Johann Hinrich Claussen über eine Fontane-Lesung

Fontane im Bundeskanzleramt
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privat

Um mein trübes Leben etwas aufzuhellen, bin ich am Mittwochabend dankbar einer Einladung ins Bundeskanzleramt gefolgt. Dort gab es eine Fontane-Lesung. Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Monika Grütters, begrüßte, dann lasen Maren Eggert und Alexander Khuon Gedichte, Briefe und Prosa des wichtigsten Jubilars dieses Jahres, die die Dramaturgin Anika Steinhoff ausgewählt hatte.

Wie schön das war, wie gut das tat, so viel Geistreiches, Schönes, Witziges, Anrührendes zu hören – und dann noch so wunderbar gelesen. So wurde das Bundeskanzleramt für diesen Abend zu einem Haus der Literatur. Wobei nicht verschwiegen wurde, warum Fontane – so viel er in seinem Leben auch politisch geirrt haben mochte – sympathischerweise nie zu einem Staatskünstler taugte: zu viel Freiheitslust, zu wenig Anpassungsbereitschaft.

Ein Gedicht jedoch, das unserem aufgewühlten Land heute und manchem Politiker besonders guttäte, fehlte. Hier sei es nachgereicht:

Erscheint dir etwas unerhört,

Bist du tiefsten Herzens empört,

Bäume nicht auf, versuch's nicht mit Streit,

Berühr es nicht, überlass es der Zeit.

Am ersten Tage wirst du feige dich schelten,

Am zweiten lässt du dein Schweigen schon gelten,

Am dritten hast du's überwunden,

Alles ist wichtig nur auf Stunden,

Ärger ist Zehrer und Lebensvergifter,

Zeit ist Balsam und Friedensstifter.

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Johann Hinrich Claussen ist Kulturbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland. Das heißt, er kümmert sich um das Gespräch zwischen Kirche und Kultur.

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