Susanne Breit-Keßler über Fundamentalismus und Kartoffelsalat

Susanne Breit-Keßler über Fundamentalismus und Kartoffelsalat
Glaubensfragen
Kartoffelslalat

Foto: Susanne Breit-Keßler

Kartoffelsalat, die südliche Variante

Kartoffelslalat

Es gibt Glaubensfragen, die den Fundamentalisten in einem wachrufen. Den inneren Schläfer, der wach, aktiv und gefährlich wird. Zum Beispiel, wenn es um Kartoffelsalat geht. Er muss mit Brühe gemacht werden, mit Zwiebeln, frischen Gurken, vielleicht noch Radieschenscheiben und Petersilie. Mehr so süddeutsch. Alles andere geht gar nicht. Geht doch!

Sogleich wird der munter, der den Kartoffelsalat eher norddeutsch mag. Mit Mayonnaise, Essiggurken oder feinen Cornichons, vielleicht auch ein paar Kapern und - wenn es so richtig fett werden soll - hartgekochten Eiern. Dazu Dill... Natürlich kann man da ein klitzekleines bisschen variieren, aber die Grundzutaten müssen stimmen.

Konfliktives Aufeinanderprallen von Weltanschauungen

Wir sind zuhause zu zweit. Mit grundverschiedenen Vorlieben. Um dem konfliktiven Aufeinanderprallen von Weltanschauungen zu wehren, haben wir uns geeinigt. Darauf, dass jede Überzeugung ihren Platz auf unserem Esstisch hat. Mehr noch: Wir sind ein gelungenes Beispiel für politische und religiöse Auseinandersetzungen.

"Wie möchtest Du den Kartoffelsalat?" frage ich großzügig und weltoffen meinen Mann. Manchmal frage ich nicht. Dann bestimme ich einfach, dass ein Haufen Mayonnaise an die Kartoffeln kommt. Und Eier. Mein Cholesterinspiegel ist bilderbuchmäßig, sagt der Arzt. Klatsch! Noch ein Löffel mehr.

Fundamentalismus ist voll langweilig

Und das Schönste: Ich mag inzwischen auch den Kartoffelsalat mit Brühe, den ich früher wenig verlockend fand. Das verdoppelt meine Möglichkeiten. Und mein Mann? Er mochte schon immer beide Varianten. Deswegen kommt gelegentlich auch beides auf den Tisch. Fundamentalismus ist voll langweilig. Vielfalt lässt Leben.

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Lesermeinungen

Jegliche Erwähnung von Kartoffelsalat macht mich missmutig, stelle ich gerade fest. Wieder was gelernt über mich. Ich würde zwar eine kleine Portion von jeder Art von Kartoffelsalat essen - aber nur aus Neugier oder vor allem aus Höflichkeit. Aber nu is auch schon wieder gut mit sämtlichem Kartoffelsalat. Ich streich den bei mir jetzt von der Karte!

Über diesen Blog

Essen und Trinken hält Leib und ­Seele zusammen. Und darüber Neues zu lesen, macht den Geist fit. Susanne Breit-Keßler wünscht Guten Appetit!

Susanne Breit-Keßler
Susanne Breit-Keßler schrieb viele Jahre die Kolumne "Im Vertrauen" für chrismon. Seit 2000 ist sie Regionalbischöfin des evangelischen Kirchenkreises München-Oberbayern und seit 2003 Ständige Vertreterin des bayerischen Landesbischofs. Ihre journalistische Ausbildung absolvierte sie bei der Süddeutschen Zeitung und beim Bayerischen Rundfunk. Mehrere Jahre sprach sie "Das Wort zum Sonntag" in der ARD und war bereits Autorin des chrismon-Vorläufers "Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt".

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