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Bischof Dr. Matthias Ring schrieb in seinem Artikel: "Ich glaube an Gott....." ----------------------- Das Gegenteil hätte jetzt doch überrascht. Nicht nur, weil der Glaube bei Bischöfen eher standesüblich ist, sondern insbesondere, weil sonst ziemlich was anderes im Artikel zu lesen wäre. ----------------------- Zitat: "...wie einst zu Mose im Dornbusch. Würde mich jemand fragen, wie er sich das vorzustellen habe, würde ich ihm sagen, es habe sich vermutlich nicht um eine akustisch wahrnehmbare, sondern um eine innere Stimme gehandelt." Aha, jetzt erzählt also eine innere Stimme dem Mose, dass er sich erstens einem leibhaftigem Gott gegenüber gefälligst anständig aufzuführen habe: Schuhe aus! Zweitens kriegt er für ein ganzes Landeroberungsprogramm die einzig senkrechte Begründung verklickert: Das Programm stammt von Gott! (Dummerweise schon im gelobten Land befindliche Slawen, Indianer, Aborigines oder Palästinenser haben eben Pech gehabt. Sie hätten ja auch bloß mit ihrem Gott einen Bund schließen müssen und dann das Gemetzel gewinnen.) Drittens bekommt Mose auch noch vorsorgliche Tipps, wie er unwillige Untertanen durch Schabernack der erlesenen, gottgestützten Sorte beeindrucken soll, damit die wieder in Reih und Glied treten. ----------------------- Das ist eine erfreulich offenherzige Darstellung dessen, was den zeitgemäßen Glauben vom Fundiglauben unterscheidet und ihn nach Meinung seiner Anhänger diesem überlegen macht. Kein Wort der Kritik an dem, was Gott dem Mose verlautbart. Stattdessen die Umverpackung der damaligen herrschaftsdienlichen Unwahrheit in eine neue Schachtel, die beim modernen Leser nicht sofort beim bloßen Anblick Heiterkeitsstürme auslöst. Gott schließt einen Bund mit seinem auserwählten Volk nicht mehr per lachhaftem Dornbuschspektakel, sondern per innerer Stimme. Was soll daran noch falsch sein? ----------------------- Zitat: "...die Frage nach den verschiedenen Gottesbildern - das sind in meinen Augen Randfragen" Das klingt wie ein Schritt in die richtige Richtung. Doch leider geht es ganz anders weiter, nämlich: "Was ich mir unter dem Wort "Gott" vorstellen kann, wie Gott und Welt zusammenhängen, wie ich von seinem Handeln in der Welt sprechen kann - das sind die entscheidenden Fragen." ----------------------- Das sind gerade keine Fragen, sondern das ist ein in Frageform gegossener Rattenschwanz von unbegründeten Behauptungen. Es sind die Behauptungen, Gott gäbe es, er handele, sein Handeln habe was mit der Welt zu tun, die Vorstellung von Gott sei grundsätzlich kompliziert und das Reden über sein Handeln auch. Und dieser prall gefüllte Glaubenskatalog wird als "die Gottesfrage in ihrer neuzeitlichen Radikalität" bezeichnet. Und weil diese angebliche Frage "zu einem aufgeklärten Christentum gehört", lässt sich daraus in der Tat schließen, dass Glaube und Aufklärung eben nicht zusammengehen. Das ist den eingefleischten Fundis bekanntermaßen schon länger aufgefallen. Wo sie Recht haben, haben sie Recht.