Susanne Breit-Keßler über Alkohol im Advent

Verlockende Exotik
Punsch im Glas mit Zimt

Susanne Breit-Keßler

Punsch im Glas mit Zimtstange

Punsch

Im Advent, der eigentlich eine Fastenzeit ist, wird gerne gegessen. Und getrunken. Bei Weihnachtsfeiern kippen Chefs und Mitarbeitende munter die angebotenen kostenlosen Getränke in sich hinein. Manchmal mit verwirrenden Folgen. Man sagt Du zueinander oder Schlimmeres. Und bereut nach den Feiertagen düstere Erinnerungslücken, die man selbst mit einem unübersichtlichen Mix aus Bier, Rotwein, Eggnogg und Ouzo erzeugt hat.

Auf Christkindlmärkten stehen Menschen an Tresen gelehnt - an den Füßen frierend, oben mit einem roten Kopf vom zuckrigen Punsch. Sie gießen die angebotenen, diesmal nicht kostengünstigen Getränke unbekümmert in sich hinein. Die Devise: „Das bisschen, das ich esse, kann ich auch trinken“ stimmt nicht recht. Denn es ist kein gezechtes „bisschen“, sondern es handelt sich häufig um Getränke mit einem erheblichen kalorischen Gegenwert. 

Verlockende Exotik

Bei einem Aufenthalt in Tirol besuchte ich jüngst einen Kurs über Wintergetränke. Denn ja, ich liebe solche Märkte und manchmal auch Weihnachtsfeiern. Also war ich aufmerksam, als eine charmante Sommelière uns mahnte, mit Alkohol und Zucker vorsichtig zu sein und uns stattdessen leichten Getränken zuzuwenden. Wir zauberten einen Punsch aus Traubensaft mit Zimt, Sternanis, Gewürznelken, Kardamom und Orangenzesten.

Es gab Chai-Tee aus Wasser, Mandelmilch, Teeblättern, Ingwer, Fenchel, Anis und den schon genannten Gewürzen. Wir tranken Ingwertee mit Minze, Honig und Zitrone. Die „Goldene Milch“ aus Milch, Kurkuma, Ingwer, Pfeffer, Zimt, Kokosöl, Muskatnuss, Datteln und Agavendicksaft brachte adventliche Exotik in den Raum und wohliges Vergnügen in die Mägen. Ja: Wir lernten auch, klassischen Glühwein aus Rot-, Rosé- oder Weißwein zuzubereiten und einen Punsch mit Alkohol zu kreieren. Eine erfreuliche Ergänzung.

Aber eins wurde klar: Wenn mit Prozenten, dann nimmt man guten Wein und keinen billigen Fusel. Das sollte man sich selber wert sein. Ich erinnerte mich an einen Bibelvers: „Seid nüchtern und wacht, denn Euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge“ (1. Petrus 5,8). Damit man sich nicht selbst zum Feind wird, brüllendes Kopfweh oder böse Blackouts kriegt, sollte man besser schauen, was man so alles verschlingt. Prinzipiell. Und im Advent. Salute!

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.

Über diesen Blog

Essen und Trinken hält Leib und ­Seele zusammen. Und darüber Neues zu lesen, macht den Geist fit. Susanne Breit-Keßler wünscht Guten Appetit!

Susanne Breit-Keßler
Susanne Breit-Keßler war bis 2019 Regionalbischöfin des evangelischen Kirchenkreises München-Oberbayern. Sie war Sprecherin vom "Das Wort zum Sonntag" und regelmäßige chrismon- Autorin. Außerdem ist sie Vorsitzende des Kuratoriums "7 Wochen Ohne" und Mitglied im Aufsichtsrat des GEP, dem Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik, in dem auch chrismon erscheint.

Blogs auf chrismon.de

Hier finden Sie eine Übersicht aller Blogs auf chrismon.de

Blogs

Text:
Susanne Breit-Keßler
94 Beiträge

Essen und Trinken hält Leib und ­Seele zusammen. Und darüber Neues zu lesen, macht den Geist fit. Susanne Breit-Keßler wünscht Guten Appetit!

Text:
Johann Hinrich Claussen
166 Beiträge

Auch das Überflüssige ist lebens­notwendig: Der Autor und Theologe Johann Hinrich Claussen reist durch die Weiten von Kunst und Kultur

Text:
Franz Alt
127 Beiträge

„Lust auf Zukunft“ will unser Kolumnist Franz Alt vermitteln. Ob Energie, Politik, Gesellschaft, Familie oder Umwelt - überall ist der Wandel möglich und durch den Wandel eine bessere Welt für uns alle

Text:
Hanna Lucassen
13 Beiträge

Schwester, Schwester! Hanna Lucassen erzählt von Streiks, Spritzen und Sonntagsdiensten.