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Zitat: Nein, ein Kernpunkt ist das gleichmäßige Aufteilen des ideell erlaubten CO2-Gesamtaufkommens auf jeden Erdenwurm. Das ist die Fortschreibung des Gleichheits- und Gerechtigkeitsideals, das dem demokratisch betreuten hiesigen Wirtschaften zugrunde liegt. Es soll sich jeder angesprochen fühlen. Die Verzichtsmoral kommt nicht daher als Aufruf an besser gestellte Kreise mit dem Beiklang, dass die Normalmenschen jetzt weghören dürfen, weil es sie sowieso nichts angeht. Jeder soll sich schämen, der bei dieser Moral nicht dabei ist.___________________________________

Tja, da müsste man bei Michael Bilharz vom Umweltbundesamt mal nachfragen, ob er tatsächlich Habenichtsen, die sich das billigste Klopapier kaufen, ein schlechtes Gewissen einreden und zur Benutzung eines Waschlappens raten will. Ich kann's mir nicht vorstellen.

Zitat: Das befreit ihn doch gerade nicht von der Verpflichtung, auch beim Kauf von Klopapier seinen virtuellen Bezugsschein herauskramen zu müssen. Dann stellt er fest, dass das billigste Klopapier - nur das kommt für ihn vom Geldbeutel her in Frage - ökologisch unsauber ist. Also darf er es nicht kaufen. Darin zeigt sich die Brutalität dieser Moral. Der Normalmensch hat keinen Pieps zu sagen, was welche Firmen auf welchem Wege herstellen. Als Verbraucherwürstchen vor dem Supermarktregal soll er aber die Folgen tragen und moralisch dafür gerade stehen.________________________

Ich glaube nicht, dass es bei Klopapier große Unterschiede in der CO2-Bilanz zwischen billigen und teuren Produkten gibt (lasse mich aber natürlich gern eines Besseren belehren). Höchstens mit Recyclingpapier kann man substanziell Energie im Herstellungsprozess sparen. Am wichtigsten dürfte das Verkehrsmittel sein, mit dem man zum Supermarkt kommt. Wenn man mit dem Fahrrad fährt statt mit dem Auto, spart man dermaßen viel Energie ein, dass die eine oder andere Packung Klopapier auf jeden Fall drin ist. Allgemein ist meinem Bauchgefühl nach eher der Regelfall, dass teurere Produkte auch mehr Ressourcen verbrauchen. Die Herstellung eines SUV wird immer ein Vielfaches der Energie verschlingen, die es für einen Kleinwagen braucht, selbst wenn die besten Technologien eingesetzt werden.

Zitat: Keineswegs. Jetzt wird es uninteressant. Was irgendwelche Typen irgendwelcher Gesellschaften machen, von denen niemand weiß, ob es sie jemals geben wird, braucht niemanden zu interessieren. Was hier und heute los ist und welche Rolle dabei die Moral spielt, das ist von höchstem Interesse. Dass die Malediven absaufen und an Bangladesh nur interessant ist, ob das hiesige Kapital noch an deren verzweifelten Gegenmaßnahmen was verdienen kann, das ist das sichere Ergebnis des real existierenden Kapitalismus. Die Ökomoral ändert daran nichts, sondern sorgt dafür, dass die demokratisch betreute Marktwirtschaft auch weiterhin ihr weltweites Werk verrichtet. Millionen von Toten sind die fest eingeplante Folge.
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Schade. Ich dachte, wir kommen jetzt zum Kern der Diskussion, nämlich der Frage, ob es tatsächlich der Kapitalismus ist, der das Klima versaut oder eher unschöne menschliche Charakterzüge.