Gabriele Diewald und Rainer Moritz über Gendern und Sprache

Sternchen leuchten da nur wenig
Begegnung - Gabriele Diewald und Rainer Moritz

Anna-Kristina Bauer

Begegnung - Gabriele Diewald und Rainer Moritz

Bäcker_innen, Bäcker*innen, BäckerInnen... Wie denn jetzt? Die Linguistikprofessorin und der Literaturhauschef über die Frage, wie Frauen richtig in der Sprache vorkommen.

chrismon: In Stuttgart ist Frank Nopper von der CDU Oberbürgermeister geworden, der mit dem Spruch "Schaffen statt gendern!" Wahlkampf gemacht hat. ­Hätten Sie ihn auch gewählt?

Gabriele Diewald: Nein. Der Spruch sagt ja aus: Wer gendert, schafft nicht. Das ist Unsinn. Ich eigne mich zwar eher nicht zur Oberbürgermeisterin, aber auf meinen Plakaten hätte gestanden: "Seien wir neugierig!"

Rainer Moritz: Herr Nopper hätte bei mir keine Chancen gehabt. Sein Kalkül war mit Händen zu greifen. Es gibt Kreise, in denen Gendern negativ besetzt ist, es gilt als Verfall, als Niedergang – also als das Gegenteil von ­Schaffen. Mich wundert, dass es so ein relativ neues Wort – gendern – überhaupt schon auf ein Plakat geschafft hat.

Gabriele Diewald

Gabriele Diewald, Jahrgang 1960, ist Professorin für Deutsche Gegenwarts­sprache am Deutschen ­Seminar der Leibniz- Universität Hannover. Gemeinsam mit ­anderen Autorinnen hat sie mehrere ­Bücher zur geschlechter­gerechten Sprache veröffentlicht, zuletzt das "Handbuch geschlechtergerechte Sprache", ­Dudenverlag Berlin.
Anna-Kristina BauerGabriele Diewald

Rainer Moritz

Rainer Moritz, ­Jahrgang 1958, leitet das Literaturhaus ­Hamburg. Der ­Literatur­wissenschaftler ist ­zudem Essayist, ­Übersetzer und Autor zahlreicher Bücher. In chrismon veröffentlicht er regel­mäßig Buchtipps (­diesmal auf Seite 28, "Laut und leise"). Am 25. Februar ­erscheint sein neuer ­Roman "Als wär das ­Leben so" im Kampa-­Verlag, Zürich.
Gunter Glücklich

Neue Worte, neue Formen, Sprache verändert sich immer. Wie funktioniert das?

Diewald: Ja, Sprache ist lebendig. Es gibt Lautverschiebungen, die Grammatik ändert sich – und neue gesellschaftliche Realitäten sollen abgebildet und erzeugt werden. Seit 50, 60, 70 Jahren ist die Gleichstellung von Frauen in der Bundesrepublik enorm vorangekommen. Wie drücken wir das sprachlich aus? Darum geht’s.

Moritz: Nur wie funktioniert diese Veränderung? Manches geht still und heimlich. Wenn zum Beispiel aus starken Verben mit der Zeit schwache werden – aus "buk" wird "backte", aus "schwamm" vielleicht mal "schwimmte". Aber inwieweit greifen wir aktiv in den Sprachwandel ein, welche gesellschaftliche Schicht tut das, welche politische? Diktaturen haben ja immer schon Sprache gelenkt . . .

Diewald: . . . nicht nur. Auch Luther . . .

"Wer darf bei uns Sprachwandel von außen beeinflussen?" - Rainer Moritz

Moritz: Auch in der DDR hat man versucht, bestimmte Wörter zu tilgen. Also: Wer darf bei uns Sprachwandel von außen beeinflussen?

Diewald: Was heißt von außen? Die Sprechenden sind die Träger des Sprachwandels. Sie wollen wissen: Wie benennen wir die Dinge, über die wir reden? Da gibt es Muster – und es gibt Ausdrucksbedarf, der durch diese Muster noch nicht gedeckt wird. Dann sucht man nach neuen Wegen.

Moritz: Aber wer ist "man"? Wir alle?

"Wer verursacht Wandel in der Kunst? Die Avantgarde" - Gabriele Diewald

Diewald: Wer verursacht Wandel in der Kunst? Das ist nicht die Mehrheit. Das sind Gruppen, die Avantgarde sind, die etwas Neues einführen wollen, auch etwas Falsches! Wenn Sie neuen Bedarf anmelden, der nicht mit den Gewohnheiten konform ist, ist das immer eine Überschreitung.

Moritz: Den Wechsel von "buk" zu "backte" hat niemand ­aktiv angeschoben. Da sind die Sprechenden den einfacheren Weg gegangen. Das ist etwas anderes, als wenn eine Elite neue Redeformen bilden will, um gerecht zu sprechen.

Diewald: Die Diskussion hat angefangen im 19. Jahrhundert, als es um Wahlrechtsreformen ging – und darum, ob Frauen überhaupt studieren dürfen. Es entstanden Ansprüche. In der zweiten Welle der Frauenbewegung in den 70er Jahren kam ein Schwung an Gleichstellungsgesetzen, ein Aufbruch in eine neue gesellschaftliche Gleichheit. Auf den Leihkärtchen in meiner Erlanger Seminarbibliothek stand damals: Entleiher. Das hat uns aufgeregt.

Warum war Gendern in der DDR kein Thema?

Moritz: Ich kenne eine Buchhändlerin auf Rügen, die in der DDR geboren ist und die bis heute sagt, sie habe Verkehrskaufmann gelernt.

Diewald: Die Frauenbewegung in der DDR wurde unterdrückt. Aber wenn hinter der Bezeichnung "Maschinist" zu 50 Prozent Frauen auftauchen, verändert sich die Wortbedeutung. Das war in der DDR der Fall, in der alten Bundesrepublik aber nicht. Bei uns mussten Frauen bis in die 70er Jahre hinein noch ihre Ehemänner um Erlaubnis bitten, wenn sie jenseits des Haushaltes arbeiten wollten.

"Was machen wir mit den ganzen Weibern in Politik und Öffentlichkeit?" - Gabriele Diewald

Wer gendert, argumentiert: Sprache geht voran, die Wirklichkeit folgt. Führt eine gerechte Sprache zu mehr Gleichberechtigung?

Diewald: Ja. Das ist wie in einem Dialog. Sie wissen, wie es weitergeht, Sie bereiten Ihre Antworten vor, aber wenn Sie kein Wort haben, können Sie darüber nicht reden. Die Frage, was wir mit den ganzen Weibern in Politik und Öffentlichkeit machen, stellt sich ja erst seit kurzer Zeit, vorher sind die dort gar nicht aufgetaucht.

Moritz: Da sind wir uns doch einig – in der Sprache muss Geschlechtergerechtigkeit herrschen, und der Mann als Norm ist ein überkommenes Konzept. Für mich ist es selbstverständlich, dass ich Sprachformen finden muss, in denen Frauen genauso vorkommen wie Männer.

Und worüber müssen wir dann streiten?

Diewald: Was manche als gleichgestellt verstehen, ist nicht das, was diejenigen, die gleichgestellt sein wollen, darunter verstehen! Ganz offensichtlich ist das beim sogenannten generischen Maskulinum – wenn es zum Beispiel heißt: "Als Physiker haben Sie auch in der Wirtschaft gute Berufs­chancen." Männer sind hier mit Sicherheit angesprochen. Alle anderen können das bestenfalls vermuten. Das ist indirekte Diskriminierung und keinesfalls Gleichstellung.  

Und was ist, wenn ich sage: "Ich gehe zum Bäcker!"?

Moritz: Oder: "Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker." Poli­tiker sagen ja schon quasi maschinell "Bürgerinnen und Bürger". Natürlich kann man Formulierungen finden wie "ärztlicher Rat" statt "Rat eines Arztes". Wir laden ins Literatur­haus Autorinnen, Schriftsteller, Verlegerinnen und Übersetzer ein – man kann also abwechseln.

Diewald: Kann man machen, klar. Wenn man wirklich an der Sprache arbeiten und dabei vernünftig, kreativ, niedrigschwellig und überzeugend sein will, muss man genau sein. Zum Bäcker gehen – das ist eine Ortsangabe, damit meine ich keine konkrete Person. Aber wenn eine Stellenanzeige so formuliert ist, dass sich nur Männer angesprochen fühlen, ist das etwas anderes.

"Beim Gendersternchen wird es ernst, das ist ein Eingriff in die Wortbildung!" - Rainer Moritz

"Arzt oder Apotheker" – finden Sie in Ordnung?

Diewald: Da streiten sie sich in den Genderstudies. ­Manche gendern immer, wenn ein Wort auftaucht. Das ist Unsinn. Es kommt drauf an, was ich sagen will – und wie vernünftig das, was ich sage, ist.

Moritz: Ja, klar, aber welche Formen sind leicht möglich und welche werden neu erfunden? Für mich wird es beim Gendersternchen ernst. Das hat das Binnen-I und den Gender­gap ersetzt. Jetzt kommt der Doppelpunkt ­dazu, das sieht in einem geschriebenen Text nicht ganz so ­gruselig aus. Aber es sind Eingriffe in die Wortbildung!

Diewald: Ja, das sind es.

Moritz: Aber gab es Vergleichbares schon mal? Mir ist in der Wortgeschichte des Deutschen in den letzten hundert Jahren kein Beispiel eingefallen.

Diewald: Typografische Mittel, um Sondereffekte zu erzeugen, hatte man schon im Barock – zum Beispiel das Wort "Gott" mit zwei Großbuchstaben . . .

Moritz: Das ist aber schon lange her, Frau Diewald.

Diewald: Dann nehmen wir eben das Copyright-Zeichen oder @, den Klammeraffen – das sind typografische Markierungen, die neu dazugekommen sind. Ich bin keine Freundin vom Sternchen. Aber ich sehe ein, dass wir kaum etwas Besseres haben. Immerhin gibt es noch Personen­bezeichnungen, die geschlechtsneutral sind – Mensch, Person, Kind. Und sämtliche Partizipien wie Arbeits­suchende, Alleinerziehende oder Vorsitzende.

"Die Studierenden gibt es seit mindestens 400 Jahren" - Gabriele Diewald

Moritz: Aber es funktioniert nicht überall so gut. Die ­Trinkenden, der Trinker . . .

Diewald: Aber die Studierenden gibt es seit mindestens 400 Jahren.

Moritz: Sie müssen zugeben, dass diese Partizipial­konstruktionen als Ersatz nicht immer funktionieren.

Diewald: Weil neue Bildungen oft nicht funktionieren. Sie würden auch nicht von "Alleinerzieher" sprechen, oder? Weil das Wort "Alleinerziehender" schon da ist. Es gibt Worte wie "Kunden", die sind echt ein Problem! Das Wort ist deutlich nicht geschlechtsneutral, ich habe kein Partizip, das verwendbar wäre. Ich kann die Doppelform nehmen – Kunden und Kundinnen –, aber dann sagt die Genderavantgarde: "Moment mal, das reicht nicht, wir möchten bitte inklusive Bezeichnungen, auch für das ­dritte Geschlecht."

Moritz: Ist das Sternchen das dritte Geschlecht?

Diewald: Tja. Aber welches? Das kann auch die Gender­avantgarde oft nicht beantworten. Aber wenn man gelegent­lich mal schreibt, "Kund*innen aufgepasst!" – ja, mei.

"Wenn Claus Kleber "Politiker*innen" sagt, werfe ich mich weg vor Lachen" - Rainer Moritz

Moritz: Da bin ich puristischer als Sie. Ich finde es immer noch kühn und akademisch, eine neue Wortbildungsform zu kreieren und sie auch noch in der Schrift zuerst und dann erst ins Gesprochene zu transponieren. Und dann kommt ein alter weißer Mann – wie der ZDF-Nachrichtenmoderator Claus Kleber – und will besonders avantgardistisch sein. Er sagt "Politiker*innen" mit dem berühmten Knacklaut. Dann werfe ich mich vorm Bildschirm weg vor Lachen, weil er dabei auch nicht konsequent ist.

Wir üben alle noch . . .

Moritz: Aber ich sehe überhaupt keine Notwendigkeit, eine künstlich geschaffene Wortbildungsform zu verwenden. Meine Mutter hört eh nur: "Politikerinnen" und fragt sich: Meint der Kleber nur Frauen?

Ist das schlimm?

Moritz: Wenn man über Diskriminierung spricht und ­darüber, dass Frauen mitgedacht sind, dann kann die Gegen­lösung auch nicht sein, dass die Männer jetzt mal eine Weile nur mitgedacht werden. Mich stört der Eingriff in die Struktur der deutschen Sprache.

Diewald: Na ja. Mich stört das auch in manchen Punkten. Vor allem, wenn Behörden Leitfäden schreiben und mich erst hinterher fragen, wie das geht.

Moritz: Auf den Internetseiten der Stadt Hannover und der Stadt Lübeck, wo sie jetzt in den Verwaltungen gendern sollen, finde ich nur Widersprüche! Und dann gibt es die Wörter, wo das Sternchen immer scheitert: Gott – ­Göttinnen, Juden – Jüdinnen . . .

Diewald: Oh je, die einen kommen sofort mit Leitfäden daher, die anderen wollen in beckmesserischer Manier alle Fehler zählen. Das finde ich fast infantil und völlig unangemessen. Wie offen, wie tolerant und wie sicher sind wir in unserer Sprache, dass wir erkennen, wo Experimente stattfinden? Wir können uns doch positionieren. Ich benutze zum Beispiel beharrlich das Binnen-I, weil ich das ziemlich cool finde.

Moritz: Aber das Binnen-I ist genauso wie der Gendergap eine Wortbildungserfindung.

Diewald: Das Binnen-I stand ursprünglich für eine Kurzform. Das ist jetzt uminterpretiert. Manche sagen: Das ist inklusiv, für alle Geschlechter. Es ist außerdem eine Markierung für den Schriftverkehr, das müssen Sie gar nicht sprechen. Vieles an Sprache geschieht ja nur schriftlich.

Moritz: Sie lavieren ein wenig. Keine dieser Formen – ­weder Sternchen noch Binnen-I noch Gendergap – ist vom Duden oder vom Rat für Rechtschreibung zugelassen. Es ist kaum hinnehmbar, dass das keine Rolle spielt, nur weil eine Avantgarde ihre Überzeugung bis in die Wortbildung und ins gesprochene Wort durchsetzen will.

Diewald: Ja, das Problem ist gravierend. Aber die Geschichte der Sprache ist geprägt von patriarchalen Strukturen: Es gibt zwei Geschlechter, genau zwei, und eines ist besser – ganz klar. Da hat weder ein Drittes Platz noch etwas Gleichgestelltes. Jetzt versucht man das. Und dann heißt es einerseits sofort: Wir brauchen eine Regel, vor allem für die Rechtschreibung, die ist heilig und wichtiger als alles, was wir meinen, denken und wie wir kritisieren. Aber sagt dann jemand, wie es gehen könnte, heißt es plötzlich: Hilfe, da kommt Sprachpolizei! Wir müssen doch nicht so tun, als würden die Regeln einen NATO-Draht über die ganze Sprache legen und man dürfe nicht mehr anders!

"Im Alltag bin ich Anarchistin" - Gabriele Diewald

Vorhin haben wir laut "Möchte jeder ein Glas Wasser?" in den Raum gefragt. Stört Sie so etwas, Frau Diewald, hätten wir "jede und jeder" fragen sollen?

Diewald: Ich merke so etwas manchmal, aber auch nicht immer, und ich glaube, dass alle das Recht haben, so zu sprechen, wie sie wollen. Und bei Pronomina ist das echt ein Elend. Man muss eine Kosten-Nutzen-Abwägung vornehmen. Ich finde, Gendern ist wichtig in Dokumenten an der Universität, bei Anträgen, in Formularen, bei Bewerbungen und Stellenausschreibungen. Aber im Alltag bin ich Anarchistin.

Moritz: Wir sind das einzige Literaturhaus in Deutschland, das kein Sternchen in Editorials und Einführungstexten setzt. Es ist gar nicht so schwer, ohne das Sternchen auszukommen. Ich schreibe die Doppelformen, wenn auch nicht sklavisch. Aber sagen Sie, Frau Diewald, das Sternchen, der Knacklaut – von welchem Teil der Bevölkerung wird das getragen?

Diewald: Das wissen wir gar nicht so genau.

"Auf dem Wochenmarkt auf der Schwäbischen Alb wird der Knacklaut nie gesprochen werden!" - Rainer Moritz

Moritz: Es kommt aus der akademischen Welt, die Medien haben es übernommen – aber die Gesamtbevölkerung? Auf dem Wochenmarkt auf der Schwäbischen Alb wird dieser Knacklaut nie gesprochen werden!

Diewald: Das muss ja auch nicht sein. Aber ich stelle mich nicht ins Seminar und sage: Liebe Studenten! Das ist eine Beleidigung. Wenn ich im Fränkischen einkaufen gehe, dann spreche ich auch keinen Knack.

Moritz: Soll es denn keine Norm werden? Oder soll es nur die akademische Welt erreichen?

Diewald: Sie glauben, dass eine Norm für alle gilt? Es gibt doch auch sonst Unterschiede: Wie man grüßt, welche Dankformeln man benutzt, das kann man mischen. Auch in Süddeutschland sagen plötzliche viele "Moin". Einer Norm folgt man doch vor allem in offiziellen Textsorten.

Moritz: Aber wenn Claus Kleber im ZDF demonstrativ den Knacklaut spricht, steckt dahinter schon die Haltung, dass dies die Sprechweise sehr vieler Menschen werden soll.

Diewald: Vielleicht heißt es auch nur: Wir haben verstanden und möchten signalisieren, dass wir alle ansprechen.

Menschen, die den Medien ohnehin misstrauen, denken: "Nun wollen die mir vorschreiben, wie ich sprechen soll!"

Moritz: Ja, da landet man sehr schnell im falschen Lager. Rechte behaupten mit Genuss und mit Recht, dass Medien auch Meinung machten, dass sie keine neutrale Instanz seien. Aber welche Teile der Bevölkerung sind mit dem Gendern meinungsführend – und welche nicht?

Diewald: Davon muss man sich frei machen. Wenn ich so um die Ecke denke, habe ich keine Kontrolle mehr.

Gibt es Bevölkerungsgruppen, die wir überfordern, besonders auch mit dem Tempo der Veränderungen?

Diewald: Wir sind von vielem überfordert.

Moritz: Und vielen ist es wurscht, weil sie es gar nicht merken. Dieses Plakat in Stuttgart, "Schaffen statt gendern!", da sind sicher auch viele ratlos davorgestanden.

Diewald: Manchmal frage ich mich, ob andere Disziplinen, die Neues in die Gesellschaft einführen, auch so gedisst werden. Und ob Gendern wirklich ein akademisches Ding ist? Wer behauptet so was? Die Frauenbewegung in den 70ern war nicht akademisch, das waren zum Beispiel Kindergärtnerinnen. Es ist abwertend gemeint, wenn man sagt, das sei akademisch und komme von oben. Behutsamkeit und Achtsamkeit in der Sprache sind wichtig. Aber ein bisschen Toleranz und Humor wären auch schön.

Moritz: Ich wehre mich gegen künstliche Formen, ­massiv gepusht von Kreisen, die meinen, die richtige Welt­anschauung zu besitzen. Da fehlen mir oft Toleranz und Humor.

Infobox

Genderglossar:

Das Binnen-I ist ein großes I ­mitten im Wort. Es ist seit ­Anfang der 80er Jahre bekannt. In der Schriftsprache sollte es anzeigen, dass ein Wort mündlich zur Doppelform wird. ­Beispiel: "MitarbeiterInnen" bedeutet ­"Mitarbeiter­innen und Mit­arbeiter".

Der Genderstern steht statt des Binnen-I vor der femininen Endung. Befürworter*innen dieser Lösung ­argumentieren, der Stern bilde auch dritte Geschlechts­identitäten ab.

Der Doppelpunkt gilt als dezentere ­Alternative zum Stern. Die Hansestadt ­Lübeck regelt in einem Leitfaden, dass städtische Beschäftigte den Doppelpunkt nutzen, um alle Menschen anzusprechen, zum Beispiel im "­Senior:innenbeirat".

Der Gendergap ist ein Unterstrich vor der femininen Endung, Beispiel: "Journalist_innen". Die entstehende Lücke steht für Menschen, die sich nicht in das binäre System "Frau-Mann" einordnen.

Schöner gendern:

Ein paar Tipps Wird die Sprache schlechter, wenn wir gendern? Manche ­Formulierungen sind lebendiger und ­höflicher. Beispiel aus dem Bürokratiedeutsch: "Der Antragsteller muss das ­Formular unter­schreiben" wird zu "Bitte unterschreiben Sie das Formular".

Viele Tipps, wie man schön sprechen und schreiben und dabei alle ansprechen kann, gibt das Projekt "Genderleicht"– im Internet zu finden unter
genderleicht.de.

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Lesermeinungen

Mein Geburtsort war im Vaterland und ich wuchs mit der Muttersprache auf. Heute lebe ich in Mannheim. Das liegt auf der anderen Seite von Ludwigshafen. Was muss ich ändern?

wie dieses Thema "begeistern" kann. Aber es geht ja unter die Haut, wenn in Unis bereits Dissertationen nicht angenommen werden, weil Genderformulierungen nicht beherrscht werden. Es gib schon Firmen und Kommunen, die "Gender-Bewerbungen" bevorzugen, weil ohne dieses "Können" die Teamfähigkeit infrage gestellt wird. Soweit ist also das Problem nicht von uns entfernt. Selbstverständlich sollen alle Menschen gendergerecht angeschrieben und angesprochen werden. Auch Kinder werden bisher nicht entsprechend ihrer Sexualität oder Neigung (sofern schon erkennbar) korrekt benannt. Frau (-in) Mann (-er) und Kind (-es)? Der Vorname ist zur Identifizierung auch nicht mehr das, was er mal war. Damit beginnen die Probleme und enden nicht mit dem Gendersternchen und dessen Unaussprechbarkeit. Kann es so wie bisher nicht weitergehen? Die neuen Vorschläge sind zudem zutiefst diskriminierend, denn auch die Bezeichnung (Beispiel) Moderator*innen ist nicht eindeutig. Der Mann als Person, die Frauen in der Mehrzahl? Zuerst wird mit der Endung -or eine andere Form des generischen Maskulinums und erst danach das Kunstwort *innen (das „I“ bitte groß!) für die weibliche Person angegeben. Auch falsch, denn wenn schon denn schon müßte es lauten: "Moderator*en und/oder Moderator*In*nen. Der Mann wird nur einmal angeredet, die Frau hingegen männlich und weiblich und in der Mehrzahl beide. Aber auch hier wieder die Frau zuletzt. Ist das gerecht? Zusätzlich gibt es das Problem der persönlichen Anrede, die ja viel beleidigender sein kann als die indirekt öffentliche. Auch Frau, Mann oder Kind ist im Zweifel nicht zutreffend. Im Personalausweise zum amtlichen Geschlecht zusätzlich auch die sexuelle Neigung? Um jede beleidigende Anrede zu vermeiden, ist allen Ämtern und Firmen (wie?, im Bundesgeneralanzeiger?) mitzuteilen, mit welchem Geschlecht (Divers?), und sofern gewünscht, mit welcher sexuellen Neigung man angesprochen und angeschrieben werden möchte. Für alle Bekannten, Freunde und Nachbarn eine schöne Aufgabe. Und der Duden? Der hat auch mit seiner Zustimmung den Nimbus als Leuchtturm der Deutschen Sprache verloren. Haben wir wirklich keine anderen Probleme?

Ob Sternchen oder Bodenstrich, Doppelpunkt oder Innen-Groß-I -- das sind doch alles Hilfsmittel für den Schriftverkehr. Vernünftig aussprechen lässt es sich nicht. Da sagt man doch: Liebe Kundinnen und Kunden. Es sei denn, der Tonfall aus Stellenanzeigen: Liebe Kunden em, we, de geht ins gesprochene Deutsch über. Es wird so viel Papier überflüssigerweise bedruckt, da sollte auch genügend Zeit, Fläche und Tinte da sein, um so zu schreiben, wie man sprechen kann.
Freundliche Grüße

Im Heft 3/21 sind die weiblichen Formen eine einzige Quälerei: Patient:innen / Kolleg:innen usw...
Ich habe mal gelernt, dass ein Doppelpunkt wörtliche Äußerungen etc. ankündigt, vor angekündigten Angaben und vor Schlussfolgerungen steht. Was maßen Sie sich an!
Sehr schade um Ihre sehr informativen Texte. Sie verschwenden Ihre Energien und kämpfen auf Nebenschauplätzen. Den Eindruck habe ich von der Kirchenarbeit allgemein. Sie verlieren das große Ganze aus dem Auge!
Es grüßt Sie, Heidrun Schlüter-Gräber

Sehr geehrte Redaktion!
Der „Gender-Doppelpunkt“ ist nur lästig. Er stört mich sehr beim Lesen.
Ganz besonders am Ende einer Zeile. Beispiel Chrismon 3/2021 Seite 13 Ich drücke noch einmal den Rufknopf für die Kolleg: (neue Zeile) innen draußen klingelt es dann. So steht dann auch Kolleg:innen: und es folgt eine wörtliche Rede. Lassen Sie sich bitte etwas anderes einfallen!
Ärgerlich Marlise Mickler , Pfedelbach

Warum eigentlich führen die wieder und wieder geführten Diskussionen zum sprachlichen Gendern nicht weiter? Weil beide Seiten auf unterschiedlichen Ebenen argumentieren.
Wer das sprachliche Gendern befürwortet, führt nachvollziehbare soziologische Argumente ins Feld, wer es ablehnt, tut dies aus ebenfalls nachvollziehbaren (sprach-)ästhetischen Gründen. Diese beiden Ebenen passen nicht zusammen, weswegen auch keine der beiden Seiten nur Recht oder nur Unrecht hat. Die Unterstellung "feministischen Genderwahns" hilft jedenfalls ebensowenig weiter wie die Behauptung, jemand wolle nur seine "Privilegien als alter weißer Mann" schützen. Im Gegenteil: Indem die Diskussion ideologisiert wird, kann jede Lösung zwangsläufig nur zu "Sieg" oder "Niederlage" einer der beiden Seiten zu führen.
Das Ergebnis ist eine Sprache, bei der sich immer und überall jemand angegriffen fühlt bzw. sich angreifbar macht - und das kann doch wohl kaum das Ziel dieser Diskussion sein.

Sehr geehrte Chrismon-Leute, 23.02.2021
Ihre Zeitschrift lese ich recht gern, weil sie in ihren Beiträgen zumeist das wirkliche Leben abbildet. Der Artikel „Sternchen leuchten da nur wenig“ geht mir aber über die Hutschnur! Für mich ist so viel hochgestochener Quatsch über „gendern“ auf drei Seiten einfach zu viel!
Ja, glauben denn die beiden Sprach- und Literaturexperten, dass dieses „gendern“ mehr als ein Prozent der deutschen Bevölkerung interessiert, geschweige denn dass sich Mann und Frau im täglichen Sprachumgang damit beschäftigen? Und wenn die Frau Professorin in diesem Zusammenhang den Vergleich mit der „Avangarde“ aus der Kunst bemüht, so hilft das hier wenig, wenn man bedenkt, wie schnell solche Avantgardisten mit ihrer Kunst auftauchen und wie schnell sie wieder verschwinden. Hier geht es jedoch um die deutsche Sprache, die jeder Deutsche in den Grundformen beherrschen sollte und die schon durch zusammengebastelte Anglizis-men ausreichend deformiert wird.
Es ist anerkennenswert, wenn Frau Diewald einräumt, dass in der DDR die Gleichberechtigung der Frau ein ganzes Stück fortgeschrittener war als in der BRD. Aber als gelernter DDR-Bürger habe ich auch gesehen, dass es den DDR- Frauen eher um die normalen Dinge des täglichen Lebens ging, über die sie sich aufregen mussten und nicht um solche Geringfügigkeiten wie „Entleiher“ in einer Erlanger Bibliothek, über die sich Frau Diewald damals so aufgeregt hatte, dass sie es heute noch zur Argumentation nutzen muss.
Ihr Genderglossar macht für einen Normalbürger die ganze Sache noch konfuser: Wen meinen denn nun die Gender-Avangardisten mit „Binnen-I, Genderstern, Doppelpunkt und Gendergab“, - sind es Mann und Frau, - und die Halb- und Ungeschlechtlichen. - oder erfinden sie in Zukunft noch weitere Geschlechter?
Am Ende stimme ich den beiden Interview-Partnern hinsichtlich der Quintessenz zu, dass man diesen Quatsch nur mit Humor ertragen kann, - und mit Verlaub – wir brauchen diesen Quatsch auch nicht, denn es gibt lustigere Sachen über die man lachen kann!

Liebe Redaktion,
als „Feministin der 1. Stunde“, (Jg. 1952), aktiv in den 1970zigern, als Frau Diewald noch Kind war, bin ich äußerst ungehalten über ihre – und von ihresgleichen – getragene Selbstbemächtigung der deutschen Sprache. Als Professorin für Deutsche Gegenwartssprache benötigt sie natürlich einen Resonanzraum von Artikeln und Vorträgen, um „wissenschaftlich“ auf sich aufmerksam zu machen. Hat sie als Linguistin keine sinnvolleren Aufgaben zu erledigen? In wessen Namen spricht sie denn, nur innerhalb eines kleinen Zirkels, der uns anderen in der Gesellschaft majorisieren will. Ich lasse mir von solchen Frauen nicht erzählen, was ich zu sprechen habe.

Emanzipation hat nichts damit zu tun, über Sprache zu Verhaltensänderungen dahingehend zu kommen, dass man nur überall wo es passt und nicht passt ein „innen“ anzuhängen. Als Frau wird man positiv wahrgenommen, wenn man eine gesellschaftlich akzeptable Leistung erbringt, sei es beruflich, familiär oder privat. Das sollte man jungen Frauen immer wieder mit Nachdruck klar machen.
Ich bin froh, dass meine deutsche Sprache einen genderneutralen Plural hat, es verkürzt und trägt zur schnellen Verständigung bei. Alles übrige ist floskelhaft und erinnert an den Kanzleistil des Barock. Wollen wir da wieder hin?
Mit freundlichem Gruß
Doris Djian

Sehr geehrter Herr Moritz,
mit Interesse habe ich den Beitrag im Heft 02/2021 gelesen.
Ich habe ebenso, wie Sie, Probleme mit manchen so genannten gendergerechten Formulierungen, besonders dann, wenn sie sperrig daherkommen.
Es gibt eine Gruppe der Personenbezeichnungen, die sich überhaupt nicht gendern lassen, nämlich die ...ing-Wörter, wie Säugling, Häftling, Sonderling usw. Und dann auch noch die, die, wenn man es wirklich ernst nähme, die Männer diskriminiert, wie Bösewicht, Henker, Dummkopf u.a. Und was ist mit Fakir, Rowdy usw.? Da hätte ich gern die Meinung von Frau Diewald erfahren.
Ich stimme Ihnen zu, bei Anreden gibt es kein Problem, wohl aber zusätzlich zu den oben angeführten Begriffen bei bestimmten zusammengesetzten Begriffen (Studentenfutter, Lehrerzimmer, Bergsteigernahrung, ... ).
Die von Frau Diewald bemühte Rechtfertigung für die Durchgenderisierung hieße zu Ende gedacht, dass andere große Gruppen auch ein Recht auf ihre Sprachgewohnheiten im Duden hätten. Beispiel: Bei den Millionen Fußballern heißt "ein Tor schießen" "eine Bude machen". Beim Stichwort 'Bude' ist im Duden diesbezüglich Fehlanzeige.

Die Höflichkeit gebietet es, immer dort, wo es möglich ist, beide/alle Geschlechter anzusprechen bzw. zu benennen. Ideologien haben in der Sprachgestaltung aber nichts verloren. Ich halte es ohnehin für viel wichtiger, ordentlich zu sprechen, also möglichst fehlerfrei. Da hat auch Frau Diewald übrigens noch Reserven, auch was unnötige Anglizismen betrifft. Und eine Schriftsprache sollte man auch sprechen können und und natürlich auch umgekehrt.

In vielem erinnert mich die gegenwärtige Genderdiskussion an die Bildungsministerialen, die ständig durch das Ausdenken neuer Schulvarianten beweisen müssen, wie wichtig sie doch sind.

Übrigens: Das Volk der Xhosa in Südafrika ist die einzige mir bekannte Volksgruppe, die Knacklaute in ihrer Sprache hat. Ich stelle mir vor, in einem Stück von Schiller würden die Schauspieler Knacklaute verwenden! Grässlich!
Mit freundlichen Grüßen
Harald Wiemann

Sehr geehrte Redaktion,
habe mich zuerst geärgert und dann amüsiert:
Da äußert Herr Moritz „in der Sprache muss Gerechtigkeit herrschen“ und am Schluss fehlen ihm „Toleranz und Humor“. Dann regt er sich über den gesprochenen Genderstern als ‚Knacklaut‘ auf. Und er zitiert seine Mutter, ob da nur ‚-innen‘ gemeint seien. Meine Frage: Waren da bisher nur Männer gemeint?
Herr Moritz und nicht wenige andere Männer regen sich über den gesprochenen Stern auf - offensichtlich ohne zu merken, warum: Weil sie da plötzlich spüren, wie das ist wenn man ‚mitgemeint‘ sein soll. Höchste Zeit, dass in Sachen Gerechtigkeit öfter mal ‚geknackt‘ wird – ich freu mich drüber. Übrigens gebe ich zu meiner Ausbildung nach wie vor das an, was auf den entsprechenden Urkunden steht, nämlich Industriekaufmann und Diplomkaufmann. Das zeigt denen, die sich auskennen, wie alt diese Abschlüsse sind. Damals gab es die Kauffrau nur im HGB und in der Praxis handelte es sich dabei oft um die Betreiberin des Kiosks um die Ecke. Ihrer Zeitschrift ein großes Kompliment, sie regt zum Weiterdenken an bei Themen, mit denen sich frau in der Regel nicht so oft befasst und ich genieße jedes Heft!
Also danke und herzliche Grüße

In der Diskussion ums Gendersternchen wird ausschließlich auf der Basis des gedruckten und des gesprochenen Wortes diskutiert, nicht aber im Hinblick auf mit der Hand Geschriebenes. Aus langer Erfahrung mit von Hand Geschriebenem junger Leute bis incl. deren Abiturarbeiten stelle ich mir den berechigten (!) Unmut der Betroffenen vor, stets an das Gendersternchen denken zu müssen - abgesehen davon, wie die in Eile hingekritzelten Teilchen dann aussehen - vier Zacken wie ein x oder mehr, wann wird ein x zum Stern? "Natodraht", sagt vermutlich Frau Diewald. Dieser ganze `Schwachsinn korrekte Rechtschreibung`- wozu eigentlich? Die Diskussionen über die Frage etwa, ob ein "m" oder ein "n" (in Handschrift) geschrieben wurde von Schülerhand, sind Legion. Aha: "In beckmesserischer Weise Fehler zählen." Eigentlich egal - wie vermutlich Frau Diewald sagen würde? Dativ oder Akkusativ? - Wurscht! Beim Gendersternchen wird oft damit argumentiert, die Ausnahmen, wo´s nicht funktioniert, seien kein Gegenargument. Wie viele Ausnahmen dürfen denn sein, bis Quantität in Qualität kippt? Soll, wie Frau Diewald sagt, wirklich eine neue, weitere Trennung zwischen Schrift- und gesprochener Sprache eingeführt werden?

Sehr geehrtes chrismon-Team!
Alle Bemühungen um die Abbildung der biologischen und sozialen Geschlechter in der Sprache sind unnötig (siehe angehängten Beitrag)! Zugleich überfordern sie diese und sind mit ihren grammatikalischen Verbiegungen schwerer les- und hörbar!
So zu sprechen, wie Frau Diewald, ist falsch! Sie versteht nicht (oder ignoriert), dass der Begriff männlich in der Grammatik nicht biologisch ist! Sonst müsste es (jeweils im Singular) heißen: die Weib, die Mädchen! Auch die Katze, die Maus, die Giraffe sind nicht speziell als weibliche Einzellebewesen gemeint, es ist ein Sammelbegriff, der alle einschließt! Ein Arzt ist zuallererst eine Kategorie, ein Status, der alle Mediziner umfasst, unabhängig ihrer biologischen Prägung! Nur wenn ich einzelne Personen meine, spreche ich von dem Arzt oder der Ärztin:
Allgemeiner Status: Arzt ist ein anspruchsvoller Beruf. (Korrekt!) Ärztin ist ein anspruchsvoller Beruf. (Falsch!)
Einzelperson: Der Arzt heiratet seine Verlobte. Die Ärztin heiratet ihren Verlobten. (Beides korrekt!)
Männer werden sich andernfalls nicht mehr als Personen fühlen und eines Tages nicht mehr die Person sagen, sondern der Person; Frauen werden sich nicht mehr als Menschen fühlen und statt der Mensch zu sagen zu die Mensch übergehen! Und wie verhält es sich nach der Logik der Frau Degele mit dem Plural? Sind mit die (Schüler, Bauern, Journalisten) nur weibliche gemeint? Natürlich nicht! Biologie und Grammatik sind zweierlei! Die Männer, was wäre das sonst für ein Anachronismus!
Partizipien lösen das Problem nicht und sie werden Ihrer Funktion beraubt, Andauerndes abzubilden: die toten Radfahrenden (Berliner Senat) mögen als Beispiel reichen!
Ganz verrückt (weil unlösbar) wird es als Folge dieser Bestrebungen, wenn nun jede Gruppe, die sich nicht als Mann oder Frau versteht, sich in der Sprache abgebildet sehen will. (Wobei innerhalb dieser Gruppen die Meinungen nochmals auseinandergehen! Sexualisiertes Sprachchaos ist schon im Gange - und Sprachzwang droht! Denn am Rande gefragt: Will und soll jeder Mensch seine individuelle Prägung oder subjektive Neigung jederzeit sprachlich abgebildet sehen?

Vernunftbegabte Wesen werfen den Corona-Leugnern zu Recht Unwissenheit bzw. Ignoranz vor. Auch wenn es in der Sprache nicht um Leben und Tod geht, so doch um den wichtigsten kulturellen Zusammenhalt in unserem Land! Insofern bedaure ich sehr, dass Sie einer Protagonistin dieser falschen Sprechweise mit ihrer Meinung (keinesfalls Sprachwissenschaft) in Ihrer kompetenten Zeitschrift ein Podium boten!
Mit freundlichen Grüßen,
Holger Krist

Liebe Redaktion,
auf Seite 25 heißt es in einer Antwort von Gabriele Diewald: “Bei uns mussten Frauen bis in die 70er Jahre hinein noch ihre Ehemänner um Erlaubnis bitten, wenn sie jenseits des Haushalts arbeiten wollten.
Das Gesetz gab es in der Tat, bis 1977. Schlimm genug, dass es diese Regelung so lange gab und dass es sie überhaupt gab, aber in den siebziger Jahren hat der Großteil der Frauen sich keine Erlaubnis mehr zum Arbeiten beim ihren Männern (Stichwort: Frauenbewegung) geholt, und es gab auch damals Männer, die dieses Gesetz für längst überholt hielten. Es kommt öfter vor, dass Gesetze keine Anwendung mehr finden, auch wenn sie noch Gültigkeit haben. Anderes Beispiel: der Paragraph 175 BGB, der Homosexualität unter Strafe stellte und erst 1994 gelöscht wurde. Ebenfalls schlimm genug, dass es so lange gedauert hat, aber verurteilt wurde zu diesem Zeitpunkt niemand mehr.
Herzliche Grüße
Bettina Zeiß

Das Gender-Thema ist das einer Elite und geht an den Problemen der meisten Menschen und der Frauen vorbei.
Den Gender-Aktvisten geht es nicht nur darum, das generische Maskulinum zu transformieren, sondern die Trennung von Körper und Geschlecht zu befördern zugunsten einer fließender Geschlechtlichkeit und das auch sprachlich ausdrücken zu wollen. Wer aber die Geschlechtergrenzen aufheben will, beseitigt damit ebenso den Feminismus. Das grammatische Geschlecht ist mit dem biologischen Geschlecht nicht identisch.

Sehr geehrte Frau Prof. Gabriele Diewald,
in chrismon 02/2021 formulierten Sie: „Die Frauenbewegung in der DDR wurde unterdrückt.“
Sie als Wissenschaftlerin hatte dafür sicher Beweise. Diese würden mich interessieren, denn ich bin in der DDR aufgewachsen (Jahrgang 1939) und hatte als Frau mehr Rechte als ein Mann. Wir Frauen wurden auf vielerlei Weise gefördert und unterstützt, waren gleichberechtigt mit den Männern sowohl im Beruf als auch im familiären Bereich und erhielten für gleiche Arbeit gleichen Lohn.
Einige Beispiele dazu:
Eine Frauensonderaspirantur mit finanzieller und beruflicher Absicherung ermöglichte mir zu promovieren. Dank Kinderkrippe, Kindergarten, Schulhort und eines monatlich freien Tages (Haushalttag) konnte eine Frau Kindern und Haushalt gerecht werden. Das Rentenalter für Frauen begann fünf Jahre vor dem der Männer. Wir Frauen konnten jede leitende Funktion ausführen.
All dies hat zu einer kollegialen berufliche Zusammengehörigkeit zwischen Frauen und Männern geführt und eine Frauenbewegung nicht notwendig gemacht.

Sehr geehrte Damen und Herren,
Es ist immer wieder erheiternd, von zwei intelligenten Altbundesbürgern der Jahrgänge 1960, Gabriele Diewald, und 1958, Rainer Moritz, die eigene Geschichte erklärt zu bekommen. In mehr oder weniger irritierender Schwarz-weiß-Malerei, getreu der Devise, das hab‘ ich wohl irgendwo gelesen. So der Satz: "Auch in der DDR hat man versucht, bestimmte Wörter zu tilgen." Da schwirrt die Jahresendfigur mit Flügeln, um einen verruchten Engel auszumerzen, durch den Raum; leider eine Ente, denn nirgendwo lässt sich nachweisen, dass sich hier nicht blanke Ironie Bahn brach, eine Fähigkeit, zu der man selbst in der DDR fähig war.
Dann der apodiktische Tiefschlag: "Die Frauenbewegung in der DDR wurde unterdrückt." Da sollte schon etwas genauer erklärt werden, was Frau Diewald meint. Im DDR-Verständnis gab es den DFD (Demokratischer Frauenbund Deutschlands), mit 1985 immerhin anderthalb Millionen Mitgliedern (sicher alles Karteileichen, oder?) und, nur nebenbei, 1957 in der BRD schlicht verboten. Vom DFD unabhängige Bestrebungen von Frauen, sich zum Beispiel in den Achtzigerjahren für Frieden zu engagieren, fanden unter dem Dach der Kirche einen Raum und den bekannt-pathologischen Argwohn der Regierenden. Ansonsten lässt sich im Text von Frau Diewald sehr schön nachlesen, wie extrem und wie lange sich patriarchalisches Denken in der BRD halten konnte (und längst nicht überwunden ist).

zum Interview zwischen Gabriele Diewald und Rainer Moritz
mit dem Titel „Sternchen leuchten da nur wenig“

Von der Gleichwertigkeit der Geschlechter war ich schon in meiner Schulzeit überzeugt, und ich bin heute ein alter Mann. Aber mit dem Gendern kann ich mich nur schwerlich anfreunden, weil damit unsere schöne deutsche Sprache so verhunzt wird: Es gibt Texte, besonders in den Medien, in denen viele Personenbezeichnungen in der Mehrzahlform vorkommen, in denen man nur mühsam von einem „-innen“ zum anderen voranstolpert. Auch der in Rundfunk und Fernsehen jetzt offensichtlich verordnete Knacklaut vor dem „-innen“ ist sprachlich keine gute Lösung, weil auch dabei die grammatisch korrekte männliche Pluralform verschwindet: Wo bleibt die richtige Mehrzahl von „Patient“ bei der Genderform „Patient*innen“, nämlich „Patienten“? Oder sollte man etwa in diesen Fällen zwei Sternchen und zwei Knacklaute verwenden, also „Patient*inn*en? Darf man im Dativ, also beispielsweise bei „den Mitarbeiter*innen“, die korrekte männliche Dativform, nämlich „den Mitarbeitern“, einfach unterschlagen und damit im Grunde einen grammatischen Fehler machen?
Man kann nur darauf hoffen, dass irgendwann (möglichst bald!) die Gleichwertigkeit der Geschlechter bei allen, die die deutsche Sprache verwenden und lieben, so selbstverständlich wird, dass ein „Gendern“ als gesellschaftliches Druckmittel nicht mehr nötig ist.

Das generische Maskulinum einfach durch das generische Femininum
ersetzen? Politiker nuscheln manchmal: „liebe Freunde und Freunde“,
Politikerinnen passiert das nie. Sie sagen „liebe Freunde und Freundinnen“.
Sie sprechen alle an. Nur so kann es etwas Gutes werden.
Viele Grüße
Ingrid Boss

Sehr geehrte Damen und Herren,
zu oben genanntem Artikel möchte ich mich kurz äußern. Ich denke, die Diskussion "wie Frauen richtig in der Sprache vorkommen" macht es sich
unnötig schwer. Es gibt Begriffe, die überhaupt nichts mit der Benachteiligung der Frauen zu tun haben (im Artikel das Beispiel "Bäcker"). Diese Begriffe beschreiben z.B. Berufe, Qualifikationsmerkmale (im Artikel "Verkehrskaufmann") oder Gruppen von Personen. Zu diesen Begriffen gibt es kaum passende weibliche Formen, und das ist auch gar nicht nötig. Beispiele: Maurer, Fleischer, Fachmann, Laie, Leutnant. Das Qualifikationsmerkmal unterscheidet auf keinen Fall männliche oder weibliche Formen. Es heißt Frau Oberstleutnant und Guten Tag, Frau Professor, wenn mir die Dame z.B. auf dem Gang in der Uni begegnet. Aber: Die Professorin XY hat einen guten Artikel verfasst.

Herr Moritz spricht von einer Buchhändlerin aus der DDR, die bis heute sagt, sie habe Verkehrskaufmann gelernt. Was heißt "bis heute"? Das ist eben genau das Qualifikationsmerkmal. "Maschinist" ist auch so ein Merkmal. Der Duden bemüht sich, auch weibliche Formen der Wörter darzustellen. Er (der Duden) bleibt aber weiterhin bei Bürgerkrieg und Bürgersteig. Vielleicht kämpfen die Frauen bald um einen Bürgerinnensteig!
Sprache kommt von sprechen. Insofern hat Herr Moritz recht, wenn er sich bei Herrn Kleber oder auch bei Frau Petra Gerster vor Lachen vorm Bildschirm wegwirft. Ich habe nicht verstanden, was Frau Diewald meint: Die Frauenbewegung in der DDR wurde unterdrückt. Welche Bewegung? Die meisten Frauen in der DDR waren gern Maschinist, oder arbeiteten in anderen Berufen. Manche Frauen mussten allerdings auch des Geldes wegen arbeiten.
Freundliche Grüße
Christian Hetmanek

Ganz gleich, ob I, * oder _ , mich stört das alles. Vor allem die empfohlene Aussprache: eine kurze Pause nach dem entsprechenden Zeichen und dann fortfahren. Mit Erstaunen stelle ich fest, dass Frauen und/oder Diverse dann dann auf einmal amputiert werden. Wir sind z.B. keine Leserinnen mehr, sondern nur noch -innen. In unserem Sprachgebrauch bedeutet eine kurze Pause nämlich allgemein Achtung! Hier beginn das nächste Wort. In aller Deutlichkeit: Ich finde diese Praxis höchst ärgerlich und wehre mich auf das Schärfste dagegen, so verkürzt zu werden. Wenn Geschlechtergerechtigkeit wirklich ernst gemeint ist, muss Zeit und Druckerschwärze genug da sein, beide Formen zu benutzen, sehr geehrte Journalisten und Journalistinnen. Nebenbei: Wenn ich nicht mehr zum Bäcker gehen will, dann gehe ich eben zum Bäckerladen oder in "DAS Geschäft für Backwaren". Sie merken schon, man kann es mit der Sprache auch übertreiben.
Halb verärgerte, halb erheiterte Grüße
Ellen Aumüller

Sehr geehrte Damen und Herren,
es vergeht kaum ein Tag, an dem man nicht mit dem Genderismus konfrontiert wird. Zu Ihrer "Diskussion" auf S.25, die diesen zweifelhaften Sprechakt kaum noch infragestellt, möchte ich Folgendes beitragen:
Der Plakatspruch „Schaffen statt gendern“ gibt, wie alle derartigen Sprüche, einen Inhalt verkürzt wieder. „Schaffen“ steht für produktiv sein, „gendern“ ist nach Ansicht des OB (dessen Partei von mir übrigens noch nie ein Kreuz bekommen hat, aber ich wohne halt nicht in Stuttgart) unproduktiv (und deshalb zu Recht auch negativ besetzt). Das ist mitnichten „Unsinn“, sondern eine nachvollziehbare Meinung, die ich teile. Ich gehe sogar noch weiter: Gendern ist schädlich. Abgesehen davon, dass Sprache nicht geeignet ist, gesellschaftliche Gerechtigkeit herzustellen, empfinden viele Frauen die Suffixbildung "-in" als Anhängsel und nicht als gleichrangig. Herr Moritz zitiert zwar des Duden Autorität, die aber keine mehr sein kann, seitdem dieser begonnen hat, das generische Maskulinum zu leugnen. (Details: https://vds-ev.de/allgemein/aufrufe/rettet-die-deutsche-sprache-vor-dem-...)
Im übrigen bevorzugt die deutsche Sprache oftmals die weibliche Form. Statt wie im Französischen zu differenzieren (ils und elles), hat das Personalpronomen der 3. Person Plural nur die weibliche Form. Dies gilt übrigens für viele weiteren Pronomina und auch den Artikel. Ist das gerecht?
Als Linkshänder bin ich gesellschaftlich benachteiligt, wurde zum Richtigschreiben (also mit der rechten Hand) gezwungen und kann zwar inzwischen für meine Anlage passende Scheren kaufen, aber natürlich nur mit großem Aufwand und zu überhöhtem Preis. Wird meine Situation besser, wenn ich die sprachliche Gleichsetzung von richtig und rechts negiere? Oder wenn ich als Social Justice Warrior Menschen anprangere, die das Adjektiv „link“ im Sinne von „falsch“ oder „betrügerisch“ verwenden?
Der Vergleich von Sprache mit Kunst hinkt (wie alle Vergleiche). Sprache ist ubiquitär, bis auf ganz wenige Ausnahmen betrifft sie die gesamte Bevölkerung. Kunst ist seiner Natur nach nicht allgemein präsent, sie ist ohne Avantgarde nicht denkbar. Zu Recht gibt Herr Moritz zu, dass Diktaturen schon immer Sprache gelenkt haben. Eine Sprach-Avantgarde, die allen ihre Meinung aufzuzwingen versucht, indem sie bestimmte Wörter verwendet (sei es jetzt das von den Nazis ausgedachte Wort „Gesichtserker“ für „Nase“, das sich glücklicherweise nicht durchgesetzt hat oder seien es die Wortungetüme, die die Leugnung des generischen Maskulinums mit sich bringen), kann sich mit dem allgemeinen Sprachwandel nicht rechtfertigen.
„Als Physiker haben Sie (…) Berufschancen.“ ist ein eindeutiger Satz, dem Frau Diewald ja das generische Maskulinum ausdrücklich zugesteht. Alle Personen unabhängig von ihrem biologischen Geschlecht sind damit gemeint. Dazu bedarf es keiner neuen Wortformen.
„Als Physikerin haben Sie (…) Berufschancen.“ bedeutete etwas anderes, nämlich dass eine Person mit beiden Eigenschaften (Geschlecht und zugrundeliegende Ausbildung) Chancen hat. Die avantgardistische Elite versucht allerdings den Frauen einzureden, dass sie nicht gemeint sind, wenn nicht explizit auf ihr Geschlecht Bezug genommen wird. Durch eine solche Umdeutung ist diese „Ungerechtigkeit“ erst entstanden! Inwiefern sorgt dies für mehr Gerechtigkeit?
Es ist ein Skandal, wie Herr Moritz, Führer eines Literaturhauses (!), mit der Sprache umgeht. „Autorinnen und Übersetzer“ soll „Autoren und Übersetzer, gleich welchen Geschlechts“ bedeuten? Ist ihm entgangen, dass Sprache leidet, wenn ihr Bedeutungsgehalt und Differenzierung entzogen wird? Wenn alles alles bedeuten kann, bedeutet es nichts. Dabei ist manchen seiner Aussagen (Kritik der Wortbildungen, „Medien machen Meinung“) durchaus zuzustimmen.
Wenn man über Sprache redet, sollte man es schon etwas genauer nehmen. Die Begründung, warum „Alleinerzieher“ nicht für „Alleinerziehender“ stehen kann, ist falsch, denn unter jenem ungebräuchlichen Wort wäre ein Erzieher (im Kindergarten) zu verstehen, der ohne Kollegen arbeitet.
Die Formulierung „Möchte jeder ein Glas Wasser?“ ist einwandfrei, aber sprachpolizeilich betrachtet sicherlich suspekt. Im Deutschen wird formal nicht wie im Französischen zwischen „chaque“ (jeder, adjektivisch) und chacun (jeder, substantivisch) unterschieden. Beim substantivischen Gebrauch deckt „jeder“ alle Personen ab. Es ist sogar nach aktuellem Duden (offenbar nur eine Frage der Zeit, bis er auch hier einknickt; „jeder einzelne Teilnehmer“ wurde ja bereits zu „jeder und jede einzelne Teilnehmende“ verballhornt) nur in der männlichen Form gebräuchlich, sofern kein unmittelbarer Bezug zu einem Substantiv weiblichen oder sächlichen Geschlechts gegeben ist. Bei Fragen nach „Wer?“ gibt es denn auch nur eine Antwortversion.
„Liebe Studenten“ ist keine Beleidigung, sondern korrekte Anrede. „Kunde“, so wurde höchstrichterlich entschieden, ist eben doch geschlechtsneutral. Allerdings räume ich ein, dass sich ein allgemeines Sprachverständnis nicht zwangsläufig per richterlichem Urteil durchsetzen lässt. Ganz offensichtlich ist das Verständnis heutzutage zwiegespalten, zu welchen Anteilen, ist nicht ganz klar. Da aber Medien und Bürokraten sich überwiegend auf der genderideologischen Seite positioniert haben, muss es so wirken, als ob dies Mehrheitsauffassung wäre. Der Volksmund wird aber noch mit dem härtesten Dekret nicht erreicht. Es bleibt abzuwarten, ob sich diese Modeerscheinung wieder legt, sobald wieder andere Säue durchs Dorf getrieben werden.
Mit spielerischen Grüßen
Christwart Conrad

Sehr geehrte Damen und Herren,
zu diesem Diskussionsgespräch erlauben Sie mir folgende Gedanken zu
ergänzen:
Die *innen- oder /in- "Kultur" und die damit einhergehende Unaussprechlichkeit und Schwer-Lesbarkeit bringt keinen erkennbaren Nutzen, genausowenig, wie die Euphemisierung des "stark Pigmentierten", des "Wohnungssuchenden" Obdachlosen usw. Man sollte erwarten können, dass Sprache sprechbar bleibt und nicht persönliche Befindlichkeiten, insbesondere für die offenbar inzwischen bedeutsamen verschiedensten, einer Inklusion zu unterziehenden, Geschlechtervarianten die ständige Veränderung unserer lebenden deutschen Sprache steuern. Die Rechtschreib"reformen" blieben mangels Akzeptanz und erkennbarer Sinnfälligkeit auf halbem Weg stecken. Ähnliches wird auch mit den Gentrifizierung der Begriffe passieren. Niemandem ist doch damit gedient, vor jeden Artikel einen Satz wie "die Verwendung des männlichen, weiblichen oder sonstigen Begriffs schließt auch die entsprechenden Personengruppen der jeweils anderen Geschlechter mit ein"
oder "der nachfolgende Text kann Spuren von politischer In-Correctness enthalten" zu setzen. Was machen wir denn beispielsweise mit den Begriffen "Der Löffel, Die Gabel, Das Messer", um sie gendertauglich zu neutralisieren ?
Es sollte immer klar differenziert werden, dass das grammatikalische Genus ("Geschlechter") nichts mit den biologischen weiblichen, diversen oder männlichen Geschlechtern zu tun hat.
Und dass der Artikel von Substantiven im Plural immer "weiblich" ist ...
! Ist "der Mensch" männlich, aber "die Menschen" sind Frauen ? Oder dann neu "Mensch*in" ? Und mit welchem Artikel ?
Das Gendersternchen kann die heute so wichtig gewordenen "Diversen"
nicht sinnvoll subsummieren. Dafür wäre dann wieder ein neues Konstrukt erforderlich.
Als (biologisch-geschlechts-) neutrale Option schlage ich vor, anstelle des wort-unterbrechenden * oder des Wort-eingeschobenen großen "I" bzw.
/-Innen ein s an das Wort anzuhängen: "liebe Students, sehr geehrte Zuhörers, ich gehe zum Frisörs, ich bin Automechanikers, Sie als Steuerzahlers", usw. Im Plural wäre das "-is" dann zu verwenden. Als Artikel wird - genderneutral und divers-kompatibel - dann "de" (Singular und Plural) oder (unbestimmt) "en". Die Flexionen bei Adjektiven entfällt. Das lässt sich gut sprechen und unterscheidet sich - wenn das schon sein muss - von der rein männlichen oder weiblichen Form eindeutig und kann sogar die diverse Form direkt mit subsummieren.
Mit freundlichem Gruß
Dr.-Ing. Wolfgang Ißler

Hallo Frau Buhrfeind, hallo Herr Husmann,
dem Bestreben, Minderheiten vor Diskriminierung uns Ausgrenzung zu schützen, stimme ich unbedingt zu. Mit dem Genderismus kann ich mich aber überhaupt nicht anfreunden; ich finde, damit wird die Sprache verunstaltet und unleserlich / unsprechbar gemacht. Insbesondere wenn ich bei öffentlichen Äußerungen in schwierig zu formulierenden Situationen befürchten muß, daß die "Gender-Polizei" auftaucht und mir eine Anzeige wegen Diskriminierung schicken könnte. Muß ich über jedem zu schreibenden Artikel noch zusätzlich drei Tage über der Frage brüten, ob irgendwo eine Formulierung steckt, die unter Unständen mißverstanden werden könnte? Manchmal habe ich Angst, ich dürfte nicht mehr sagen daß ich in einer Mansarden-Wohnung wohne, weil das jetzt Frausarden-Wohnung heißt.
Es gibt ja nicht nur Männer und Frauen, sondern auch noch die Diversen.
Also müssen wir nicht nur von Malern (Männern) und Malerinnen (Frauen) reden, sondern auch noch von den Maler-Diversen? Bei Lehrern könnte man von Lehrkräften reden, bei Kollegen von "Leuten im Team", aber für die meisten Situationen, in denen ich von Personen in bestimmten Rollen rede, fällt mir keine brauchbare Formulierung ein.
Die Schreibweisen mit Binnen-I, Sternchen oder Unterstrich taugen nur für die Schrift so richtig; man müsste sie aber auch einfach vorlesen können. Wenn ich einen Satz mit "MalerInnen" vorlese, klingt das wie "Malerinnen", also nur Frauen, und wir haben den Salat. Ein Knacken, von dem Sie schreiben, ist mir noch nie begegnet; außerdem würde ich das ebenso wie die Aussprache "Maler - - - innen" als Krampf empfinden.
Und gilt die Forderung nach gendergerechter Schreibweise auch bei Tieren? Die meisten Tiere verstehen die gesprochene Formulierung nicht, aber Tierschutz wird ja auch hochgehalten; es gibt bestimmt Leute, die fordern, Tiere genauso ernst zu nehmen, und dann sind bei "Hunden" die Hündinnen wieder nicht gemeint. Also sprechen und schreiben wir auch "Hunde und Hündinnen" (etwa bei dem Schild mit der Leinenpflicht im Park), von Katzen und Kätzinnen, Schlangen und Schlänginnen, Schnecken und Schneckinnen?

Ich wünsche mir eine generische, schreibbare und sprechbare Formulierung ähnlich dem generischen Genitiv, die es im Singular und im Plural gibt und die aussagt, daß da Personen geschlechtsneutral gemeint sind. Ich spinne mal ein bißchen herum: Etwa "un" für Singular und "unnen" für Plural. Dann wären "Maler" Männer, "Malerinnen" Frauen und "Malerunnen"
Personen beliebigen Geschlechts mit MalerInnen-Ausbildung. Dann bräuchten wir nur noch eine Schreibweise, mit der explizit die Diversen mit MalerInnen-Ausbildung bezeichnet werden. "Un" ist jetzt nicht die Lösung, die ich für wirklich überzeugend halte, aber Sie verstehen vielleicht die Idee.

Und außerdem ist da noch die Anrede: Wenn ich einen Brief schreibe an eine Behörde, an Service-Abteilung einer Firma oder ähnliches, hätte ich früher geschrieben "Sehr geehrte Damen und Herren", oder wenn ich eine einzelne unbekannte Person anschreibe "Sehr geehrte Dame, sehr geehrter Herr". Wie geht das genderkonform? Ich spreche zum Beispiel von Briefen, die von einem Webservice automatisch erstellt werden und für die der Webservice nur die E-Mail-Adresse hat und irgendetwas an diese E-Mail-Adresse schreiben muß, wo also der Webservice (oder eben ich als Schreiber) nur die E-Mail-Adresse schnickiputzi@web.de hat. Soll die Anrede dann heißen "Sehr geehrte Dame, sehr geehrter Herr, sehr geehrtes Sonstiges"? "Sehr geehrter Sonstiger" kann es ja nicht sein, das wäre ja maskulin.
Oder nehmen wir an, der Webservice bietet im Anmelde-Formular ein Feld, im dem man beim Registrieren des Accounts das Geschlecht angibt:
Männlich, weiblich oder divers. Dann kann der Webservice, abhängig von diesem Attribut, die Anrede auswählen: "Sehr geehrte Dame" für weiblich, "Sehr geehrter Herr" für männlich, aber was bei divers? "Sehr geehrtes Sonstiges" fände ich fürchterlich. Und ich möchte hier keine Antwort, die so einigermaßen passt, sondern ich möchte eine Formulierung, die richtig passt und mit der jeder Gener-Verfechter einverstanden ist.
Viele Grüße Gerhard Heil

„Sprache ist lebendig“ wird in Ihrem Artikel behauptet. Das stimmt, aber nur dann, wenn man sie sich lebendig verändern lässt.
Das heißt, bei allen Sprachveränderungen ist man bisher ohne extreme Eingriffe in die Entwicklung der Sprache ausgekommen, die Veränderung geschieht auch ohne unsachgemäße Einmischung.
Luther hatte da ganz andere Probleme. Schreiben Sie mal eine allgemeinverständliche Bibel, Frau Diewald, wenn ausschließlich Dialekte existieren. Die Sprache mit der Kunst zu vergleichen hinkt, Sie lassen da vollkommen den Kunstmarkt außer acht, und das ist typisch, denn hier wird die Entwicklung in der Kunst durch mächtige Interessengruppen zum Nachteil der Kunst beeinflusst und bei einem ebenso gewaltsamen Eingriff in die Sprache kommt vielleicht ähnlich Absurdes dabei heraus. Schön, wenn Sie, Frau Diewald sich offensichtlich als Avantgarde begreifen können, die Frauen danken es Ihnen wahrscheinlich solange nicht, wie existentielle Ungleichheiten existieren, die durch kein Sternchen weggewischt werden können.
Irmgard Muenk- Stahl

Sehr geehrte Chrismon-Redaktion,
mit Erstaunen und wachsendem Unmut habe ich das Gespräch zwischen Gabriele Diewald und Rainer Moritz gelesen. Ich schätze die Buchtipps von Herrn Moritz und habe hier schon wunderbare Entdeckungen gemacht. Seine Argumentation zum Thema „Gendergerechte Sprache“ entspricht aber leider genau der eines typischen alten weißen Mannes, der keine Notwendigkeit sieht, sich von seinen Privilegien zu verabschieden. Ist ja alles so kompliziert und gab es noch nie in der Entwicklung der Sprache. Ja, das Gendern ist anstrengend und es ist schwierig, gute Lösungen zu finden! Aber es gibt jetzt zum Glück einen gesellschaftlichen Konsens, dass nicht mehr wie bisher 50% der Bevölkerung durch das generische Maskulinum benachteiligt wird. Die jüngere Generation ist da zum Glück schon weiter. Die „fehlende Toleranz und der Humor“, die Herr Moritz bei der Gegenseite bemäkelt, vermisse ich leider auch bei ihm.
Ansonsten lese ich Chrismon immer mit Gewinn und freue mich auf jedes neue Heft.
Mit herzlichen Grüßen
Eva Bausch

Sprachregeln müssen geändert werden. Es geht um fundamentale Fragen von Geschlechtsidentitäten und damit um wirklich große Veränderungen in unserer Gesellschaft.“ So schreibt die Redakteurin von Chrismon im Vorwort des Newsletter vom 1. Februar. Sie tut sich schwer mit der Problematik, zu recht. Aber dieser Satz ist ein Irrtum, und zwar ein großer: „Das Sein bestimmt das Bewusstsein.“ Ein kluger Satz von Karl Marx. Die Sprache bestimmt ja nicht die Wirklichkeit, sondern - allenfalls - die Wirklichkeit die Sprache. Bis 1977 lasen wir, durften die Frauen in Deutschland nur arbeiten gehen, wenn es mit Ehe und Familie vereinbar war? Nun, vergessen wir mal bitte nicht: Es gab noch einen anderen Teil Deutschlands - und da war das ganz anders! Da war es selbstverständlich, dass Frauen arbeiten gingen. Nicht weil sie mussten, sondern weil sie wollten. Sie durften es selbstverständlich und konnten es, weil es genug Kindergartenplätze gab. Und auch weil sie gebraucht wurden. Das hat etwas mit dem Wert der Arbeit - und der Würde des Menschen zu tun. Frauen gab es (außer im Politbüro) in vielen leitenden Positionen. Niemand kam auf die Idee, von „Einwohnerinnen und Einwohnern“ zu sprechen, weil es klar war, „Einwohner“ sind alle. Und „Studenten“ waren männliche und weibliche Studierende (übrigens: wenn die Studierenden Feiern gehen, sind sie doch keine Studierende mehr, weil sie Feierende sind??). Und aus dem Lehrling machte man einen „Azubi“ - wenn das keine Abwertung ist! Es ist ein Irrtum, dass die Sprachverdrehung gleiche Verhältnisse für alle Geschlechter schafft - nein, es ist umgekehrt: Gleiche Verhältnisse können die Sprache ändern - oder es ist schlicht: egal. Es hat meines Wissens keine Frau in der DDR gegeben, die sich daran gestört hätte, wenn sie mit „Chef“ angesprochen wurde; dafür kann ich viele Zeuginnen nennen (- hier benutze ich ausdrücklich die weibliche Form, weil nur Frauen gemeint sind). Manchmal ist sogar die DDR als Vorbild geeignet. Verbiegen wir unsere Sprache nicht. Biegen wir vielmehr unsere Verhältnisse zurecht.

Liebe Redaktion,
da haben wir es wieder, das "Gendern"! Seit nun schon vielen Jahren frage ich mich, ob es einer auch noch so wichtigen gesellschaftlichen Bewegung eigentlich gut tut, sich unter einem Schlagwort zu versammelt, dessen Bedeutung sich ohne Kenntnis des neueren gesellschaftswissenschaftlichen Diskurses in den USA nicht voll erschließt. Kann es überraschen, dass die elitäre Botschaft "Wir Intellektuellen unter uns!" beim damit abgehängten Teil des Publikums im besseren Fall Ratlosigkeit oder Spott und im schlechteren Fall auch schieren Hass auslöst?
Mit herzlichen Grüßen Ihr treuer Leser und Leserbriefschreiber
Andreas Knipping

Das an sich interessante Interview mit Frau Diewald, der Linguistikprofessorin, und Herrn Moritz, dem Leiter des Literaturhauses in Hamburg, über die Gendersprache beruht leider auf dem Irrtum, dass "in der Sprache Geschlechtergerechtigkeit herrschen" müsse. Um nicht falsch verstanden zu werden: Gleiche Rechte für alle sind in unserem Staat eine Selbstverständlichkeit. Im Vergleich zu früheren Generationen haben die Frauen in puncto Gleichberechtigung die Männer in vielen Bereichen eingeholt und zum Teil sogar überholt. In vielen Studiengängen gibt es heute mehr weibliche Studenten als männliche. An vielen Schulen unterrichten mehr Lehrerinnen als Lehrer, um nur ein paar Beispiele zu nennen.
Mit der Sprache verhält es sich jedoch anders. Sie ist Allgemeingut und es ist nicht ihre Aufgabe, biologische Geschlechter im Wettstreit miteinander abzubilden. Sie ist aber gerade dabei, zum Opfer einer übergriffigen sprachfeministischen Avantgarde zu werden.
"Übergriffig" deshalb, weil diese in die gewachsene grammatische Struktur der Sprache eingreift und diesen Eingriff als "Sprachwandel" verkauft. Es handelt sich hier jedoch mitnichten um Sprachwandel, sondern um eine ideologisch motivierte sprachliche Erziehungsmaßnahme. Man denke nur an all die Verwaltungsbeamten und -angestellten, die in zahlreichen kommunalen Behörden angewiesen werden, gegenderte Formulierungen zu verwenden. Oder an die Stundenten an den Universitäten, die nicht selten förmlich dazu genötigt werden, gegenderte Sprache zu benutzen.
Die Gendersprachbewegung ist also keinesfalls harmlos, zumal jetzt sogar der Online-Duden der Sprache eine sexuelle Markierung aufzwingt, die sie per se nicht hat. Der Duden gesellt neuerdings jedem angeblich männlich markierten Nomen Agentis eine weibliche Form zu, also z. B. Bäckerin zu Bäcker. Durch die Endung -in wird nicht nur das Nomen Bäcker als biologisch weiblich markiert, sondern das Ausgangsnomen Bäcker als biologisch ausschließlich männlich - was es, sprachwissenschaftlich gesehen, aber nicht ist!
Die Endung -er ist im Deutschen eine bloße Funktionsmarkierung ohne jeden Bezug zum biologischen Geschlecht. Wer wandert ist ein Wanderer, wer viel nachdenkt, ist möglicherweise ein Denker - egal, ob Mann oder Frau, Kind oder anderer Natur.
Mit dem Nomen Lehrer ist ohne näheren Kontext zunächst nur der Beruf gemeint, das natürliche Geschlecht spielt keine Rolle.
Soll aus irgendwelchen Gründen das natürliche Geschlecht genannt werden - etwa zwecks Statistik -, dann unterrichten an einer Schule halt 30 Lehrerinnen und 20 Lehrer. Nur im Kontrast zu den biologisch markierten Lehrerinnen werden hier die Lehrer explizit zu männlichen Lehrern.
Nun ist es aber so, dass bei den allermeisten Sprachaktionen der Bezug auf das natürliche Geschlecht völlig unwichtig ist. Deshalb kann man mit Recht von einer absolut unnötigen Sexualisierung der Sprache sprechen, wenn Genderbegriffe verwendet werden.
Von den Befürwortern des Genderns wird immer wieder vorgebracht, dass bei Verwendung des generischen Maskulinums vor allem an männliche Akteure gedacht werde, also etwa bei den Steuerzahlern, Obdachlosen, Abgeordneten, Stabhochspringern usw. Es ist also das Gefühl, dass das so sei, die Grundlage für die Forderung nach dem Eingriff in die Struktur des Deutschen. Ganz nach der Devise: Sentio ergo sum - Ich fühle, also bin ich! Oder frei nach Pippi Langstrumpf: Wir machen uns die Welt, ganz wie sie uns gefällt!
Was offenbar negiert wird, ist die sprachwissenschaftliche Tatsache, dass das generische Maskulinum niemanden seines natürlichen Geschlechts wegen diskriminieren kann, weil es vom biologischen Geschlecht her, dem Sexus, nicht markiert ist.
Die Behauptung, Frauen würden in der Sprache kaum erscheinen, beruht daher auf einer gefühlten Grundlage, nicht auf einer faktischen. Akzeptiert man sie als Rechtfertigung für einen derart drastischen Eingriff in die Sprachstruktur des Deutschen, öffnet man die Büchse der Pandora zum Schaden unserer wichtigsten Verständnisgrundlage - unserer gemeinsamen Sprache!

Mit Interesse habe ich die Genderdiskussion von Frau Gabriele Diewald und Herrn Rainer Moritz gelesen. Herr Moritz spricht unter anderem über Diskrimenierung im Sprachgebrauch der weiblichen und männlichen Form des Genderns. Herr Moritz übersieht allerdings völlig, dass er den Radiomoderator Herrn Cleber mit dem Ausdruck "alter weißer Mann" selbst auf das Widrigste diskriminiert. Man muss das Gendern im Sprachgebrauch des Herrn Kleber nicht mögen, aber ich bin schon einigermaßen erstaunt, dass sich ein Leiter des Literaturhauses Hamburg dazu hinreißen läßt.
Dieter Heinsch, Berlin

Wenn Frau Diewald in ihren 29 Redebeiträgen mit 150, Herr Moritz in seinen 27 mit 109 Zeilen zu Wort kommt, zeugt dies weniger von einer parteilichen Gesprächsleitung als von der forsch offensiven Art, in welcher feministische Linguistinnen den von ihnen inszenierten Sprachwandel vorantreiben wollen. Schade, dass die guten Argumente von Herrn Moritz demgegenüber eher defensiv wirken! Doch wehe, die Defensive schlägt eines Tages in eine intellektuelle Gegenoffensive um! Dann nämlich, wenn die Gegenseite hartnäckig hinterfragt, was es mit dem viel gescholtenen generischen Maskulinum und der vermeintlichen Männerlastigkeit der deutschen Sprache tatsächlich auf sich hat. Dass beim unbefangenen Sprechen und Hören das weibliche Personalpronomen „sie“ in seiner Plural- und Höflichkeitsform „sie“ bzw. „Sie“ für sich gesehen ebenso wenig das innere Bild weiblicher Personen hervorruft wie das Substantiv „Schüler“ das entsprechende männliche, gibt schon jetzt einen Vorgeschmack auf eine spannende Auseinandersetzung auf Augenhöhe.

Liebe RedkteurInnen!
Der Wahlkampfspruch "Schaffen statt gendern" war gar nicht schlecht von der CDU, schließlich hat er sich ja auch im Ergebnis ausgezahlt. Ich habe auch nichts dagegen, dass Frauen mit der passenden weiblichen Bezeichnung angesprochen werden, aber der Eifer von Frau Diewald geht mir eindeutig zu weit. Von solchen falsch qualifizierten Menschen in entscheidenden Positionen haben wir genug. Was ist den Gesundheitsämtern damit gedient, dass wir Formblätter zu einer korrekten Anrede verhelfen, aber danach sie weiterhin per Brieftaube oder Fax verarbeiten müssen, weil hier die Digitalisierung verschlafen/nicht geleistet wurde.
Auch an Schulen haben solche InfluenzerInnen lieber darüber nachgedacht, ob man nicht ein "drittes Klo" für Diverse anschaffen müsste und jetzt steht man fassungslos vor der Herausforderung von digitalem Distanzunterricht.
Da hilft nur noch Beten, mit Betonung der Zeile "..und erlöse uns von dem Übel."
MfG J. Kowalzik