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Die Ehrlichkeit des Artikels über Luthers Hexenwahn hat mich sehr beeindruckt. Auch bei einer verehrten historischen Figur sollte man die Schattenseiten nicht verschweigen.

Das bringt mich  zu der Frage,  ob nicht auch Luthers Einstellung zu den Juden eine Erwähnung wert sein könnte. Dazu verweise ich auf eine 1543 in Jena erschienene Streitschrift des Reformators mit dem Titel „Von den Juden und  ihren Lügen“.  In ihr liest man Erschreckendes. Die Juden seien „1400 Jahre unser Plage, Pestilenz und alles Unglück gewesen“, und er nennt sie „rechte Teufel“, die „zur Hölle verdammt“ seien. Sie hätten auf den Straßen nichts zu suchen, sie sollten auf den Feldern hart arbeiten , man solle ihnen ihr Hab und Gut wegnehmen, ihre „Synagoga oder Schulen“ mit Feuer anstecken, und er fordert weiter „dass man auch ihre Häuser desgleichen zerbreche und zerstöre“. Da wundert es nicht, dass in den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen der üble Nazi Julius Streicher sich ausdrücklich auf Luther berief. Was  in der sogenannten „Reichkristallnacht“ geschah, wird von Luther  gefordert. Er ist, so könnte man sagen,  der protestantische Vater des Antisemitismus.

Prof. Dr. Heribert Rück, Biebertal