Susanne Breit-Keßler über den Frankfurter Kranz

Hessische Kalorienbomben
Frankfurter Kranz

Susanne Breit-Keßler

Frankfurter Kranz

Frankfurter Kranz

Die Mainmetropole hat richtig was zu bieten.

Frankfurt ist eine schöne Stadt, finde ich. Schon deswegen, weil mein bester Freund mit seinem Mann hier lebt. Und eine Freundin, deren Tochter meine Wahl-Enkelin ist. Dann gibt es natürlich das Gemeinschaftswerk Evangelische Publizistik mit seinen exzellenten Journalisten und Jorunalistinnen, Kreuzfahrten auf dem Main für Schifffreaks wie mich, Eintracht Frankfurt, Grüne Soße und Frankfurter Würstchen, die woanders - ein bisschen anders zusammengesetzt - auch Wiener heißen. Handkäs‘ mit Musik muss nicht, kann aber sensationell gut schmecken.

Die ergonomische „Frankfurter Küche“ aus den 1920er Jahren gilt als Prototyp der Einbauküche. Es gibt ein Multifunktionsbrett, das ebenfalls den Namen der Mainmetropole trägt. Also kulturell und gastronomisch eine vielfältige Stadt. Ein lukullisches Highlight ist für mich der Frankfurter Kranz. Ich esse nicht so gerne Kuchen, aber da könnte ich mich reinsetzen. Dummerweise ist er aus der Mode gekommen, weil man aus Rücksicht auf die Figur fette Buttercreme-Torten eher selten futtert. Aber ich finde, wenn schon, denn schon - „pecca fortiter“ sagte Luther, sündige tapfer. Na also.

Einsame Krönung

Auf unserem Bauernmarkt verkauft eine Landfrau selbstgemachten Kuchen: Zwetschendatschi, Apfel- und Kirschkuchen, Rohrnudeln, Donauwellen und Bayerisch-Creme-Torte. Aber auch weniger Bodenständiges wie Himmlische Pfirsichschnitte, Cappuccinotorte und ähnliche süße Delikatessen. Weil ich, wie man in Bayern sagt, seit Monaten an die experimentierfreudige Bäuerin „hingebenzt“, also freundlich gedrängelt habe, stand letztes Mal ein Frankfurter Kranz in Blechform bereit. Ha! Köstlich! Natürlich habe ich ihn gekauft.

Landfrauen heutzutage sind ernährungswissenschaftlich auf der Höhe der Zeit. Frau Lechner, so heißt die begnadete Bäckerin, hat den Kranz variiert und kalorienmäßig leichter gemacht. Sie lässt etwa die zuckrigen Belegkirschen voller Aroma- und Farbstoffe weg, obwohl sie Rubine symbolisieren. Der Kranz erinnert nämlich an die deutsche Kaiserkrone und Frankfurt als Stadt der Krönungen. Das alles gibt es nicht mehr. Was es gibt, sind die großartigen Menschen dort, die in meinem Herzen thronen. Mein Dank an eine Oberbayerin, dass sie den Geschmack dafür bewahrt.

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Über diesen Blog

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Susanne Breit-Keßler
Susanne Breit-Keßler war bis 2019 Regionalbischöfin des evangelischen Kirchenkreises München-Oberbayern. Sie war Sprecherin vom "Das Wort zum Sonntag" und regelmäßige chrismon- Autorin. Außerdem ist sie Vorsitzende des Kuratoriums "7 Wochen Ohne" und Mitglied im Aufsichtsrat des GEP, dem Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik, in dem auch chrismon erscheint.

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