Claudius Grigat über Einschulung und wertschätzende Pädagogik

Claudius Grigat über Einschulung und wertschätzende Pädagogik
Darstellendes Spiel
Verkleidete Kinder beim Theaterspiel

epd-bild / Bertold Fernkorn

Darstellendes Spiel kann Dinge verdeutlichen...

Das war ein aufregender Tag: Einschulung, in die sogenannte "weiterführende Schule" nach der Grundschule. Das erste, was meine Tochter "weiter führt" ist nun der Schulweg: Erst ein kurzer Fußweg, dann der Bus in den nächsten Stadtteil, dort in die U-Bahn und schließlich nochmal ein paar Schritte. Jetzt erst fällt mir auf, wie gut ich es früher hatte: Gut 10 Minuten mit dem Fahrrad! Andererseits sind die öffentlichen Verkehrsmittel das Argument schlechthin, mit dem die Fünftklässler ihren Eltern ein Handy abtrotzen. Das gab es noch nicht mal zu meiner Schulzeit.

Die neue Schule meiner Tochter hat das schön gemacht: Eine kleine Begrüßungsfeier in der Aula, mit Musik- und anderen Darbietungen. Dazu warme Worte der Direktorin und ein gewissenhaft sich kümmernder neuer Klassenlehrer. Und ein ökumenischer Gottesdienst in der benachbarten Kirche.

Gute Fürbitten gerne im Dutzend

Auch der wurde von Lehrkräften der Schule gestaltet, unter tätiger Mitwirkung der Schülerinnen und Schüler der fünften Klassen aus dem letzten Schuljahr. Die erinnern sich ja noch, wie es sich anfühlt, hier ganz neu zu sein. Und deshalb war auch ganz viel von Aufregung die Rede, von Ängsten und natürlich von Hoffnungen – auf viele gute neue Freunde beispielsweise. Diese Fürbitte wurde insgesamt zwölf mal vorgelesen: Die Lehrkräfte hatten – ganz pädagogisch – die Schülerinnen und Schüler angeleitet, Fürbitten für ihre neuen Miteleven zu verfassen (jede/r eine), dann aber nicht mehr am Ergebnis herumgemäkelt, sondern das Werk der Kinder so stehen lassen. Und die Fürbitte mit den neuen Freunden war nunmal der Tophit.

Die gleiche pädagogische Herangehensweise galt auch für die Spielszenen zum zentralen Text des Gottesdienstes: Psalm 91. Woher ich das weiß? Folgendes passierte:

Die Lehrerin liest vor: "Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu dem Herrn: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe." Zwei Schülerinnen kommen mit einem großen Schirm, den sie schützend über einen Mitschüler halten. Wieder die Lehrerin: "Der Herr spricht: 'Er liebt mich, darum will ich ihn erretten; er kennt meinen Namen, darum will ich ihn schützen.'" Zwei Kids stellen sich links und rechts von einem dritten auf und halten schützend die ausgebreiteten Arme mit den Handflächen nach unten über dessen Kopf, wie ein Dach. Und weiter: "Er ruft mich an, darum will ich ihn erhören!" Drei neue Schüler entern die Bühne, ziehen augenblicklich ihre Smartphones aus der Tasche und simulieren ein konzentriertes Telefonat. Mir fiel es schwer, mich auf den weiteren Verlauf des Gottesdienstes zu konzentrieren.

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Claudius Grigat
Claudius Grigat lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern am Stadtrand – sehr normal. Aber was ist schon normal, wenn es um Kindersachen geht? Wenn man zum Beispiel entdeckt, dass zwei verschiedene Socken cool sind, Barbies nicht stehen können und das Leben kein Ponyhof, der Ponyhof aber das Leben ist… Den Dingen auf den Grund zu gehen ist für ihn als Journalist und als Papa immer wieder eine schöne Herausforderung.

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