Johann Hinrich Claussen über den Playmobil-Fontane

Johann Hinrich Claussen über den Playmobil-Fontane
Nicht schon wieder!
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Foto: privat

Es begann als charmanter Scherz und hintersinnige Initiative zur De-Monumentalisierung des Reformators. Doch dann wurde der Playmobil-Luther so erfolgreich, massenhaft verkauft und allgegenwärtig, dass man ihn nicht mehr sehen möchte. Da war ich doch recht von Herzen froh, als das Reformationsjahr 2017 zu Ende ging und das kleine, nicht mehr ganz so witzige Männchen verschwand.

Doch das nächste Jubiläum steht vor der Tür. 2019 wird der 200. Geburtstag von Theodor Fontane groß gefeiert werden. Auch von mir, weshalb ich diesen Monat nutze, um die Mark Brandenburg zu erkunden. Das beschert mir eine Fülle höchst beglückender Erfahrungen. Einen Schreck handelte ich mir allerdings auch ein, nämlich als ich in der Neuruppiner Kulturkirche einem fast lebensgroßen Playmobil-Fontane (vor der außer Gebrauch genommenen Kanzel) begegnete (und anschließend im normalen Kleinformat in vielen Geschäften dieser Stadt). „Muss das sein?“, fragte mich und wollte schon anfangen, mich zu ärgern und allerlei kulturpessimistische Gedanken über die Kommerzialisierung, Eventisierung und Infantilisierung unseres kulturellen Erbes anzustellen. Doch dann erinnerte mich ein freundlicher Kollege an diese Zeilen des echten Fontane:

Erscheint dir etwas unerhört,

Bist du tiefsten Herzens empört,

Bäume nicht auf, versuch′s nicht mit Streit,

Berühr es nicht, überlaß es der Zeit.

Am ersten Tag wirst du feige dich schelten,

Am zweiten läßt du dein Schweigen schon gelten,

Am dritten hast du′s überwunden,

Alles ist wichtig nur auf Stunden,

Ärger ist Zehrer und Lebensvergifter,

Zeit ist Balsam und Friedensstifter.

Verse sind dies, die schon 2018 und nicht erst 2019 vielen leicht entflammbaren und hochempörten Zeitgenossen gut tun könnten. Helfen könnte ihnen auch, sich einmal wieder in einen Fontane-Roman zu vertiefen und zumindest für einen Moment das Internet gedanklich im Stechlin zu versenken.

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