Neue Lesermeinung schreiben

J.H. (nicht überprüft) schrieb am 4. August 2011 um 19:19: "und doch missfällt mir eben einfach Ihre einseitige Schreibe" -------------------------- Da sind die Geschmäcker eben verschieden. Ich genieße solche Artikel. Sie stehen in bewährter Tradition. Früher mussten den Zweibeinern die Leviten gelesen werden, weil sie immer dem Karten- und Würfelspiel frönten und darüber ihre Seele an den Teufel verloren. Später ließen sich die Ebenbilder Gottes zu Tanzvergnügungen hinreißen, die einem nur die Schamröte ins Gesicht treiben konnten. Auch dort musste die Kirche darauf drängen, dass die Höchstgeschwindigkeit beim Hüftewackeln durch die weltliche Gewalt verordnet wurde. -------------------------- Und dann erst die Zeiten, wo das Treiben des Menschengeschlechts bezüglich des zweiten Teiles dieses Begriffes der ständigen Überwachung der gläubigen Aufpasser bedurfte. Nicht auszudenken, was da sonst alles in den Betten hätte passieren können! Rückenmarksschwund, ganze Generationen von ansteckenden Krankheiten hingerafft! Und alles nur, weil die zur Sünde Neigenden sich nicht selbst genug am Riemen reißen, wenn sie sich in den Zwängen einrichten, die man ihnen gerechterweise aufmacht. -------------------------- Das sind alles selbstverständlich vergangene Geschichten. Die Kirche geht mit der Zeit. Die Sünde aber auch. Der heutige Sünder fährt Auto statt Fahrrad. Er fährt zu schnell, mit der falschen Marke und dem falschen Benzin. Vorher kauft er beim Discounter ein statt im 3.Welt-Laden. Er greift zum billigsten Druckerpapier, statt auf den Umweltengel zu achten. Ekligerweise trägt er das dann in der Plastiktüte heim statt im garantiert genfreien Jutesäckchen. Die Welt könnte so schön sein, wenn doch nur alle alles richtig machen würden! Da muss die Kirche schon nach dem Staat rufen, damit die grüne Sauberfraumoral Gesetz wird. Deshalb muss endlich 120 auf Autobahnen zur Pflicht werden. -------------------------- Durch göttliche Fügung gab es früher in Bayern eine erfreuliche Nähe der politischen Forderungen der katholischen Kirche zur Politik der machthabenden CSU. Bundesweit hat sich inzwischen eine ebenso harmonische Verbundenheit der evangelischen Ethik mit den Moralvorstellungen der Grünen entwickelt. Nach der nächsten Wahl wird also alles gut werden. Jesus fährt mit 120 Sachen auf der Autobahn voran, die EKD mit den Grünen hinterher. Der auf sein Auto angewiesene Normalmensch kann dann ganz entspannt hinter dem Steuer sitzen. Er legt in der (Schreck)sekunde nämlich nur rund schlaffe 33 Meter zurück. Was soll da groß passieren? Für solche Geschwindigkeiten sind christliche Schutzengel und der Schutzpatron der Autofahrer, der Heilige Christophorus, technisch ausgelegt. Auf die Dienste des Heiligen müssen die Evangelen aus Konfessionsgründen aber verzichten, Bei mehr als 120 km/h muss allerdings der Chef selber ran. Das Leben des Autofahrers liegt dann allein in Gottes Hand, was gemäß einem bösartigen Atheistenverdacht jedoch auch keinen Anlass zur Entspannung bietet. --------------------------- Fazit: Der Markt, der uns allen eine Herzensangelegenheit ist, gebiert und gestaltet mit seinen Gesetzen einen motorisierten Straßenverkehr, bei dem jährlich allein in Deutschland die Toten in Tausenderstückzahl anfallen. Der freiheitliche Rechtsstaat gestaltet mit seiner Gesetzesmacht dieses Treiben so, dass weiter kein Schaden durchschlägt auf das Blühen und Gedeihen der wesentlichen ökonomischen Kennziffern. Man nennt das Verkehrssicherheitspolitik. Die Kirche liefert dazu die passende Moral, die lautet: "Verkneife dir den Spaß am Schnellfahren, sündiger Mensch!" Was soll da eigentlich noch schiefgehen?