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Johannes Schmidt schrieb am 25. Juni 2014 um 14:45: "Wer trägt die Verantwortung?" Aus Ihrer Sicht der Dinge dürfte die Frage rhetorisch gemeint sein. Die Verantwortung tragen immer die bösen Gestalten, die sich nicht an die propagierte Moral halten, also die ekligen Kreuzfahrtgesellen, Fernreisenden und SUV-Typen.______________________________ Zitat: "wenn sich die Anbieter nur aus Raffgier weigern würden, teurere, aber umweltschonendere Schiffe einzusetzen." Raffgier ist ein hässliches Wort. Ökonomische Vernunft und gesundes wirtschaftliches Interesse sind die beliebteren Begriffe. Gemeint ist in der Sache immer dasselbe. Keine Reederei weigert sich, umweltschonendere Schiffe einzusetzen. Da wird ganz normal kalkuliert, was den größeren Beitrag zum Betriebsergebnis bringt. Ist es die alte Dreckschleuder, wird die genommen. Ist es der neue Kahn, auf technologischem Stand von übermorgen, dann eben der. Kapitalisten sind nicht böse. Sie sind sehr konsequent. Und das hat auch für andere unausweichliche Folgen.______________________ Zitat: "... als der Kapitalismus. Letzterer ist natürlich nicht perfekt, aber er könnte leicht vor den ökologischen Karren gespannt werden....." Hier ist Ihnen Ochse und Karren durcheinander geraten. Auch und gerade der glühende Liebhaber von grüner Verzichtsmoral und nicht ganz perfektem Kapitalismus weiß doch und begrüßt es ausdrücklich, dass die Ökomoral genau dazu erfunden wurde, es dem Kapitalismus zu ermöglichen, auch weiterhin seine sehr nachdrücklichen Kreise zu ziehen. _________________________________ Zitat: "Deswegen würde ich tatsächlich sagen, dass "unvernünftige Normalmenschen lauter verrückte und überzogene Wünsche haben". " Das finde ich sehr angenehm bei Ihnen, dass Sie Klartext und zur Sache reden. Ich fasse also Ihre Position zusammen. Bitte korrigieren Sie mich, wenn ich Sie irgendwo missverstanden haben sollte! Alles soll seinen kapitalistischen Gang gehen. Die Unternehmer kalkulieren wie gewohnt, die Proleten - pardon, die verehrten Mitarbeiter - klotzen ran wie gewohnt. Die Normalmenschen gucken wie gewohnt in ihren Geldbeutel und schauen, wie sie über die Runden kommen. Mit einer Ausnahme: In den Köpfen der moralisch hochstehenden Endverbraucher spielt sich folgendes virtuelles Zuteilungswesen ab. Der Staat oder ein Ökoverein gibt ein sogenanntes Klimaziel vor, z.B. Klimaerwärmung bis 2050 um 2 Grad bezogen auf 1850. Dann rattert der Computer und spuckt den jährlich zulässigen Kohlendioxidausstoß aus. Den teilen wir durch die Anzahl der Zweibeiner auf Erden. Dann hat jeder, der sich dieser Moral befleißigt, einen virtuellen CO2 Ausstoßerlaubnisschein im Kopf. Ganz nach Art der allerdings tatsächlichen Lebensmittelmarken der Nachkriegszeit. Die Älteren werden sich erinnern, 125g Fleisch, 250g Fett, 500g Brot. Jetzt muss man diese Erlaubnisscheine virtuell einlösen. Was haben 1 kg Äpfel oder 5 Sekunden Flugreise oder 100g Tofupampe jeweils für CO2- Äquivalente? Das kriegt man im Internet raus, schummelt nicht und weiß, wieweit man sich noch weiter einzuschränken hat als es der Geldbeutel eh schon tut.______________________________ Wer sich an dieser Budget-Moral nicht beteiligt, der wird zur moralischen Wildsau erklärt. Falls politisch korrekte Ausdrucksweise erwünscht ist: Wer nicht mitmacht, dem wird einfühlsam und liebevoll, aber nachdrücklich ins Gewissen geredet. Und schließlich glauben wir allen Ernstes daran, dadurch die Verheerungen des Kapitalismus am Klima ausgeschaltet zu haben.____________________________ Habe ich Sie soweit richtig verstanden?