Susanne Breit-Keßler über bayerische Tellerkunst

Brez‘n Carpaccio
Susanne Breit-Keßler Carpaccio

Susanne Breit-Keßler

Weich, samtig, lecker: Dieses Brez‘n Rezept sollten Sie nicht ausschlagen

Susanne Breit-Keßler Carpaccio

Alte Brez‘n mögen es weich und samtig

Carpaccio gab es schon im 15. Jahrhundert. Sein Vorname war Vittorio. Vittorio Carpaccio, eigentlich Scarpazo, stammte aus einer venezianischen Leder- und Kürschnerfamilie. Der Sohnemann malte lieber, als Pelzmode zu schneidern. Er spielte in seinen erfolgreichen Bildern phantasievoll mit Licht und verschiedenen Rottönen. Diese Vorliebe machte ihn rund 450 Jahre später etwas überraschend zum Namensgeber einer Vorspeise in der feinen italienischen Küche: Hauchdünn geschnittene, rohe Rinderlende mit einer kalten Mayonnaise aus Olivenöl, Eigelb, Weißweinessig, Kapern, Worcestershiresauce, Zitronensaft, Salz, weißem Pfeffer und  Milch.

Giuseppe Cipriani, der Besitzer von Harry’s Bar in Venedig, „designte“ das Gericht für eine adlige Stammkundin. Der Arzt hatte ihr empfohlen, kein gegartes Fleisch mehr zu essen. Cipriani benannte seine luxuriöse Kreation Rot-Weiß nach Carpaccio, dem Maler.

Vielleicht hat die Dame einen Bellini dazu getrunken. Den hatte Cipriani nämlich auch schon erfunden. Den Bellini, der seinen Namen ebenfalls von einem Künstler hat, würde ich nehmen. Auf rohes Fleisch kann ich verzichten. Ich habe eine bayerische Alternative. Nicht so filigran und elegant, dafür preiswert und vegetarisch: Brez‘n-Carpaccio mit einer Schnittlauch-Radieschen-Sauce. Letztere ist hurtig gemacht.

Rolle vorwärts

Saure Sahne und Crème fraiche zu gleichen Teilen, etwas Zitronenschale und Muskatnuss, dazu Schnittlauchröllchen und geraspelte Radieschen, Salz und Pfeffer. Alles leicht im Topf erwärmt. Für das Carpaccio nehme ich alte, aber  keine harten Brez‘n, weiche sie in Eiermilch ein, gebe fein geschnittene und gedünstete Zwiebel, Petersilie, Salz, Pfeffer und Muskatnuss dazu. Die Masse forme ich zu einer Rolle und wickle sie fest in ein Passier- oder anderes Küchentuch ein. Gut zusammenbinden! Lieber mehr kleine Tücher nehmen oder ein größeres in Abständen einschnüren, damit die Rolle nicht auseinander fällt. Etwa 20 Minuten in heißem, simmernden Wasser gar werden lassen. Aufschneiden und hübsch anrichten.

Ich weiß nicht, was Ihr Arzt oder Apotheker empfiehlt. Oder welcher Künstler seinen Namen für dieses Gericht hergeben würde. Aber dieses Rezept ist ein Angebot, das Sie nicht ausschlagen sollten ....

Vom Blog zum Buch:
Sie wollen mehr lesen? Dann gibt es jetzt das Buch dazu von Susanne Breit-Keßler

 "Prost Mahlzeit!".  Für gute Laune beim Kochen, mit vielen Rezepten, Kolumnen und Illustrationen. edition chrismon, 144 SeitenPR

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.

Über diesen Blog

Essen und Trinken hält Leib und ­Seele zusammen. Und darüber Neues zu lesen, macht den Geist fit. Susanne Breit-Keßler wünscht Guten Appetit!

Susanne Breit-Keßler
Susanne Breit-Keßler war bis 2019 Regionalbischöfin des evangelischen Kirchenkreises München-Oberbayern. Sie war Sprecherin vom "Das Wort zum Sonntag" und regelmäßige chrismon- Autorin. Außerdem ist sie Vorsitzende des Kuratoriums "7 Wochen Ohne" und Mitglied im Aufsichtsrat des GEP, dem Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik, in dem auch chrismon erscheint.

Blogs auf chrismon.de

Hier finden Sie eine Übersicht aller Blogs auf chrismon.de
Und hier können Sie alle Blogs direkt abonnieren

Blogs

Text:
Franz Alt
162 Beiträge

„Lust auf Zukunft“ will unser Kolumnist Franz Alt vermitteln. Ob Energie, Politik, Gesellschaft, Familie oder Umwelt - überall ist der Wandel möglich und durch den Wandel eine bessere Welt für uns alle

Text:
Johann Hinrich Claussen
200 Beiträge

Auch das Überflüssige ist lebens­notwendig: Der Autor und Theologe Johann Hinrich Claussen reist durch die Weiten von Kunst und Kultur

Text:
Susanne Breit-Keßler
127 Beiträge

Essen und Trinken hält Leib und ­Seele zusammen. Und darüber Neues zu lesen, macht den Geist fit. Susanne Breit-Keßler wünscht Guten Appetit!

Text:
11 Beiträge

Dorothea Heintze lebt in einer Baugemeinschaft in Hamburg und weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer das eigene Wohnglück zu finden ist.

Text:
Hanna Lucassen
26 Beiträge

Schwester, Schwester! Hanna Lucassen erzählt von Streiks, Spritzen und Sonntagsdiensten.