Susanne Breit-Keßler testet Dosa Masala

Susanne Breit-Keßler testet Dosa Masala
Klein beigeben gilt nicht
Indisches Frühstück: Susanne Breit-Keßler schmeckt es

Susanne Breit-Keßler

Indisches Frühstück: Susanne Breit-Keßler schmeckt es

Indisches Frühstück: Susanne Breit-Keßler schmeckt es

„Alles Gute“ sagt mein Mann zu mir. Will er abreisen? Sich scheiden lassen? Beides ziemlich unwahrscheinlich. Zum einen sind wir in Urlaub und er möchte bestimmt nicht nach Hause. Zum anderen haben wir gerade den 21. Hochzeitstag gefeiert. Da hat er ganz fidel gewirkt. Nein, jetzt kapiere ich es: Sein Wunsch bezieht sich auf mein Frühstück. Ich muss immer alles ausprobieren und habe deswegen im Hotel „Dosa Masala“ bestellt. Wie mir die Bedienung versichert, das beliebteste indische Frühstück.

„You like spicy?“

Ich bekomme einen knusprigen Reis- und Linsenpfannkuchen, gefüllt mit Kartoffelcurry. Dazu ein paar Chutneys: Tomate, Kokosnuss und Koriander. Ein Schüsselchen scharfes Gemüse ist auch mit dabei. „You like spicy?“ fragt die Bedienung. Danach hätte sie sich mal vorher erkundigen können. Jetzt steht das Essen auf dem Tisch. Und ich habe nicht nur gelernt, dass man isst, was man sich ausgesucht hat. Ich ziehe außerdem durch, was ich angefangen habe. Egal, worum es geht. Zurückgeben ist also nicht.

Räuspern hat nichts zu sagen

Mein Mann verdrückt Eggs Benedict, harmlos pochierte Eier auf Toast mit Sauce Hollandaise. Ich hingegen widme mich hingebungsvoll dem südindischen Frühstück. Eine gewisse Grundschärfe ist nicht zu verleugnen, die ich souverän mit grünem Tee und Wassermelonensaft überspiele. Zumal ich unter Beobachtung stehe. Der meines besorgten Gatten und sämtlicher indischer, pakistanischer und nepalesischer Servicekräfte. Schaut nur alle. Ich werde keinen Grund für Heiterkeit geben. Jedenfalls nicht beim Essen.

Man eilt zum Abräumen an unseren Tisch. „You liked it Madam?“ wird mit feinem, wissenden Lächeln gefragt. „Everything was fine, yes, thank you very much“. Na wartet! Morgen esse ich Idli, Aloo paratha oder Uttapam. Was auch immer das ist, was da noch auf der Speisekarte steht. Neugierig, wie ich bin, muss ich es in Erfahrung bringen - koste es, was es wolle.  Jetzt erst recht. Alles Gute? Ja, alles ist gut. Hrrrrgghh. Das bisschen Räuspern merkt kein Mensch.

 

 




 

 

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Über diesen Blog

Essen und Trinken hält Leib und ­Seele zusammen. Und darüber Neues zu lesen, macht den Geist fit. Susanne Breit-Keßler wünscht Guten Appetit!

Susanne Breit-Keßler
Susanne Breit-Keßler ist Autorin der Webkolumne "Mahlzeit". Viele Jahre schrieb sie die Kolumne "Im Vertrauen" für chrismon. Bis 2019 war sie Regionalbischöfin des evangelischen Kirchenkreises München-Oberbayern. Ihre journalistische Ausbildung absolvierte sie bei der Süddeutschen Zeitung und beim Bayerischen Rundfunk. Mehrere Jahre sprach sie "Das Wort zum Sonntag" in der ARD. Sie war bereits Autorin des chrismon-Vorläufers "Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt". Susanne Breit-Keßler ist zudem Vorsitzende des Kuratoriums "7 Wochen Ohne" und Mitglied im Aufsichtsrat des GEP, dem Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik, in dem auch chrismon erscheint.

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Zwei Redaktionen, ein Blog: Dominique Bielmeier arbeitet bei der Sächsischen Zeitung in Dresden. Anne Buhrfeind und Dorothea Heintze bei chrismon in Frankfurt. Nun bloggen sie: Über ihren Redaktions-Austausch, ihr Leben als Ossi im Westen, ihr Leben als Wessi im Osten. Und ihren Alltag, hier wie dort.