Neue Lesermeinung schreiben

Ja, ist es denn die Möglichkeit? In einer christlichen Zeitschrift wird heute (August 2011) noch in der Sprache und der Sichtweise von 1938 über Neusiedlungen in Palästina durch jüdische Einwanderer berichtet. Von der Bevölkerung des Landes, den Arabern/Palästinensern, wird nur erwähnt, dass sie mit Überfällen auf die neuen Siedlungen beschäftigt sind, dass sie die Zufahrtstraßen zur neuen Siedlung blockierten und einige, die nicht „anständig, sondern Terroristen von außerhalb“ waren, erschossen sogar eine Siedlerin. Durch das Fehlen jeglicher kritischer Selbstreflexion des Zeitzeugen und das Fehlen jeglichen korrigierenden und ergänzenden Kommentares des Journalisten zeigt dieser Artikel eine unerträgliche, verfälschende Einseitigkeit. Seine Aussagen entsprechen eher der offiziellen israelischen Geschichtsschreibung als dem bestens dokumentierten tatsächlichen Geschehen. Hat der Siedler Amos Fröhlich nie ein verlassenes arabisches Dorf gesehen? Hat er sich nie darüber Gedanken gemacht, warum Araber ihr Zuhause, ihre Heimat verlassen haben? Hat er nie davon gehört, dass Flüchtlinge gelegentlich heimlich zurück kommen, um noch etwas aus ihrem Haus zu retten? Weiß er bis heute nichts davon? Ist der Journalist Helmut Engisch wirklich überzeugt, dass er mit seinem Artikel in dieser Form etwas Gutes für uns und Israel tut? Weiß er nichts anderes von der Besiedlung? Ist die Redaktion einer christlichen Zeitschrift wirklich einverstanden damit, dass dem Vorurteil, Araber seien Terroristen, hier noch Vorschub geleistet wird? Sollte eine christliche Zeitschrift nicht vielmehr alles daran setzen, dass über die Ungerechtigkeiten bis hin zu Verletzungen der Menschenrechte gegenüber den Palästinensern in Israel und vor allem in den besetzten Gebieten endlich korrekt berichtet wird? Jan Teich, Hamburg