Susanne Breit-Keßler über Kräuter und Traditionen am Gründonnerstag

Susanne Breit-Keßler über Kräuter und Traditionen am Gründonnerstag
Mache ich auch Suppe!
Ein Bund grüner Kräuter

Foto: Susanne Breit-Keßler

Da lässt sich was draus machen!

Meine Vorliebe für Kräuter hat mich wieder hingerissen. Ich habe auf unserem kleinen Wochenmarkt zu viel davon gekauft. Der Händler aus Niederbayern hatte ungewöhnliche Sorten, die Gärtnerinnen aus der näheren Umgebung einen hübschen fertigen Strauß für die traditionelle Gründonnerstagssuppe. Jetzt würde es für zehn reichen. Wir sind aber nur zwei. Ja, natürlich kann man alles kleinhacken und einfrieren. Oder Pesto daraus machen. Aber offen gestanden bin ich gerade zu faul dafür. 

Ich habe den Gefrierschrank abgetaut, die Spülmaschine befällt und leer gemacht, den Balkon neu bepflanzt und meine Kleidung aussortiert. Meine Putzhilfe tobt durch die Wohnung, ein Handwerker repariert in der Küche den Jalousienkasten und macht Dreck ohne Ende. Im Haus sind die Maler unterwegs und brauchen alle naselang Schlüssel oder Auskünfte. Und jetzt, an meinem freien Tag, noch Kräuter verarbeiten? Ich gehe zu meiner Putzfee und frage, ob sie gerne Grünzeug mag. 

Hat das was zu tun mit Jesus? 

Amela, so heißt sie, freut sich sehr. Aber wieso hast Du so viel gekauft?, fragt sie. Was machst Du damit? Ich brauche das für eine Suppe, sage ich. Am Gründonnerstag koche ich immer eine feine Kräutersuppe, das ist Tradition. Amela kommt aus Bosnien und ist Muslima. Hat das was zu tun mit diese Jesus?, erkundigt sie sich. Ich erzähle vom letzten Abendmahl, von der Kreuzigung, von der Auferstehung an Ostern. Amela hört aufmerksam zu. Mache ich auch Suppe, sagt sie. Wie geht das genau?

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.

Über diesen Blog

Essen und Trinken hält Leib und ­Seele zusammen. Und darüber Neues zu lesen, macht den Geist fit. Susanne Breit-Keßler wünscht Guten Appetit!

Susanne Breit-Keßler
Susanne Breit-Keßler schrieb viele Jahre die Kolumne "Im Vertrauen" für chrismon. Seit 2000 ist sie Regionalbischöfin des evangelischen Kirchenkreises München-Oberbayern und seit 2003 Ständige Vertreterin des bayerischen Landesbischofs. Ihre journalistische Ausbildung absolvierte sie bei der Süddeutschen Zeitung und beim Bayerischen Rundfunk. Mehrere Jahre sprach sie "Das Wort zum Sonntag" in der ARD und war bereits Autorin des chrismon-Vorläufers "Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt".

Blogs

Text:
Susanne Breit-Keßler
54 Beiträge

Essen und Trinken hält Leib und ­Seele zusammen. Und darüber Neues zu lesen, macht den Geist fit. Susanne Breit-Keßler wünscht Guten Appetit!

Text:
Claudius Grigat
25 Beiträge

Schön bunt ist das Familienleben, manchmal auch zu bunt. Geschichten aus dem turbulenten Alltag von Claudius Grigat

Text:
Johann Hinrich Claussen
112 Beiträge

Auch das Überflüssige ist lebens­notwendig: Der Autor und Theologe Johann Hinrich Claussen reist durch die Weiten von Kunst und Kultur

Text:
Franz Alt
76 Beiträge

„Lust auf Zukunft“ will unser Kolumnist Franz Alt vermitteln. Ob Energie, Politik, Gesellschaft, Familie oder Umwelt - überall ist der Wandel möglich und durch den Wandel eine bessere Welt für uns alle

Text:
Dominique Bielmeier, Dorothea Heintze, Anne Buhrfeind
22 Beiträge

Zwei Redaktionen, ein Blog: Dominique Bielmeier arbeitet bei der Sächsischen Zeitung in Dresden. Anne Buhrfeind und Dorothea Heintze bei chrismon in Frankfurt. Nun bloggen sie: Über ihren Redaktions-Austausch, ihr Leben als Ossi im Westen, ihr Leben als Wessi im Osten. Und ihren Alltag, hier wie dort.