Wie man die alte Kunst des Christentums für die Gegenwart aufschließt, zeigt Johann Hinrich Claussen

Kunst-Andacht in Berlin – und auf Youtube
hans holbein, auferstehung

Städel Museum, Frankfurt am Main

Wer etwas Abstand sucht zu den Krisen und Aufgeregtheiten der Gegenwart, wer etwas wirklich Schönes erleben und dabei seinen Horizont erweitern möchte, wer sich besinnen und vertiefen will, dem sei diese Serie von Youtube-Clips ans Herz gelegt.

Seit einigen Jahren habe ich das Glück, einer nordamerikanisch-britischen Forschungsgruppe anzugehören, die sich mit dem Verhältnis von Kunst und Christentum beschäftigt. Dadurch konnte ich Teil eines sehr feinen Projekts werden, das Bibel und Kunst neu in einen Dialog verwickelt: die Website „The Visual Commentary on Scripture“. (Sehr nützlich für Menschen, die sich auf eine Predigt oder eine Stunde Religionsunterricht vorbereiten müssen. Für alle anderen eine reine Freude.)

Nun haben zwei Hauptprotagonisten dieser Gruppe etwas hinzugefügt, das mir ebenfalls sehr gut gefällt. Da ich ein so guter Mensch bin, lasse nun andere daran teilhaben. Die Kunsthistorikerin Jennifer Sliwka und der Theologe Ben Quash vom King’s College in London sind mehrfach nach Berlin gefahren und haben das Bode-Museum und die Gemäldegalerie besucht. Zu den wichtigsten Themen der Geschichte Jesu Christi haben sie kostbare Kunstwerke ausgewählt, die auf viele Zeitgenossen aber erst einmal unverständlich wirken müssen. Deshalb haben die beiden fünfzehn jeweils etwa fünf Minuten lange Clips gedreht, in denen sie die Bilder und ihre Bedeutungen erklären. Sie machen es so, dass man als Deutscher viel lernen kann. Also nicht (wie es bei uns eine Unart ist) gelehrt, belehrend, ausführlich, kompliziert, korrekt, öde. Sondern gebildet, geistreich, auf den Punkt, elegant, freundlich, einladend und mit einer höflich bemessenen Prise Frömmigkeit.

Ich habe mir diese Clips immer mal wieder morgens zu meiner Bildung und Erbauung angeschaut und werde bald das Bode-Museum und die Gemäldegalerie besuchen, um mir die besprochenen Bilder „in echt“ anzuschauen. Das mag ein Weg sich sein, sich die eigene, längst fremd gewordene Tradition neu anzueignen.

P.S.: Das Bild oben stammt nicht aus einem Berliner Museum, sondern aus dem Städel in Frankfurt am Main. Dort ist man auf andere Weise fortschrittlich: Sehr viele Bilder der Sammlung kann online betrachten und kostenfrei nutzen. Vielen Dank!

P.P.S.: Im Deutschlandfunk durfte ich ein Gespräch über die Erregungen unserer Zeit führen – und wie man mit ihnen umgehen könnte. Wen’s interessiert, klicke hier.

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Auch das Überflüssige ist lebens­notwendig: Der Autor und Theologe Johann Hinrich Claussen reist durch die Weiten von Kunst und Kultur

Johann Hinrich Claussen
Johann Hinrich Claussen ist Kulturbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland. Das heißt, er kümmert sich um das Gespräch zwischen Kirche und Kultur.

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