Dorothea Heintze denkt über Ostrente und Westrente nach

Dorothea Heintze denkt über Ostrente und Westrente nach
Das große Rentenrätsel
Rente

Getty Images/iStockphoto/AndreyPopov

Mann mit Taschenrechner

Liebe Dominique,

an einen jungen Hüpfer wie Dich vielleicht eine dumme Frage, aber hast Du schon mal über Deine Rente nachgedacht?

Ich werd ja bald 60 und da fand ich es an der Zeit, mich (mal wieder) beraten zu lassen. Immerhin hatte ich schon vor Jahren dafür gesorgt, dass mein Rentenkonto "geklärt" ist; will heißen, ich habe nachweisen können, wann ich wo zur Schule gegangen bin, studiert oder Praktika im Ausland gemacht habe und wie lange ich in der Erziehungszeit meiner Kinder zu Haus geblieben bin.

Jetzt also ein neuer Anlauf. Es hat Wochen gedauert, bis ich einen Termin bekam. Anscheinend wollen sich zur Zeit unglaublich viele,  vor allem ältere Menschen beraten lassen. Stell Dir vor, in meinem Bekanntenkreis hören schon jetzt einige auf zu arbeiten. Zwei haben fett geerbt, andere gehen in Frührente und arbeiten daneben noch weiter; wieder andere sind in Altersteilzeit. In den Medien lese ich: Das ist ein Trend.

Aufhören, nur weil wir es uns leisten können - finde ich komisch

Ist das nun ein gutes oder schlechtes Zeichen? Einerseits kenne ich echt viele Leute, die viel zu viel arbeiten und dadurch krank werden. Andererseits sind wir die Generation, die Euch, den Jüngeren, extrem lange auf der Tasche liegen wird. Und nun hören viele Silver-Ager einfach früher auf, weil sie geerbt haben und es sich leisten können? Finde ich komisch.

Aber sorry, ich schweife ab. Ich wollte eigentlich erzählen, dass ich bei meinem Termin bei der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) einen Super-Berater hatte. Ein bisschen habe ich jetzt verstanden, warum ich wann welche Rente kriege und wie welche Punkte wofür zählen. Ich hab ja auch einen gradlinigen Lebenslauf.

Wie wäre wohl meine Situation, wenn ich in der DDR gelebt und gearbeitet hätte? Wie schaffen das all die Leute, in Dresden oder Erfurt, ihre Rentenkonten lückenlos zu klären, bei den vielen Umbrüchen in ihrem Leben? Ein Bekannter von uns ist als junger Mann 1989 über die grüne Grenze in den Westen geflohen, hat dann erst mal ziemlich lange bei Verwandten gewohnt, bevor er mit dem Studium beginnen konnte. Zählen diese Monate für ihn bei der Rentenberechnung mit? Was muss er für Papiere beibringen? Ich werde ihn mal fragen.

Grundrente ist ja gut - aber wer kriegt Ost-, wer Westrente?

Und dann ist letzte Woche die Grundrente verabschiedet worden. Ich habe mich gefragt, wer von uns Normalmenschen versteht den Unterschied zwischen Ost- und Westrenten? Mal lese ich, Ostrenten seien gar nicht so viel niedriger, weil es eben oft "lückenlose Erwerbsbiografien" gab. Dann wieder höre und lese ich von schlimmen Lebensituationen vieler Rentner in ostdeutschen Bundesländern.

Wusstest Du, dass die Höhe der Rente, die jemand bekommt, vom Arbeitsort und nicht vom Wohnort abhängt? Will heißen, wer in Ostberlin arbeitet und in Westberlin wohnt, bekommt Ostrente. Echt schräg aus meiner Sicht wird das Ganze dann, wenn der Arbeitgeber jahrzehntelang in Westdeutschland seinen Geschäftssitz hatte und dann, vielleicht erst vor kurzem, z.B. nach Ostberlin gezogen ist. Für alle Angestellten heißt das nämlich: Sie bekommen eine Ostrente, auch wenn sie fast ihr ganzes Leben lang nach westdeutschen Kriterien gearbeitet haben und entlohnt wurden. Und nun frage ich mich: Ist das für die Betroffenen eine gute oder schlechte Nachricht? Wie gesagt: Nicht immer sind Ostrenten niedriger...

Meine Güte, was für ein Durcheinander! Ich kann nicht wirklich darüber schimpfen, denn wer will und kann das alles vorhersehen und durchschauen? Auch Politiker und Fachreferenten sind ja keine Hellseher und müssen immer wieder neu lernen. Trotzdem finde ich, dass man darüber sprechen sollte. Wie immer würde mich mal interessieren, ob das Thema in Dresden relevant ist. Vielleicht kennst Du ja auch ein paar Fälle und kannst etwas erzählen? Ich freu mich, von Dir zu hören!

Schöne Grüße

Dorothea

 

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Über diesen Blog

Zwei Redaktionen, ein Blog: Dominique Bielmeier arbeitet bei der Sächsischen Zeitung in Dresden. Anne Buhrfeind und Dorothea Heintze bei chrismon in Frankfurt. Nun bloggen sie: Über ihren Redaktions-Austausch, ihr Leben als Ossi im Westen, ihr Leben als Wessi im Osten. Und ihren Alltag, hier wie dort.

Dominique Bielmeier
Dominique Bielmeier ist Stellvertreterin in der Stadtredaktion Dresden bei der Sächsischen Zeitung. Im Februar tauschte sie mit chrismon-Redakteurin Anne Buhrfeind drei Wochen lang die Schreibtische, Jobs und sogar Ehrenämter. Sie hat in Leipzig Journalistik studiert und arbeitet seit knapp sechs Jahren für die "Sächsische Zeitung" und für Saechsische.de.
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Dorothea Heintze
Dorothea Heintze ist Redakteurin bei chrismon, allerdings in Teilzeit. Sie pendelt aus Hamburg dazu. Zwei Jahre lang, von 2016 bis 2018 war ihr Weg kürzer, denn da wohnten sie und ihr Mann in Erfurt. Eine tolle Stadt, nicht nur wegen des guten Biers und der leckeren Würstchen. Überhaupt der Osten: Dorothea Heintze ist schwer verliebt in alle neuen Bundesländer! Immer noch entdeckt sie so viel neues und hört spannende Geschichten, die sie gerne weiter erzählt.
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Anne Buhrfeind ist schon mal von Hamburg nach Dresden geradelt, da lag Meißen auf dem Weg. Das ist aber lange her. Und seither war sie immer nur kurz in Leipzig, Dresden oder Erfurt. Sie arbeitet seit zwölf Jahren bei chrismon, jetzt als stellvertretende Chefredakteurin, vorher war sie bei "Gala" und "woman" in Hamburg.

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