Susanne Breit-Keßler über Brot, das im Restaurant übrig bleibt

Susanne Breit-Keßler über Brot, das im Restaurant übrig bleibt
Das nehme ich mit!
Fladenbrot auf dem Weg zur Panade

Susanne Breit-Keßler

Gut zu verwenden!

Brot wirft man nicht weg, habe ich gelernt. Und in schauerlicher Erinnerung ist mir das Andersen-Märchen von dem Mädchen, das auf Brot trat, um sich die Schuhe nicht zu beschmutzen. Es landet in einer Vorkammer zur Hölle. Am Ende wird Inge, so heißt das Mädchen, in einen Vogel verwandelt. Für meine Erinnerung spielt das keine Rolle, auch wenn ich noch nie auf Brot getreten bin und mich, gut bayerisch gesprochen, „der Sünd´n fürcht´n dad“, das zu tun. 

Brot ist Sinnbild für Leben. Manchen, der Notzeiten miterlebt hat, plagt deshalb besonders die Sorge um Verschwendung – altgewordenes Brot wird deshalb dorthin gebracht, wo es immerhin noch verfüttert wird, auf einem Bauernhof und im Tierpark. Oder es wird auf den Kompost gelegt, damit es zu wertvoller Erde beiträgt. In der Gemeinde, zu der wir gehören, bekommt man zum Einzug eine schöne Karte geschickt mit geistreichen Worten und einem Gutschein für ein gutes Bäckerbrot. 

Freiheit, die ich meine

In einem orientalischen Restaurant bekamen wir Brot die Fülle. Nicht zu schaffen. Ich bat darum, es mitnehmen zu dürfen. Zuhause habe ich das Fladenbrot getrocknet und zu Paniermehl verarbeitet. Bei unseren jüdischen Freunden gehört ungesäuertes Brot zum Passahfest, dem Fest des Auszugs aus Ägypten. Sie denken beim Essen daran, dass Gott ihnen ihre Freiheit, ihr Leben geschenkt hat. Meine schlichte Panade erinnert mich an Fest- und an Alltage, die wir so reichlich haben dürfen. 

 

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.

Über diesen Blog

Essen und Trinken hält Leib und ­Seele zusammen. Und darüber Neues zu lesen, macht den Geist fit. Susanne Breit-Keßler wünscht Guten Appetit!

Susanne Breit-Keßler
Susanne Breit-Keßler schrieb viele Jahre die Kolumne "Im Vertrauen" für chrismon. Seit 2000 ist sie Regionalbischöfin des evangelischen Kirchenkreises München-Oberbayern und seit 2003 Ständige Vertreterin des bayerischen Landesbischofs. Ihre journalistische Ausbildung absolvierte sie bei der Süddeutschen Zeitung und beim Bayerischen Rundfunk. Mehrere Jahre sprach sie "Das Wort zum Sonntag" in der ARD und war bereits Autorin des chrismon-Vorläufers "Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt".

Blogs

Text:
Susanne Breit-Keßler
54 Beiträge

Essen und Trinken hält Leib und ­Seele zusammen. Und darüber Neues zu lesen, macht den Geist fit. Susanne Breit-Keßler wünscht Guten Appetit!

Text:
Claudius Grigat
25 Beiträge

Schön bunt ist das Familienleben, manchmal auch zu bunt. Geschichten aus dem turbulenten Alltag von Claudius Grigat

Text:
Johann Hinrich Claussen
119 Beiträge

Auch das Überflüssige ist lebens­notwendig: Der Autor und Theologe Johann Hinrich Claussen reist durch die Weiten von Kunst und Kultur

Text:
Franz Alt
84 Beiträge

„Lust auf Zukunft“ will unser Kolumnist Franz Alt vermitteln. Ob Energie, Politik, Gesellschaft, Familie oder Umwelt - überall ist der Wandel möglich und durch den Wandel eine bessere Welt für uns alle

Text:
Dominique Bielmeier, Dorothea Heintze, Anne Buhrfeind
28 Beiträge

Zwei Redaktionen, ein Blog: Dominique Bielmeier arbeitet bei der Sächsischen Zeitung in Dresden. Anne Buhrfeind und Dorothea Heintze bei chrismon in Frankfurt. Nun bloggen sie: Über ihren Redaktions-Austausch, ihr Leben als Ossi im Westen, ihr Leben als Wessi im Osten. Und ihren Alltag, hier wie dort.