Susanne Breit-Keßler über Globalisierung auf dem Teller

Susanne Breit-Keßler über Globalisierung auf dem Teller
Schweinebraten meets Curry

Auch wenn Globalisierung gelegentlich aus guten Gründen kritisiert werden kann: Weltweites Zusammengehörigkeitsgefühl ist super. Man reist in alle möglichen Erdteile, lernt Menschen kennen, probiert sich vergnügt durch diverse Küchen und Getränke. Zuhause hat man die Wahl zwischen Restaurants aus aller Herren und Damen Länder. Wer Gäste aus dem Ausland hat, führt ihnen stolz die einheimische Küche vor oder schleppt sich schon mal aus lauter Gastfreundschaft missmutig in ein Wirtshaus, das man sonst nie aufsuchen würde.

Kosmopolitische Auswahl vom Buffet

Essen und Trinken verbindet Menschen aus aller Welt. Manchmal tun das auch Buffets. Ich denke an einen Abend, der das Zusammensein der Mitglieder einer Partei krönen sollte. Es gab köstliche Vorspeisen aus einheimischem Fisch, regionale Hauptgerichte mit viel Fleisch, daneben auch den Blick in asiatische Weite durch scharfe Geflügelgerichte. Mein Tischherr, ein ehemaliger Bundesminister, nein, ich nenne keine Namen, stürmte begeistert los, um das Angebot zu sichten. Die Ansicht seiner Auswahl war eindrucksvoll kosmopolitisch.

Der Schweinebraten mit knackiger Kruste wurde auf dem Teller weich in der Gesellschaft sanft gegarten Putenfleisches. Braune Bratensauce wanderte durch goldfarbenen Curry. Chilis, Zitronengras und Thaibasilikum trafen verwundert auf Thymian und Kirschtomaten. Knödel wurden gemeinsam mit dem Reis zerdrückt. Dem Ex-Minister mundete der Multi-Kulti-Madder. Ich kam schwer ins Grübeln. Auf meinem Teller nämlich vereinsamte das Curry neben Basmatikörnern, nur unterhalten von einem Stänglein Koriander. Offenbar fehlt es mir doch am rechten Sinn für Globalisierung.

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Über diesen Blog

Essen und Trinken hält Leib und ­Seele zusammen. Und darüber Neues zu lesen, macht den Geist fit. Susanne Breit-Keßler wünscht Guten Appetit!

Susanne Breit-Keßler
Susanne Breit-Keßler ist Autorin der Webkolumne "Mahlzeit". Viele Jahre schrieb sie die Kolumne "Im Vertrauen" für chrismon. Bis 2019 war sie Regionalbischöfin des evangelischen Kirchenkreises München-Oberbayern. Ihre journalistische Ausbildung absolvierte sie bei der Süddeutschen Zeitung und beim Bayerischen Rundfunk. Mehrere Jahre sprach sie "Das Wort zum Sonntag" in der ARD. Sie war bereits Autorin des chrismon-Vorläufers "Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt". Susanne Breit-Keßler ist zudem Vorsitzende des Kuratoriums "7 Wochen Ohne" und Mitglied im Aufsichtsrat des GEP, dem Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik, in dem auch chrismon erscheint.

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Zwei Redaktionen, ein Blog: Dominique Bielmeier arbeitet bei der Sächsischen Zeitung in Dresden. Anne Buhrfeind und Dorothea Heintze bei chrismon in Frankfurt. Nun bloggen sie: Über ihren Redaktions-Austausch, ihr Leben als Ossi im Westen, ihr Leben als Wessi im Osten. Und ihren Alltag, hier wie dort.