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Zitat: "Mitten im schönsten Kapitalismus aber denen, die nix zu bestellen und wenig zu lachen haben, auch noch Verzichtmoral zu predigen, ist was anderes."

Einer von uns missversteht die Verzichtsappelle. Ich bin bisher immer davon ausgegangen, dass sie sich vor allem an die Begüterten richten, die genug Geld für klimaschädliches Vergnügen haben. Der Empfänger einer kleinen Rente oder einer Sozialleistung muss sich dagegen kaum den Kopf über Einschränkungen zum Zwecke des Klimaschutzes zerbrechen, weil er sein finanzielles Budget ohnehin vollständig zur Befriedigung seiner Grundbedürfnisse einsetzen muss. Anders formuliert: Jeder ausgegebene Euro steht für eine durchschnittliche Menge CO2-Ausstoß (wobei der konkrete CO2-Ausstoß pro Euro natürlich sehr unterschiedlich sein kann - teure, regional hergestellte Produkte gegen billige Massenfertigung). Wer viel Geld hat und deswegen früher oder später auch viel Geld ausgibt, der sollte sich viel mehr angesprochen fühlen als der arme Schlucker.

Zitat: "Bürger mit Konsumwünschen haben eben Wünsche. Ob sie die erfüllt bekommen, hängt davon ab, ob sich dadurch Kapital vermehrt. Erwachsene Menschen, die auf die gottlose, unmoralische und verwegene Idee verfallen sollten, die Produktion nicht zur Kapitalvermehrung, sondern für ihre Bedürfnisse laufen zu lassen, könnten die Material- und Energiekreisläufe nach ihren Vorstellungen gestalten. Wenn sie dabei an Ressourcengrenzen stoßen, werden sie ihre Entscheidungen treffen. Wer sollte etwas dagegen haben?"

Jetzt wird es spannend. Ich stelle mir eine demokratische Gesellschaft vor, die auf dem wirtschaftlichen und technischen Niveau des heutigen Deutschland ist. Nun gestaltet man dort die Wirtschaft so, dass Kapitalvermehrung ausgeschlossen wird (Wie ginge das? Negativzinsen? Automatische Geldentwertung? Steuerliche Maßnahmen?). Die Produktivität dieser Wirtschaft ist aber weiterhin so hoch, dass sie quantitativ und qualitativ Produkte herstellt, die weit über die Grundbedürfnisse hinausgehen. Daher entfallen auf jeden Einwohner immer noch 10 - 12 t CO2/Jahr. Nun ist den Bewohnern klar, dass der Klimawandel für ihr Land auf absehbare Zeit noch einigermaßen beherrschbar bleibt, für Bangladesch, Lagos oder manche Südseeinseln aber nicht. Würden diese Menschen dann eine demokratische Entscheidung treffen, mit der die Produktion auf vertretbare Werte heruntergefahren wird? Das wage ich zu bezweifeln.