Susanne Breit-Keßler über blumig-fernöstliche Würze

Blüten und Blätter im Essen
Susanne Breit-Keßler Blüten

Susanne Breit-Keßler

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Kronenwucherblume? Kein so super Name. Speisechrysantheme? Goldblume? Klingt besser. Ich ziehe aber eindeutig Shungiku vor - das mutet fernöstlich zart an, filigran und leicht. Shungiku, diese hübsche Blume, die man im eigenen Garten ziehen kann, kommt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum, wird aber hauptsächlich in Asien verwendet. Dort begleiten die frischen und aromatischen Blätter vor der Blüte rohen Fisch, Fischsuppe oder werden als Gemüse und in Reis- oder Nudelpfannen verzehrt. Sie sind vitamin-, carotin-, kalzium- und folsäurehaltig. Also potzgesund.

Man nimmt das Kraut bei Verdauungsbeschwerden, Magenschmerzen und Husten. Shungiku, die bezaubernde Speisechrysantheme, liefert auch kleine Blütenknospen. Die kommen in den kantonesischen „Chrysanthemen-Feuertopf“, eine Art Fondue mit selbstgemachter Hühnerbrühe, Fisch-, Schweine- und Rinderfilet, Roastbeef, Hummerkrabben, Pilzen, Paprika und Lauch. Im Chop Suey, einem herrlichen Gericht aus Gemüseresten und Nudeln, haben die Blütenknospen, nicht die Blüten!, auch einen würzigen Platz: blumig, herb, dunkel und eher scharf.

Aus alt mach neu

Wie das so ist mit uralten Gewächsen: Seit einiger Zeit wird Shungiku auch in westlichen Ländern wieder angebaut und als schicke Neuerung gefeiert. Man isst Blätter und Blütenknospen gedünstet oder roh und mischt sie mit anderen Salatpflanzen in Ingwer-Honig-Dressing. Ich finde Shungiku als Gemüse besonders fein. Zwiebeln in Olivenöl sanft golden dünsten, Speisechrysantheme dazugeben, etwas Crème Fraiche darunterrühren, kurz weiter dünsten, mit Salz, Chili und - wenn man mag - etwas Knoblauch würzen. Ich nehme lieber einen Hauch Thaibasilikum und Koriander.

Manche Menschen mögen Chrysanthemen gar nicht, vor allem, wenn sie weiß sind. Sie gelten als „Friedhofsblumen“. In der Bibel sind alle Blumen so: Hinweise auf die Vergänglichkeit jeden Lebens. Shungiku, die Goldblume, ist sonnig - ein asiatisches Sinnbild für unendliche Liebe und Ewigkeit, spirituell gesehen für Verwandlung, persönliche Weiterentwicklung und Erneuerung. Das passt hervorragend mit der Botschaft von einem Gott zusammen, der nicht allein Würze ins Leben bringt, sondern viel mehr noch die Hoffnung auf getroste Gegenwart und fröhliche Zukunft. Probieren Sie Shungiku!

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Über diesen Blog

Essen und Trinken hält Leib und ­Seele zusammen. Und darüber Neues zu lesen, macht den Geist fit. Susanne Breit-Keßler wünscht Guten Appetit!

Susanne Breit-Keßler
Susanne Breit-Keßler war bis 2019 Regionalbischöfin des evangelischen Kirchenkreises München-Oberbayern. Sie war Sprecherin vom "Das Wort zum Sonntag" und regelmäßige chrismon- Autorin. Außerdem ist sie Vorsitzende des Kuratoriums "7 Wochen Ohne" und Mitglied im Aufsichtsrat des GEP, dem Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik, in dem auch chrismon erscheint.

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