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Entnazifizierung der Kirchen.
Jeder der einen anderen Blickwinkel hat, läuft Gefahr, mit der Keule in die braune Ecke gejagt zu werden. Diese Art der Bevormundung ist auch bei denen üblich, die sich ach so menschlich geben. Leider hat das 70jährige mediale Trommelfeuer nicht verhindert, dass das braune Gesindel wieder die Köpfe hebt. Insofern unterscheidet uns nichts von den nationalen Auferstehungswünschen unserer Nachbarn. Aber um alles in der Welt, muss ich den unbedingt wissen, was denn mein Großvater, der ansonsten vorbildliche Familienmensch, in größter körperlicher und psychischer Not anno 1942 getan haben könnte? Kein Wunder, dass mit dieser Forderung denn auch der letzte Jugendliche nur noch den Kopf schütteln kann. Die Ausländer sowieso. Außerdem, glaubt denn im Ernst jemand daran, dass mit diesen Bemühungen auch nur ein potentieller jetziger neuer Brauner von seinen Absichten abzubringen ist? Da drängt sich mir doch eine ganz andere Variante als möglicher Grund für die besessene Aufklärungswut auf. Auch mit der Erbsünde wurde permanent den Christen zum Zweck des Machterhaltes ein schlechtes Gewissen eingejagt. Wie sich doch das Bild gleicht. 70 Jahre nach dem Grauen wird nun auch den Enkeln, als den genetischen Erben ihrer Großväter, der Stigma-Schuldkomplex aufgeladen. Dabei liegt die Schuld nicht unerheblich auch bei den Kirchen. Sie waren in ihrer Jahrhunderte alten Judenwut die psychologischen Steigbügelhaltern. Sie waren auch die Einzigen, die dank ihrer bis zum Schluss weitgehend erhaltenen eigenen Organisationsstrukturen (im Osten besser als im Westen, Kirchenbücher, Personenmeldungen, interner Informationsabgleich) genauestens über alles informiert waren. Jetzt brüsten sie sich mit den wenigen, die damals auch ohne die Zustimmung der eigenen Bischöfe opponiert haben. Beide Kirchen haben sich bereits 1932 mit den Konkordatsverträgen kaufen lassen. Bis heute! Wenn jemand die Nazivergangenheit aufzuarbeiten hat, dann sind es die Kirchen. Sie hätten damals entnazifiziert werden müssen. Das Gewissen der Kirchen ist ungetrübt. Als Alibi muss bis heute eine halbherzige Erklärung herhalten. In der "Stuttgarter Erklärung v. 19.10.45" lautet das erste offizielle Schuldbekenntnis der ev. Kirche so: "Wohl haben wir lange Jahre hindurch im Namen Jesu Christi gegen den Geist gekämpft, der im nationalsozialistischen Gewaltregiment seinen furchtbaren Ausdruck gefunden hat, aber wir klagen uns an, dass wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben". Selbst in diesem Satz wird noch der Eindruck erweckt, als ob man im Geheimen dagegen war. Ich habe doch so gebetet, aber es hat leider nichts genutzt. Ich war wohl nicht gläubig genug! Mehr nicht Tatsächlich hat man sich kaufen lassen, ist mit dem Tross gezogen und hat, als alles zu spät war, nicht mal den Mut gehabt, gemeinsam auf alle Kanzeln zu gehen!.