr Aussehen das Allerwichtigste im Leben. Bin ich als Zuschauerin deshalb beleidigt, fühle ich mich als Frau verächtlich behandelt? Nein. Denn ich weiß: Damit ein Mann öffentlich als Frau durchgehen kann, muss er Klischee-VORSTELLUNGEN bedienen. Also sich so verhalten, dass andere Leute sagen: Das ist eine Frau, denn ein Mann würde sich niemals in dieser Weise benehmen und bewegen. Ziel des Workshops war es, Frauen für ein Wochenende zu ermöglichen, sich in der Stadt mal als Mann zu bewegen. Das geht nur, wenn die verkleideten Frauen tatsächlich von den anderen Leuten als Mann wahrgenommen werden. Wenn ich, verkleidet als "Lars", mich unsicher fühle und dann imaginären Schleim aus der Kehle hochziehe, hat das den einzigen Zweck, dass Leute denken: Eben habe ich noch gezweifelt, aber das muss dann doch ein Mann sein, denn eine Frau tut so was doch eher nicht. Damit sage ich nichts darüber, wie "die" Männer heute so sind. Ich arbeite nur - theatermäßig - mit den Vorstellungen von Männern, die viele Leute in irgendeiner Ecke ihres Kopfes doch noch haben. Übrigens fanden die jungen Frauen im Workshop mich als Lars sehr sympathisch. Es grüßt Sie Christine Holch, chrismon-Redakteurin