Müsli in der Reha: Susanne Breit-Keßler lernt den Haferbrei schätzen.

Gesundes Verpackungsmaterial
Schöne Müslischale in der Reha

Susanne Breit-Kessler

Sieht nicht nur hübsch aus - sondern schmeckt. Und hilft: Das Frühstücksmüsli

Susanne Breit-Kessler - Muesli in der Reha

Eigentlich mag ich überhaupt kein Müsli - doch jetzt in der Reha lerne ich die Vorteile schätzen. Perfekt, um Medikamente gut zu vertragen. Und dann schmeckt es auch noch gut.

Eigentlich hasse ich Müsli. Ich hasse schon alle Worte, denen ein putziges Diminutiv angehängt wird: Leckerli, Sektchen, Käffchen, Hundchen, Keksli und was es dergleichen mehr gibt. Entweder etwas ist eine Köstlichkeit, ein anständiger Keks, ein richtiger Hund, eine gute Tasse Kaffee oder ein schönes Glas Sekt. Wenn etwas verkleinert, verniedlicht wird, werde ich stutzig. Sollen hier Tatsachen verharmlost oder gar verborgen werden? Zurück zum Müsli, dem kleinen Mus oder Mues.

Es ist für mich der Inbegriff des Vernünftigen - ein Sinnbild aus Haferflocken, Getreide, Obst, Trockenfrüchten und Milch. Ein rationales Pflichtprogramm, das den Magen vollstopft. Danach geht kein (Frisch-)Käse mehr rein, kein Ei oder sonst was herrlich Herzhaftes. Schlimmer: Das Ganze „hält vor“.  Düstere Pädagogik, denn das heißt nichts anderes, dass Menschen wie ich ewig warten müssen, bis sie endlich wieder was richtig Gutes essen können, nachdem sie sich den Magen mit Müsli zugekleistert haben.

Himbeereis und Rock’n’Roll

In mir leben die Rote Zora, Ronja, die Räubertochter und Pippi Langstrumpf, ausgelassene Trägerin von Ringelstrumpfhosen. Sie essen manchmal Fisch, Kirschen oder Sahnetorte zum Frühstück. Aber Müsli? Meine Freunde kennen einen meiner Lieblingssongs: „Himbeereis zum Fühstück, Rock’n’Roll Roll im Fahrstuhl“! Ich brüskiere damit Ernährungsfachleute, schlanke Dandys, attraktive Mädels, herzensgute Gesundheitsapostel und solche, die das Zeug einfach mögen. Hier, Freunde, kommt meine Entschuldigung.

Ich bin noch immer in der  „Anschlussheilbehandlung“. Rock’n’Roll ist nicht, eher manchmal Blues. Musste und muss allerlei Tabletten nehmen. Schmeckt nicht, fordert den Magen heraus. Aber da kommt Müsli mit viel saftigen Rosinen drin. Ahornsirup, über Nacht eingeweichte Haferflocken, Nüsse, die nicht in atomaren Staub zerfallen. Medikamente lassen sich darin prima einwickeln, runterschlucken und „vertragen“. Ich habe endlich verstanden: Müsli ist Verpackungsmaterial. Dafür schmeckt es erstaunlich  gut.

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Über diesen Blog

Essen und Trinken hält Leib und ­Seele zusammen. Und darüber Neues zu lesen, macht den Geist fit. Susanne Breit-Keßler wünscht Guten Appetit!

Susanne Breit-Keßler
Susanne Breit-Keßler war bis 2019 Regionalbischöfin des evangelischen Kirchenkreises München-Oberbayern. Sie war Sprecherin vom "Das Wort zum Sonntag" und regelmäßige chrismon- Autorin. Außerdem ist sie Vorsitzende des Kuratoriums "7 Wochen Ohne" und Mitglied im Aufsichtsrat des GEP, dem Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik, in dem auch chrismon erscheint.

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