Johann Hinrich Claussen über digitale Kommunikation

#anstanddigital
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jhc

Im Internet, in Kommentarspalten und sozialen Netzwerken wird geschimpft, gepöbelt, beleidigt, gedroht, gehetzt. So hört und liest man es überall, auch im Internet. Doch was kann man dagegen tun?

Kurz vor Weihnachten haben wir vom Kulturbüro der Evangelischen Kirche in Deutschland gemeinsam mit der Katholischen Akademie zu Berlin eine kleine Freundlichkeitsinitiative gestartet. Modisch-altmodisch haben wir sie #anstanddigital genannt. Natürlich gibt es auch eine Website, auf der wir Vorschläge sammeln für Regeln, Kriterien, Verhaltensformen, gute Erfahrungen. Was geht und was geht nicht? Wir freuen uns über den digitalen Anstand fördernde Anregungen aller Art. Wer etwas beizutragen hat, klicke hier. Bitte! – Danke! (So viel Zeit muss sein.)

Kurz vor Weihnachten hatten wir eine Auftaktveranstaltung mit Kulturstaatsministerin Monika Grütters und interessanten Gästen, unter anderem einer Vertreterin von diesem Gesichtsbuch. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ausgerechnet der Beitrag des Jüngsten. Der Youtuber Marvin Neumann erklärte uns Älteren, wie es gehen könnte:

  1. Wer im Netz aktiv ist, muss Vorbild sein, also anderen höflich und mit Respekt begegnen.
  2. Auch für digitale Gemeinschaften müssen Regeln festgesetzt und für deren Beachtung gesorgt werden.
  3. An der Pflege und Weiterentwicklung dieser Regeln ist die Community zu beteiligen.
  4. Das muss man wiederholen und wiederholen und dabei nicht müde werden oder den Humor verlieren.

Beim Zuhören musste ich lächeln. Denn das sind Regeln, die seit Urzeiten die Grundlage für die Arbeit guter Lehrer bilden. Aber wer sagt denn, dass in Zeiten digitaler Innovationsexplosionen und kommunikativer Disruptionen alles neu erfunden werden muss?

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Lesermeinungen

Die digitale Kommunikation ist ein Spiegelbild eines Teiles der Gesellschaft. Die Sprache verroht immer mehr. Ein großer Teil des nationalen Wertekanons vergleicht sich mit den globalen Umgangsformen. Alle treffen sich im kleinsten gemeinsamen Nenner. Kulturell folgt diese Entwicklung (Kleidung, Mode, Sprache, Musik, Kunst, Religionen) schon seit Jahrzehnten den globalen Gesetzen. Bestes Beispiel bei uns der Antisemitismus. Er galt als nahezu ausgestorben, als nicht mehr gesellschaftsfähig. Aus Überzeugung war er selbst in intimen familiären Gesprächen tabu. Warum hat sich das geändert? Weil zu uns aus fremden vorderasiatischen Kulturen andere Wertvorstellungen und der politische Antisemitismus importiert und dann in dem Milieu verbreitet wurden. Haben Sie schon mal versucht, einem früh verzogenen Kind im Alter wieder Manieren beizubringen? Hinzu kommt die Macht der sozialen Netzwerke, die besonders die „überzeugen“, die mangels tieferer Kenntnis leicht polemisch überzeugbar sind. Der Gleichaltrige ist überzeugender als der Alte. Fatal ist besonders, dass durch diese Insiderüberzeugungen die Einflüsse von Familie und Schulen ausgehebelt werden. Eine Umerziehung wird nicht gelingen. Sie können das Rad nicht zurückdrehen.

Über diesen Blog

Auch das Überflüssige ist lebens­notwendig: Der Autor und Theologe Johann Hinrich Claussen reist durch die Weiten von Kunst und Kultur

Johann Hinrich Claussen
Johann Hinrich Claussen ist Kulturbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland. Das heißt, er kümmert sich um das Gespräch zwischen Kirche und Kultur.

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