Johann Hinrich Claussen über die USA

Johann Hinrich Claussen über die USA
Mit der Trump-Jugend im Museum
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Foto: privat

Vor kurzem bin ich den USA gewesen und habe in Washington diese ungeheuer beeindruckenden neuen Museen besucht: das Museum für afroamerikanische Geschichte und das Holocaust-Museum. Was mich aber nachhaltig verstört hat, waren all die vielen Jugendlichen, die aus dem ganzen Land in die Hauptstadt gereist waren und nun mit roten „Make America Great Again“-Kappen, Jacken und T-Shirts durch die Säle gingen – vorbei an Exponaten, Bildern und Tafeln, die zeigen, wozu Rassismus und „white suprematism“ führen können. Ich hatte ständig den Impuls, sie zu schütteln, habe es aber sein lassen.

Auf der Rückfahrt zum Flughafen lernte ich einen amerikanischen Pastor kennen. Er erzählte mir, dass endlich das Thema „spiritual abuse“ öffentlich würde. Denn Missbrauch in den Kirchen geschehe nicht nur in der Gestalt von sexualisierter Gewalt, sondern auch sehr oft als Manipulation, Beschämung, emotionale Unterdrückung, Gehirnwäsche. Gerade im Mittleren Westen und im Süden der USA komme hier gegenwärtig einiges Furchtbares ans Licht. Deshalb bilde sich gerade eine neue Gruppe jüngerer Menschen, die noch nach einem Namen für sich suchen. Mit der politisch-verhetzten und geistlich-missbräuchlichen evangelikalen Frömmigkeit ihrer Kindheit und Jugend hätten sie gebrochen, aber einen eigenen Glauben hätten sie immer noch. Nur, wie sollen sie nennen? Die Worte „evangelical“ und auch „Christian“ seien für sie verbrannt und vergiftet. So nennen sie sich „post-evangelicals“.

Vielleicht, dachte ich, steckte unter all den Trump-Kappen der ein oder andere Teenager, der sich heimlich in diese Richtung bewegte. Man soll die Hoffnung ja nie aufgeben.

P.S.: In England gibt es einen neuen Online-Kunst-Kommentar zur Bibel, der für die Predigtvorbereitung, den Religionsunterricht oder die persönliche Erbauung nützlich sein könnte: the visual commentary on scripture.

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