Susanne Breit-Keßler über Zuhausesein und Hühnerfrikassee

Alles hat seine Zeit
Hühnerfrikassee an Reis

Foto: Susanne Breit-Keßler

So schmeckt Zuhause!

Hühnerfrikassee an Reis

Alles im Leben hat seine Zeit, sagt der Prediger im Alten Testament. Auch Hühnerfrikassee. Das hat er zwar nicht extra erwähnt, aber es ist logisch. Wenn Lachen und Weinen seine Zeit hat, Klagen und Tanzen, Schweigen und Reden, dann hat auch Hühnerfrikassee seine Zeit. Und das Schreiben darüber. Denn es gibt einfach Tage, an denen man kein Dreigang-Menü braucht, keine Suppe will oder es einem beim Gedanken an einen Quinoa-Salat bloß schlecht wird.

Das sind die Tage, an denen die Sehnsucht, heimzukommen und zuhause zu sein, ihre Zeit hat. Zuhause, wie früher, wo es an festlichen Tagen Hühnerfrikassee gab. Ein Nobelessen damals, das in Restaurants heute kaum mehr auf der Speisekarte steht. Wenn mich im Chaos des Alltags die Sehnsucht nach der Wohligkeit alter Zeiten packt, koche ich die Gerichte, die meine Mutter uns in meinen Kinder- und Jugendtagen serviert hat. Kalorien spielen wieder mal keine Rolle, denn es muss schmecken.

Sehnsucht nach Geborgenheit

Zwiebeln in etwas Brühe anschwitzen. Zu den klassischen Zutaten habe ich neulich kleine feine Blumenkohlröschen hinzugefügt, die gleich nach den Zwiebeln in die Sauce müssen, weil sie eine längere Garzeit haben als Erbsen. Dann kommen Kapern dazu, bei mir auch ein Hauch grüner Chili. Ordentlich Sahne in den Topf und die Hühnerfleischstückchen. Man kann Filet nehmen oder Ausgelöstes von der Keule. Das Fleisch bei niedriger Temperatur gar ziehen lassen. Mit Salz oder einer feinen Streuwürze abschmecken.  

Sehnsucht nach Geborgenheit hat ihre Zeit, Hühnerfrikassee auch. Und schon bin ich sehr sehr glücklich.

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Über diesen Blog

Essen und Trinken hält Leib und ­Seele zusammen. Und darüber Neues zu lesen, macht den Geist fit. Susanne Breit-Keßler wünscht Guten Appetit!

Susanne Breit-Keßler
Susanne Breit-Keßler war bis 2019 Regionalbischöfin des evangelischen Kirchenkreises München-Oberbayern. Sie war Sprecherin vom "Das Wort zum Sonntag" und regelmäßige chrismon- Autorin. Außerdem ist sie Vorsitzende des Kuratoriums "7 Wochen Ohne" und Mitglied im Aufsichtsrat des GEP, dem Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik, in dem auch chrismon erscheint.

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