Neue Lesermeinung schreiben

Ich finde es erschreckend, wie die Geschichte des Afghanistan-Einsatzes in diesem Beitrag verzerrt wird. Der Wunsch 17 Milliarden Euro für eine friedliche Bewältigung des Konflikts zu verwenden ist ein ausgesprochener Hohn allen Veteranen gegenüber. Nie war die Rede davon, den Konflikt mit Waffengewalt allein lösen zu wollen (Stichwort: vernetzter Ansatz), besonders im anfangs relativ ruhigen deutschen Sektor war der Einsatz von Waffengewalt 'deutlich restriktiv' gehandhabt. Aber wo waren denn die zivilen Hilfsorganisationen, ob GO oder NGO, die den Erfolg der Mission herbeiführen sollten? Im PRT (Provincial Reconstruction Team)-Konzept waren die Streitkräfte mehr Schutztruppe für die ausländischen Zivilisten, als "Besatzungsmacht". Die Wahrnehmung der Truppe dagegen war dagegen teils ernüchternd: Ein Kamerad erzählte mir aus Feizabad, dass er sich praktisch selbst verteidigt habe; denn zivile Organisationen, die er hätte schützen sollen, waren weit und breit nicht zu sehen. Dies ist nur ein Beispiel für das Versagen der zivilen Hilfe beim Wiederaufbau Afghanistans.
Unsere Soldaten haben den Zivilisten, Helfern wie Politikern, mit teurem Blutzoll Zeit erkauft; Zeit, die ungenutzt vestrichen ist. Der Auftrag war die Schaffung eines sicheren Umfelds. Die dafür zur Verfügung gestellten Kräfte waren von vornherein (zu) gering. Der günstige Zeitpunkt, als die Situation noch relativ ruhig war, wurde verpasst. Sichtbare und entscheidende Hilfe kam nur in geringem Umfang in der Fläche Afghanistans an. Dafür zahlen wir alle nun den Preis. Die Zeit wird zeigen, wie hoch dieser Preis sein wird.
Die Soldaten haben ihrem Auftrag gemäß getan, was sie konnten! Ob alle beteiligten Partein dies getan haben, darf bezweifelt werden.
Natürlich endet jeder Krieg (ich benutze mal diesen Begriff) mit einem Frieden, der entweder diktiert oder verhandelt wird. Der Ausgang von Verhandlungen hängt nicht unwesentlich von der Position der Stärke ab. Mit dem seit Jahren geforderten Rückzug der Truppen steht der 'Westen' in einer verhältnismäßig schwachen Position. Ich bin gespannt, wie radikale Taliban dies für die Durchsetzung ihrer Ziele nutzen werden. Es bleibt zu hoffen, dass sich - wie auch immer - moderate Kräfte in Afghanistan werden durchsetzen können, um eine langfristige Stabilisierung der Region herbeizuführen. Vielleicht, Frau Käßmann, sollten sie dafür beten, denn bei radikalen und fundamentalistischen Bewegungen - und dazu ist der radikalislamische Fundamentalismus der Taliban wohl zu zählen - helfen leider Gespräche nur bedingt. Ich kann mich nämlich nicht entsinnen, dass Gespräche und Verhandlungen die Durchsetzung der furchtbarsten, barbarischsten und menscheitverachtensten radikalen Bewegung des 20. Jahrhunderts - namentlich dem Nationalsozialismus - irgendwie verhindert hätten. Ganz im Gegenteil, die Appeasement-Politik ist gescheitert und auch die christliche Kirche (vor allem die protestantische!) hat auf ganzer Linie versagt! Beendet wurde das Schreckgespenst, das die ganze Welt erschauderte, letztlich nur durch militärische Waffengewalt der Alliierten. Aus einer Position der Stärke konnte ein Frieden hergestellt werden. Ich bezweifle, dass dies in Afghanistan gelingen wird.
Ich gedenke den gefallenen Soldaten und Opfern des Krieges in Afghanistan (und anderen Einsatzgebieten) und besonders in dieser Zeit, zu Weihnachten, wenn der Verlust des lieben Sohns, Ehemannes oder Vaters wieder besonders offenbar wird. Ich wünsche allen Angehörigen Kraft und Stärke den Verlust zu gut es geht zu ertragen und hoffe mit Ihnen, dass ihr Opfer am Ende doch nicht umsonst war!

Rüdiger Konrad