Claudius Grigat über Armageddon beim Abendbrot

Claudius Grigat über Armageddon beim Abendbrot
Nudeln
Kind mit verschmiertem Mund und Spaghetti in den Händen

Foto: Getty Images/iStockphoto/phakimata

Warum wohl macht Spaghettiessen so besonders viel Spaß...?

Spaghettimonster

Gibt es etwas, das alle Kinder essen? "Klar!" wird da unisono die Antwort durch das ganze Land ertönen: "Nutella!" Na gut, ja, aber das meinte ich nicht. Noch etwas vielleicht? Etwas zaghafter, aber trotzdem bestimmt wird dann zurückkommen: "Nudeln?!" Ja, klar, Nudeln.

Schon immer lieben auch unsere Kinder die Teigwaren in allen Formen, am liebsten natürlich in lang und dünn – wahrscheinlich, weil sich mit Spaghetti besonders viel Sauerei machen lässt. Und auch unsere Kinder ließen sich weder durch italophile Kochexperimente noch durch schwäbische Roots-Küche oder gar süße Pasta-Rezepte (eigentlich ein Verbrechen!) von der irrigen Überzeugung abbringen, dass langweilige Tomatensoße das Nonplusultra dazu sei. Sei's drum.

Keine Experimente!

Einmal aber gab es eine echte Revolte, ach was, ein Armageddon am Abendessenstisch. Die Kinder waren beide noch richtig klein und thronten auf ihren Kinderstühlen. Als mein Sohn sah, was aufgetragen wurde, verließ er die obere Kinderstuhlplattform, kniete sich demonstrativ mit dem Rücken zum Tisch vor die untere (wo die Füßchen eigentlich drauf stehen sollen) und hieb minutenlang protestierend mit der Faust auf selbige ein. Kinderfaust auf Tripp-Trapp-Holzbrett, immer wieder. Irgendwann konnten wir durch die Mauer aus Wut, Zorn und Verzweiflung durchdringen und einen Kommunikationsversuch starten: "Was ist denn los?"

"Ich esse diese Nudeln nicht!" war die Antwort. "Ich will die anderen!" Tief in meinem Inneren hatte ich es bereits geahnt: Meine Frau hatte die unfassbare Unverfrorenheit besessen, ein Gesundheitsexperiment katastrophalen Ausmaßes zu starten. Sie hatte Vollkornspaghetti gekocht! Die Enttäuschung der Kinder, die sich auf - ganz normale - Nudeln mit Tomatensoße gefreut hatten, war himalayagroß, die Traurigkeit marianengrabentief. Die völlig überrumpelten Eltern versuchten, die weiße Flagge bereits gehisst, zu verstehen, warum die doch bloß etwas dunkleren Nudeln so ungenießbar sein sollten. Nach wiederholtem Nachfragen meiner Frau ließ sich meine Tochter schließlich zu einer augenrollenden Erklärung herab: "Aber Mama, das sieht man doch, dass man die nicht essen kann – die sind doch noch gar nicht reif!"

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Schön bunt ist das Familienleben, manchmal auch zu bunt. Geschichten aus dem turbulenten Alltag von Claudius Grigat

Claudius Grigat
Claudius Grigat lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern am Stadtrand – sehr normal. Aber was ist schon normal, wenn es um Kindersachen geht? Wenn man zum Beispiel entdeckt, dass zwei verschiedene Socken cool sind, Barbies nicht stehen können und das Leben kein Ponyhof, der Ponyhof aber das Leben ist… Den Dingen auf den Grund zu gehen ist für ihn als Journalist und als Papa immer wieder eine schöne Herausforderung.

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Zwei Redaktionen, ein Blog: Dominique Bielmeier arbeitet bei der Sächsischen Zeitung in Dresden. Anne Buhrfeind und Dorothea Heintze bei chrismon in Frankfurt. Nun bloggen sie: Über ihren Redaktions-Austausch, ihr Leben als Ossi im Westen, ihr Leben als Wessi im Osten. Und ihren Alltag, hier wie dort.