Johann Hinrich Claussen über Paul Gerhardt

Ein Lied, das wir bitter nötig haben
engel der geduld

philine claussen

Wozu hat man Freunde? Unter anderem dafür, dass sie einen auf Unbekanntes aufmerksam machen, das ein unbedingt etwas angeht, ohne dass man es geahnt hätte. So hat ein Freund mir vor kurzem ein Lied gezeigt, von dem ich noch nie gehört hatte und das doch in unsere Zeit passt wie kein anderes.

Immer noch können wir nicht singen in den Gottesdiensten. Das gibt die Gelegenheit, Lieder zu bedenken und innerlich zu summen, die nicht im Gesangbuch stehen. Mein gegenwärtiges Lieblingslied steht nirgendwo, obwohl immerhin Paul Gerhardt, der größte evangelische Liederdichter, es verfasst hat. Dabei könnte man es problemlos zur Melodie des bekannten Adventsliedes „Mit Ernst, o Menschenkinder“ singen. Es passt wie kein anderer Choral in unsere Zeit. Hier meine Lieblingsstrophen:

 Geduld ist euch vonnöten,

Wann Sorge, Gram und Leid,

Und was euch mehr will töten,

Euch in das Herze schneidt,

O auserwählte Schar!

Soll euch kein Tod nicht töten,

Ist euch Geduld vonnöten:

Das sag ich noch einmal.

 

Geduld ist Fleisch und Blute

Ein herbes, bittres Kraut;

Wenn unsers Kreuzes Rute

Uns nur ein wenig draut,

Erschrickt der zarte Sinn.

Im Glück ist er verwegen,

Kommt aber Sturm und Regen,

Fällt Herz und Mut dahin.

 

Geduld erhält das Leben,

Vermehrt der Jahre Zahl,

Vertreibt und dämpft darneben

Manch Angst und Herzensqual;

       Ist wie ein schönes Licht,

Davon, wer an ihr hanget,

Mit Gottes Hilf erlanget

Ein fröhlichs Angesicht.

 

P.S.: „Für einen Freien, nicht Politischen Islam“. Darüber spreche ich in einer neuen Folge meines Podcasts mit der Berliner Menschenrechtsaktivistin und Moschee-Mitbegründerin Seyran Ateş. Man kann sie über die Website von reflab.ch hören.

P.P.S.: Und für den NDR habe ich in einem Radio-Essay erzählt, wie uns die Archäologie hilft, den Glauben der frühen Christen besser zu verstehen.

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Johann Hinrich Claussen
Johann Hinrich Claussen ist Kulturbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland. Das heißt, er kümmert sich um das Gespräch zwischen Kirche und Kultur.

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