Susanne Breit-Keßler über Würziges aus dem Wasser

Susanne Breit-Keßler über Würziges aus dem Wasser
Some like it hot
Panggang Lautan

Foto: Susanne Breit-Keßler

Panggang Lautan - schmeckt so "würzig", wie es aussieht.

Panggang Lautan

Ffffffffft. Grööhhhhgk. Phhhhhhhh.... Luft holen. Ist das scharf. Ich röchle mit größtmöglichem Anstand vor mich hin. Die Brillengläser beschlagen, so sehr bricht mir der Schweiß aus. Der malaiische Kellner hat mir dieses Gericht freundlich empfohlen - mit dem Hinweis, es sei "just a little bit spicy", also nur ein wenig scharf. "Panggang Lautan" heißt es, "den Ozean braten". Vollkommen harmlos eigentlich. Dachte ich.

Snapper ist drin, eine Art Barsch, Krabben, Jakobsmuscheln und   Tintenfisch. Alles, was die einheimischen Fischer auf der Insel Langkawi an diesem Morgen auf ihren Booten anzubieten hatten. Das Hotel, in dem wir wohnen, kauft nur regional vor Ort ein. Dazu ein bisschen Tamarindensauce und Sambal Belacan, eine Sauce aus, na gut, Chili, Garnelenpaste und Kokosmilch.

Bitte keine "Wurschtel con Krauti"

Ich gehöre nicht zu den Leuten, die sich nach dem Motto, "was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht" freuen, wenn es im Ausland "Wurschtel con Krauti" gibt oder "Wiehner Snitzl un Pomm Fritz". Da ergreife ich sofort die Flucht. Mit Begeisterung probiere ich dagegen vor allem in Asien (fast) alles, was die einheimische Küche hergibt. Ein besseres Essen gibt es nicht - immer topfrisch, knackig, sämtliche Geschmacksrichtungen in einem Gericht.

A little bit spicy? Meine Brille ist wieder durchschaubar, der Kellner erkundigt sich, ob es schmeckt. Ich räuspere mich anhaltend, bis ich meine Stimme wiederhabe, und sage begeistert: "It‘s really great!" Und das ist es auch. Falls Sie demnächst bei mir vorbeikommen, werde ich die Ozeane zum Braten bringen.  Und mit einem feinen, malaiischen Lächeln sagen: "Es ist nur ein klein wenig würzig..."

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.

Über diesen Blog

Essen und Trinken hält Leib und ­Seele zusammen. Und darüber Neues zu lesen, macht den Geist fit. Susanne Breit-Keßler wünscht Guten Appetit!

Susanne Breit-Keßler
Susanne Breit-Keßler schrieb viele Jahre die Kolumne "Im Vertrauen" für chrismon. Seit 2000 ist sie Regionalbischöfin des evangelischen Kirchenkreises München-Oberbayern und seit 2003 Ständige Vertreterin des bayerischen Landesbischofs. Ihre journalistische Ausbildung absolvierte sie bei der Süddeutschen Zeitung und beim Bayerischen Rundfunk. Mehrere Jahre sprach sie "Das Wort zum Sonntag" in der ARD und war bereits Autorin des chrismon-Vorläufers "Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt".

Blogs

Text:
Susanne Breit-Keßler
54 Beiträge

Essen und Trinken hält Leib und ­Seele zusammen. Und darüber Neues zu lesen, macht den Geist fit. Susanne Breit-Keßler wünscht Guten Appetit!

Text:
Claudius Grigat
25 Beiträge

Schön bunt ist das Familienleben, manchmal auch zu bunt. Geschichten aus dem turbulenten Alltag von Claudius Grigat

Text:
Johann Hinrich Claussen
112 Beiträge

Auch das Überflüssige ist lebens­notwendig: Der Autor und Theologe Johann Hinrich Claussen reist durch die Weiten von Kunst und Kultur

Text:
Franz Alt
76 Beiträge

„Lust auf Zukunft“ will unser Kolumnist Franz Alt vermitteln. Ob Energie, Politik, Gesellschaft, Familie oder Umwelt - überall ist der Wandel möglich und durch den Wandel eine bessere Welt für uns alle

Text:
Dominique Bielmeier, Dorothea Heintze, Anne Buhrfeind
22 Beiträge

Zwei Redaktionen, ein Blog: Dominique Bielmeier arbeitet bei der Sächsischen Zeitung in Dresden. Anne Buhrfeind und Dorothea Heintze bei chrismon in Frankfurt. Nun bloggen sie: Über ihren Redaktions-Austausch, ihr Leben als Ossi im Westen, ihr Leben als Wessi im Osten. Und ihren Alltag, hier wie dort.