Susanne Breit-Keßler über Frühstück und die Liebe

Aprikosenmarmelade
2 Brote mit Butter und Aprikosenmarmelade

Foto: Susanne Breit-Keßler

So sieht Beständigkeit aus

2 Brote mit Butter und Aprikosenmarmelade

Das sehe ich seit Jahren jeden Tag. Irgendwann morgens zwischen 6 und 7 Uhr. Zwei Butterbrote mit Aprikosenmarmelade. Das Frühstück des besten Ehemannes von allen. Aprikosenmarmelade. Nicht Orange oder Quitte, das ist ihm zu bitter. Keine Erdbeeren, die mag er am liebsten mit Schlagsahne. Pflaume auch nicht - so etwas schätzt mein Mann als Zwetschgendatschi im Spätsommer und Herbst. Mango, Papaya und Ananas isst er im Urlaub, dort, wo es diese Früchte wirklich frisch und köstlich gibt. Pfirsich allerdings akzeptiert er als gelegentliche alternative Marmelade. 

Jeden Tag Butterbrot mit Aprikosenmarmelade. Samstags die Sportschau und sonntags Tatort. Neulich sagte jemand zu mir, wie spießig er das fände. Voll spießig! Kann sein, dass ich das früher vielleicht auch mal gedacht hätte. Ich kann mich nicht erinnern. Heute schaue ich mal mehr, mal weniger schlaftrunken auf das immer gleiche Frühstück meines Mannes. Wenn ich früher aufstehe als er, schmiere ich ihm selber die Brote. Typisch Hausfrau? Voll spießig? Ist mir doch egal. Es freut ihn und wenn er sich freut, bin auch glücklich. Davon mal abgesehen: Seine täglichen Marmeladenbrote sind ein veritables Symbol.

Kirsch-Banane wäre ein Grund zur Sorge

Ein Symbol dafür, dass dieser kreative und phantasievolle,  geistig bewegliche und immer wieder überraschende Mann zugleich beständig und verlässlich ist. Genau das brauche ich. Auch dafür liebe ich ihn. Und hoffe, dass ich nicht eines Tages erschreckt auf ein Brot mit Kirsch-Banane-Aufstrich schauen muss. Dann würde ich mir echt Sorgen machen. Aber so? Ich besorge gleich mal wieder Aprikosenmarmelade. Stelle die Butter raus, damit er nicht Platten verlegen muss wie auf dem Bild. Und freue mich auf den nächsten Morgen mit einem Ehemann, der weiß, was Treue schon im Kleinen ist. 

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Über diesen Blog

Essen und Trinken hält Leib und ­Seele zusammen. Und darüber Neues zu lesen, macht den Geist fit. Susanne Breit-Keßler wünscht Guten Appetit!

Susanne Breit-Keßler
Susanne Breit-Keßler war bis 2019 Regionalbischöfin des evangelischen Kirchenkreises München-Oberbayern. Sie war Sprecherin vom "Das Wort zum Sonntag" und regelmäßige chrismon- Autorin. Außerdem ist sie Vorsitzende des Kuratoriums "7 Wochen Ohne" und Mitglied im Aufsichtsrat des GEP, dem Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik, in dem auch chrismon erscheint.

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