Susanne Breit-Keßler über große Portionen und verlängerten Genuss

Susanne Breit-Keßler über große Portionen und verlängerten Genuss
Doggy Bag
Vietnamesisches Essen in Aluschale

Foto: Susanne Breit-Keßler

Viel zu viel, um alles auf einmal zu essen

Vietnamesisches Essen in Aluschale

Ich habe früh damit angefangen. Vielleicht, weil man mir beigebracht hat, immer brav aufzuessen. Das geht aber nicht. Ich kann und mag nicht jeden Teller leer putzen. Auch nicht, wenn das Essen gut ist. Manchmal ist mein Magen einfach zu klein dafür. Ein andermal will ich nicht, weil die Qualität der Speisen sich nicht dadurch steigert, dass ich Unmengen davon in mich hineinstopfe. Ein köstlicher halber Teller ist nicht weniger gut als ein ganzer. Oder anders: Ein Berg von Futter macht einen nicht glücklicher als ein paar Gabeln von wunderbaren Speisen. Gut.

Wegwerfen will ich aber auch nichts. Deshalb habe ich schon vor Jahren begonnen, mir das, was ich ich im Lokal nicht schaffe, einpacken zu lassen. In eine Doggy Bag, eine „Hundetüte“.  Es ist für Gastronomen längst nicht mehr ungewöhnlich, Behälter für die Essensreste ihrer Gäste vorzuhalten. Die können das dann nach Hause transportieren. Der Name ist lustig. Doggy Bag. Schade, dass damit so getan wird, als seien die eingepackten Reste für den Hund der Gäste bestimmt. Auch die, die überhaupt keinen haben, geben vor, vor allem in den USA, sie würden mit den Naturalien  ihr Haustier füttern.

Respekt davor, dass Lebensmittel ein Geschenk sind

Warum? Ich sage gerne: „Es wäre schade, das wegzuwerfen. Davon esse ich gerne nochmal!“ Nix mit Hund, Katze oder Meerschweinchen. Und wenn mal jemand besonders komisch schaut, kann selbst ich moralisch werden. Und erwähne ganz altmütterlich, das vielen Menschen selbst das Nötigste zum Leben fehlt und ich es einfach nur unanständig finde, den eigenen Überfluss in die Tonne zu treten. Zack - habe ich meine Reste. Die hier sind von meinem Münchner Vietnamesen. Er meint es gut mit den Portionen. Eine ist so groß, das ich ein zweites Mal davon esse und noch etwas einfrieren kann.

Spart Geld, wiederholt und verlängert den Genuss. Ist Respekt davor, dass Lebensmittel ein Geschenk sind, selbst wenn ich dafür bezahle. An den Aluschalen kann man noch arbeiten, ich weiß. Beim nächsten Ausgehen nehme ich meine eigenen Vorratsbehälter mit. Vielleicht tun die es auch.

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.

Über diesen Blog

Essen und Trinken hält Leib und ­Seele zusammen. Und darüber Neues zu lesen, macht den Geist fit. Susanne Breit-Keßler wünscht Guten Appetit!

Susanne Breit-Keßler
Susanne Breit-Keßler schrieb viele Jahre die Kolumne "Im Vertrauen" für chrismon. Seit 2000 ist sie Regionalbischöfin des evangelischen Kirchenkreises München-Oberbayern und seit 2003 Ständige Vertreterin des bayerischen Landesbischofs. Ihre journalistische Ausbildung absolvierte sie bei der Süddeutschen Zeitung und beim Bayerischen Rundfunk. Mehrere Jahre sprach sie "Das Wort zum Sonntag" in der ARD und war bereits Autorin des chrismon-Vorläufers "Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt".

Blogs

Text:
Susanne Breit-Keßler
35 Beiträge

Essen und Trinken hält Leib und ­Seele zusammen. Und darüber Neues zu lesen, macht den Geist fit. Susanne Breit-Keßler wünscht Guten Appetit!

Text:
Claudius Grigat
17 Beiträge

Schön bunt ist das Familienleben, manchmal auch zu bunt. Geschichten aus dem turbulenten Alltag von Claudius Grigat

Text:
Johann Hinrich Claussen
56 Beiträge

Auch das Überflüssige ist lebens­notwendig: Der Autor und Theologe Johann Hinrich Claussen reist durch die Weiten von Kunst und Kultur

Text:
Ursula Ott
8 Beiträge

Seit Chefredakteurin Ursula Ott Print und Online managt, versucht sie sich als interkulturelle Dolmetscherin

Text:
Franz Alt
18 Beiträge

„Lust auf Zukunft“ will unser Kolumnist Franz Alt vermitteln. Ob Energie, Politik, Gesellschaft, Familie oder Umwelt - überall ist der Wandel möglich und durch den Wandel eine bessere Welt für uns alle

Text:
Susanne Breit-Keßler
19 Beiträge

Fußball ist ihr Leben - sagt Regionalbischöfin und Schiedsrichtertochter Susanne Breit-Keßler. Und da der Ball rund ist und das zugehörige Spiel mindestens die wichtigste Nebensache der Welt, schreibt sie - wie bereits bei der EM 2016 - auf, was sie während der WM in Russland bewegt