Claudius Grigat über Style, Schokocreme und Marilyn Monroe

Claudius Grigat über Style, Schokocreme und Marilyn Monroe
Beauty-Frühstück
Gedeckter Frühstückstisch auf dem Balkon

Foto: Claudius Grigat

Auch im Urlaub ist das Familienfrühstück besonders schön.

Gedeckter Frühstückstisch auf dem Balkon

Die Frage, ob man bei uns adrett und geschniegelt zum Familienfrühstück erscheint, ist ein für allemal geklärt: Wenn es schon mal klappt, das alle sich Zeit nehmen, um sich gemeinsam um den Tisch zu versammeln, obwohl man stattdessen Hörspiel hören, What'sApp schreiben, Joggen gehen oder vor allem Weiterschlafen könnte, ist der Dresscode dezidiert 'casual'. Das klappt ohnehin nur am Wochenende – und da werden dann eben mal die "Out-of-bed-Frisur" und die Pyjamajacke zu Brötchen und Schokocreme durchgewunken.

Das gibt's nämlich beides nur am Wochenende. Oder vielleicht noch im Urlaub. Also, Brötchen und Schokocreme. Insbesondere mein Sohn würde sich nämlich sonst von nichts anderem ernähren. Im Notfall würde er sogar auf das Brötchen verzichten. Also haben wir diesen Konsum entsprechend ernährungsphysiologisch-pädagogisch wertvoll reglementiert.

Schmierst du noch oder baust du schon?

Derart eingeschränkt, nutzt er diese Freiheit an Samstag- und Sonntagvormittagen dann besonders aus. Womöglich kompensiert er einfach. Auf jeden Fall wird auf die Kohlenhydratunterlage draufgepackt, um nicht zu sagen gehäuft, was gerade noch geht. Oder noch mehr.

Exkurs 1: Wir sind ja in der Wahl des Fabrikats entschieden. Und leider ist es nicht palmölfrei. Aber wir gehören nunmal zu den Hardliner-Dogmatiker*innen, die steif und fest behaupten, dass es kein anderes Nuss-Nougat-Schmiererzeugnis gibt, das geschmacklich auch nur annähernd an die Einzigartigkeit dieses italienischen Traditionsprodukts mit den Fußballsammelbildchen zu WM- und EM-Zeiten heranreicht.

Was Frühtsück und Sandkasten gemeinsam haben

Exkurs 2: "Diese Schauspielerin von ganz früher, diese berühmte, auf dem Bild da - was ist denn das für ein kleiner brauner Punkt da in ihrem Gesicht?" So fragte meine Tochter. "Marylin Monroe? Das ist ein Muttermal. Viele sagen auch 'Schönheitsfleck' dazu." "Aha." Beide Kinder nicken, Erklärung akzeptiert. Dann hatte ich diesen sehr alltäglichen Dialog vergessen. Für lange Zeit.

Zurück zur Schokocreme. Sehr viel Schokocreme, wie gesagt. Manchmal fühle ich mich beim Beobachten des Geschehens am wochenendlichen Frühstückstisch an frühere Zeiten auf dem Spielplatz zurück erinnert: Wie die Kinder dort die Sandkuchen aufeinander türmten, ein Förmchen nach dem anderen, bis es irgendwann zu viel wurde… So auch mit der süßen Paste: Natürlich plumpst ein großer Klumpen auf dem Weg zum Mund herunter. Und landet auf der Schlafanzughose. Regelmäßig.

Eines schönen Sonntags reicht es mir dann und ich hebe an zu schimpfen: "Kannst du nicht besser aufpassen? Was ist denn das für ein großer brauner Punkt da auf deiner Schlafanzughose…?" "Das, Papa, ist ein Schönheitsfleck!" Kein Wind mehr in den Segeln, nirgends.

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Claudius Grigat
Claudius Grigat lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern am Stadtrand – sehr normal. Aber was ist schon normal, wenn es um Kindersachen geht? Wenn man zum Beispiel entdeckt, dass zwei verschiedene Socken cool sind, Barbies nicht stehen können und das Leben kein Ponyhof, der Ponyhof aber das Leben ist… Den Dingen auf den Grund zu gehen ist für ihn als Journalist und als Papa immer wieder eine schöne Herausforderung.

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