Susanne Breit-Keßler über die Meinungshoheit am Stollenteller

Susanne Breit-Keßler über die Meinungshoheit am Stollenteller
Stollen ist einfach unverzichtbar
Drei saftige Scheiben Stollen

Foto: Susanne Breit-Keßler

Traditionen machen den Advent erst richtig schön

Stollen muss man rechtzeitig backen - damit er ordentlich durchzieht. Also eigentlich vor dem Advent. Wenn man ihn später essen will, zu Weihnachten etwa, oder ihn verschenken, dann ist jetzt die richtige Gelegenheit dafür. Beim Backen selbst braucht man schön viel Zeit. Es ist eigentlich eine meditative Übung, die einen aus dem Alltag herausnimmt. 

Auch deswegen, weil die Form des Stollens an ein eingewickeltes Christkind erinnert. Den Puderzucker kann man sich als weiße Windel denken. Manche Leute fühlen sich an Schneeflöckchen erinnert. Aber wer will das zarte Jesulein ernsthaft durch den Schnee rollern? Mal abgesehen davon, dass es im alten Israel keinen gab ...

Butter muss ...

Aber jetzt ran an die Schüssel! Im Prinzip wird jeder Stollen ähnlich gemacht. Nüsse oder Mandeln mit Zitronat, Orangeat und Rosinen kleinhacken und am Tag zuvor in Rum einweichen. Es braucht einen Vorteig aus Milch, Mehl und Hefe. Gehen, also liegen lassen. Eine Prise Salz, Zucker nach Geschmack und Eier dazu. Gehen lassen. Butter und eingeweichte Köstlichkeiten ergänzen. 

Dann heißt es Kneten, Kneten, Kneten. Gehen lassen. Schön formen und mit Wasser bestreichen. Gehen lassen. Ab in den Ofen. Wenn er aus dem Ofen kommt, sollte er flott mit viel Butter bestrichen und großzügig mit Puderzucker bestreut werden. Oder mit deutlich weniger, wenn jemand es nicht so süß und fett mag. Eine Woche lagern... Dann ist er Weltklasse. 

Natürlich kann man auch Quark dazu tun oder Marzipan, Mohn, Rotweinfeigen oder Schokokirschen. Ich mag es lieber hübsch altmodisch, wenn es um Advent und Weihnachten geht. In der Küche kann man schließlich das ganze Jahr über experimentieren. Irgendwann muss es heimelig werden. Und alle Sinne dürfen endlich Vertrautes schmecken. 

 

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Lesermeinungen

Danke für diesen guten und netten Beitrag. Auch bei uns ist es Tradition, zu Weihnachten Klaben, die Oldenburger variante des Stollens, zu backen. Das Rezept ist familientradiert und wird durch mich in der 3. Generation erstellt.
Adventliche Grüße
Herko Holz

Über diesen Blog

Essen und Trinken hält Leib und ­Seele zusammen. Und darüber Neues zu lesen, macht den Geist fit. Susanne Breit-Keßler wünscht Guten Appetit!

Susanne Breit-Keßler
Susanne Breit-Keßler schrieb viele Jahre die Kolumne "Im Vertrauen" für chrismon. Seit 2000 ist sie Regionalbischöfin des evangelischen Kirchenkreises München-Oberbayern und seit 2003 Ständige Vertreterin des bayerischen Landesbischofs. Ihre journalistische Ausbildung absolvierte sie bei der Süddeutschen Zeitung und beim Bayerischen Rundfunk. Mehrere Jahre sprach sie "Das Wort zum Sonntag" in der ARD und war bereits Autorin des chrismon-Vorläufers "Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt".

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