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Sehr geehrter Herr Husmann,
ich bin gegen ein Betreuungsgeld, das nicht mehr als ein Almosen ist. In unserer Gesellschaft läuft etwas grundsätzlich schief, was die Honorierung der Kindererziehung anbelangt ("Herdprämie"). Paare, die sich für Kinder entscheiden, machen das nicht wegen des Geldes. Aber sie werden auch nicht gerne zu den Zahlmeistern der Nation. Dass mit Kindern nicht nur eine hohe finanzielle Belastung, sondern oft auch eine gesellschaftliche Stigmatisierung einhergeht, zeigt sich in der aktuellen Debatte. Mütter und Väter, die in den ersten Jahren ihre Kinder zuhause erziehen wollen, sind eben jene, die am Herd stehen und dann auch noch Geld dafür wollen.

Wieso wird in unserer Gesellschaft eigentlich nicht die Erziehung zu Hause als DAS Modell propagiert? Welche entwicklungspsychologischen Vorteile das hat (jedes Kind braucht in den ersten drei Jahren eine Bezugsperson - und das muss nicht unbedingt die Mutter sein - ich fände es aber befremdlich, wenn mein Kind eine Erzieherin als Bezugsperson auswählte), ist offensichtlich.
Weshalb werden alleinerziehende Mütter finanziell nicht so bevorzugt, dass sie sich ihrer Arbeit als Erzieherin ihrer Kinder widmen kann. Weshalb muss Mutter/Vater arbeiten, um Geld zu verdienen, das dafür eingesetzt wird, dass eine Erzieherin genau das macht, was Mutter/Vater machen würde, wenn sie zuhause blieben? Hier wird ein wirtschaftlicher Kreislauf initiiert, der letztlich absurd ist. Die Erzieherin wird für die selbe Arbeit bezahlt, für die Mutter/Vater nicht bezahlt werden. Noch absurder wird es, wenn man bedenkt, dass Kinder anfangs zwar kosten, später aber als Erwachsene diese Kosten nicht nur aufwiegen, sondern den volkswirtschaftlichen Nutzen vervielfachen (Rente, Steuern). Dafür, dass Mama und Papa Kinder in die Welt setzen, die nachher ALLEN Mitgliedern der Gesellschaft, gerade auch den Kinderlosen, nutzen, sollen sie die "Aufzucht" ihrer Kinder auch noch bezahlen. Kennen Sie einen Gärtner, der seine Möhren sät, sie dann von seinem Kollegen hegen und pflegen lässt, ihn sogar noch dafür bezahlt, um später das reife Gemüse zu verschenken? Dieses Handeln wäre unsinnig. Oder: Wäre es nicht das Einfachste, wenn jede Mutter ihre eigenen Kinder der Nachbarin zur Erziehung gäbe und dafür die Kinder der Nachbarin zur Erziehung übernähme? Natürlich bezahlen sich die Mütter für die gegenseitige Leistung. Jede Mutter hätte dann einen Job. Und der Staat hätte auch noch was davon: Steuern!

Zum Ehegattensplitting: Dabei werden gerade auch kinderlose Ehepaare steuerlich besser gestellt, bei denen ein Teil mehr verdient, als der andere. Gerechter wäre ein Familiensplitting. In Frankreich beispielsweise zahlt eine Familie mit drei Kindern gar keine Steuern mehr.