Susanne Breit-Keßler über Dekor, das die Seele wärmt

Blau blau blau ist manches, was ich hab´
Susanne Breit-Keßler Geschirr

Susanne Breit-Keßler

Susanne Breit-Keßler Geschirr

Geschirr muss nicht teuer sein, um glücklich zu machen.

Im Freundeskreis bestaune ich stets höflich das Dresdner Zwiebelmuster. Es gilt immer noch als Ausdruck gediegener Bürgerlichkeit. Wer ein Speiseservice mit allem Drum und Dran hat, womöglich noch ein Kaffee- und Teeensemble dazu, der hat es zu etwas gebracht.

Ich klau´ jetzt mal einen Wahlspruch und sage: „Sie kennen mich“ – wir hatten das zuhause natürlich nie. Was mir erstens sowieso und zweitens deswegen nichts ausmacht, weil es mir nicht so richtig gefällt, selbst wenn es von der Renommiermarke Meissen kommt. Das soll niemandem die Freude an seinem oder ihrem Geschirr verderben. „Die Geschmäcker der Gestecker sind verschieden“, sagten meine Eltern.

Als beide gestorben waren und ich unter schwierigen Bedingungen ihre Wohnung ausräumen musste, fielen mir unsere Teller in die Hand. Indisch Blau, Zwiebelmuster für Arme.  Es ist eine Variante des Strohblumenmusters, das es seit der Mitte des 18. Jahrhunderts gibt. Meissen war hier ebenfalls am Werk – insofern muss man sich nicht genieren. Andernfalls natürlich genauso wenig. Unser Indisch Blau war natürlich nicht aus Sachsen und schon gar nicht handgemalt. Es kam aus Oberfranken, was auch eine gute und bekannte Adresse ist, vor allem für Porzellan. Indisch Blau kam ursprünglich aus China und heißt seit etwa 1930 so. Fast 200 Hersteller haben es produziert.

Friesen machen mit Indisch Blau die Welt wieder heil

Indisch Blau gefällt mir auch nicht. Ich esse am Liebsten von Tellern, die schwarz oder weiß sind und bestenfalls ein feines geometrisches Dekor am Rand haben. Aber da saß ich nach dem Tod meiner Eltern heulend und wegen einer Chemotherapie glatzköpfig in der Wohnung, den halbvollen Müllcontainer draußen vor dem Haus, Menschen drinnen, die ich zwar eingeladen hatte, die sich aber einfach schnappten, was ihnen eben gefiel – und nahm mir zwei Teller Indisch Blau. Ich habe sie heute noch. Zwei kleine habe ich dazu gekauft und ein Freund hat mir, chrismon-Lesende wissen das, einen Teebecher in Friesisch Blau geschenkt.

Das schicke Geschirr, das wir haben – übrigens auch aus Oberfranken und Sachsen - , ist schön und schlicht. Es entspricht meinen Anforderungen an Ästhetik und Eleganz. Ausgefeilte Menüs für liebe Gäste machen sich darauf ganz ausgezeichnet. Und Indisch Blau? Das ist für die Momente, in denen ich für mich alleine angesichts einer manchmal blödsinnigen Welt ganz viel dickes, warmes, tröstliches Zuhause brauche. Ich lege Nudeln mit sehr viel Sauce auf die großen Teller. Fette Käsebrote kommen auf die kleinen. Meinen Grüntee aus Sri Lanka nippe ich aus dem Friesentopf. So könnte die Welt vielleicht wieder in Ordnung kommen.   

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Über diesen Blog

Essen und Trinken hält Leib und ­Seele zusammen. Und darüber Neues zu lesen, macht den Geist fit. Susanne Breit-Keßler wünscht Guten Appetit!

Susanne Breit-Keßler
Susanne Breit-Keßler war bis 2019 Regionalbischöfin des evangelischen Kirchenkreises München-Oberbayern. Sie war Sprecherin vom "Das Wort zum Sonntag" und regelmäßige chrismon- Autorin. Außerdem ist sie Vorsitzende des Kuratoriums "7 Wochen Ohne" und Mitglied im Aufsichtsrat des GEP, dem Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik, in dem auch chrismon erscheint.

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