Johann Hinrich Claussen über eine Ausstellung in Bamberg

Johann Hinrich Claussen über eine Ausstellung in Bamberg
Der Funke Gottes – mitten in Franken
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diözesanmuseum bamberg

In Bamberg steht ein weltberühmter Dom. Gleich daneben befindet sich ein Diözesanmuseum, das die wunderbarsten - und für einen Protestanten wie mich erstaunlichsten katholischen - Schätze birgt. Nun haben die Kuratoren Alexander Ochs und Holger Kempkens Werke zeitgenössischer Kunst mitten in diese Wunderkammer hineingesetzt. „Der Funke Gottes“ heißt die Ausstellung, die bis zum 10. November zu sehen ist. Und es ist zum Staunen, wie hier die Funken zwischen dem Alten und dem Neuen, dem Sakralen und dem Modernen hin- und herfliegen.

Damit die ganze Stadt von dieser Ausstellung erfährt, hat der Berliner Künstler Via Lewandowsky eine Lichtinstallation zwischen die Türme des Doms gesetzt. Sie besteht aus vier leuchtenden Buchstaben, von denen einer allerdings beständig an- und ausgeht: „Good“ oder „God“, denn das zweite O hat einen künstlerischen Wackelkontakt. So leuchtet nun des Nachts eine Frage über die Stadt: Ist Gott nun gut oder etwa nicht?

Wir vom Kulturbüro der Evangelischen Kirche haben zu dieser Ausstellung einen Beitrag geleistet. Zwölf Lyrikerinnen und Lyriker haben wir gebeten, zu einem Kunstwerk eigener Wahl ein Gedicht zu schreiben. So sind eindrucksvolle Gedichte entstanden. Dieses hier hat Uwe Kolbe zu Lewandowskys Installation geschrieben.

 

Das Seufzen der Mütter

 

Im Himmel, an einer der Säulen

das Zählwerk, ewiger rastloser Dreh.

Neulinge fragen nach dem Zweck,

obwohl es gut zu hören ist,

das Seufzen der Mütter der Welt

in jeder der Menschensprachen:

Guter, grundgütiger Gott!

Hier werden gezählt die unzähligen

Seufzer der Mütter.

 

Zu seufzen, hilft über den Tag und

durch Nächte. Den sie ansprechen,

kann aber nicht auf, sein Antlitz,

das sie deutlich sehen, ist schön,

doch verschlossen, weist wenig.

Der Schöpfer schweigt und schaut

sein Werk, der Allbeweger

hört nicht auf das Seufzen,

die Mütter helfen sich selbst.

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Auch das Überflüssige ist lebens­notwendig: Der Autor und Theologe Johann Hinrich Claussen reist durch die Weiten von Kunst und Kultur

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Johann Hinrich Claussen ist Kulturbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland. Das heißt, er kümmert sich um das Gespräch zwischen Kirche und Kultur.

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Zwei Redaktionen, ein Blog: Dominique Bielmeier arbeitet bei der Sächsischen Zeitung in Dresden. Anne Buhrfeind und Dorothea Heintze bei chrismon in Frankfurt. Nun bloggen sie: Über ihren Redaktions-Austausch, ihr Leben als Ossi im Westen, ihr Leben als Wessi im Osten. Und ihren Alltag, hier wie dort.