Johann Hinrich Claussen über religiöse Orte

Seltsam, sehr seltsam
orte.jpg

jhc

Es ist Zeit für eine neue Reiseliteratur. Wenn Corona Fernreisen verhindert, sollte man sich lesend aufmachen, um andere Welte zu entdecken.

Ein wohlmeinender Freund und Kollege wies mich vor einiger Zeit darauf hin, ich möge doch bitte nicht so häufig erklären, dass mir meine Arbeit und gegenwärtige Aufgabe Freude bereite. Das könnte Misstrauen auslösen. Da ich auf vernünftige Ratschläge immer höre, befleißige ich mich seither als männliches Klageweib, seufze und stöhne unter meiner drückenden Arbeitslast, dass es eine Art hat und dem Betriebsfrieden gedient ist.

Doch jetzt möchte ich davon eine kurze Pause machen und von einem Buch berichten, das ich wirklich gern geschrieben habe und das anderen hoffentlich Lesefreuden beschert. Es handelt von den seltsamsten Orten der Religionen. Weit bin ich vom Schreibtisch aus recherchierend herumgereist, habe aber auch Orte in meiner Nähe entdeckt. So erzähle ich von der inoffiziellen Heiligen der argentinischen Lastwagenfahrer, einem alten Druidenbaum in Belgien, den allergrößten Pilgerfahrten der Weltgeschichte, dem Religionskonflikt auf dem höchsten Berg der Erde (dem Mauna Kea), zerstörten Kirchen und Schreinen, dem Tierfriedhof von Hamburg-Jenfeld, einem japanischen Tempelgarten mit über 100 Moos-Sorten – insgesamt 39 ziemlich seltsamen, d.h. erstaunlichen, befremdlichen, bewegenden, beängstigenden, anrührenden religiösen Orten. Im Studium der evangelischen Theologe hatte ich nicht gelernt, wie viel religiöse Kraft in einem Ort stecken kann, nun erahne ich es. Die Welt ist voller Religion, ob es einem gefällt oder nicht. Man muss sich nur neugierig umschauen.

Eine besondere Freude würde es mir bereiten, wenn nicht nur viele Menschen dieses Buch lesen, sondern mir nach Beendigung der Lektüre mitteilen würden, welcher Ort denn bei mir gefehlt hat – was nämlich ihr religiöser Ort ist. Denn ich wollte ein Buch schreiben, das nicht zu Ende ist, wenn man die letzte Seite gelesen hat.

Infobox

Claussen, Johann Hinrich: Die seltsamsten Orte der Religionen. Von versteckten Kirchen, magischen Bäumen und verbotenen Schreinen. 2020, 239 S. mit 20 Illustrationen, C.H.BECK. ISBN 978-3-406-75598-9, 20 Euro

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.

Über diesen Blog

Auch das Überflüssige ist lebens­notwendig: Der Autor und Theologe Johann Hinrich Claussen reist durch die Weiten von Kunst und Kultur

Johann Hinrich Claussen
Johann Hinrich Claussen ist Kulturbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland. Das heißt, er kümmert sich um das Gespräch zwischen Kirche und Kultur.

Blogs auf chrismon.de

Hier finden Sie eine Übersicht aller Blogs auf chrismon.de
Und hier können Sie alle Blogs direkt abonnieren

Blogs

Text:
Susanne Breit-Keßler
133 Beiträge

Essen und Trinken hält Leib und ­Seele zusammen. Und darüber Neues zu lesen, macht den Geist fit. Susanne Breit-Keßler wünscht Guten Appetit!

Text:
Franz Alt
172 Beiträge

„Lust auf Zukunft“ will unser Kolumnist Franz Alt vermitteln. Ob Energie, Politik, Gesellschaft, Familie oder Umwelt - überall ist der Wandel möglich und durch den Wandel eine bessere Welt für uns alle

Text:
Johann Hinrich Claussen
208 Beiträge

Auch das Überflüssige ist lebens­notwendig: Der Autor und Theologe Johann Hinrich Claussen reist durch die Weiten von Kunst und Kultur

Text:
21 Beiträge

Dorothea Heintze lebt in einer Baugemeinschaft in Hamburg und weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer das eigene Wohnglück zu finden ist.

Text:
Hanna Lucassen
32 Beiträge

Schwester, Schwester! Hanna Lucassen erzählt von Streiks, Spritzen und Sonntagsdiensten.

Text:
Susanne Breit-Keßler
31 Beiträge

Fußball ist ihr Leben - sagt die ehemalige Regionalbischöfin und Schiedsrichtertochter Susanne Breit-Keßler. Und da der Ball rund ist und das zugehörige Spiel mindestens die wichtigste Nebensache der Welt, schreibt sie - wie schon bei der EM 2016 und der WM 2018 - wieder auf, was sie während der EM 2021 bewegt.